107 Jahre hat der Wiener-Sportklub-Platz bereits auf dem Buckel, die letzten Renovierungen am ältesten bespielbaren Fußballplatz Österreichs liegen bereits 27 Jahre zurück. Nun wird... Für den Sportklub ist kein Geld mehr da – Rettung des Sportklub-Platzes notwendig!

107 Jahre hat der Wiener-Sportklub-Platz bereits auf dem Buckel, die letzten Renovierungen am ältesten bespielbaren Fußballplatz Österreichs liegen bereits 27 Jahre zurück. Nun wird eine neuerliche Generalsanierung des Platzes jedoch unumgänglich: Der kultige Platz in Wien-Dornbach ist in einem untragbaren Zustand.

Die Wiener Austria bekommt eine neue Tribüne, der SK Rapid ein umgebautes Hanappistadion inklusive Akademie und neuer Trainingsmöglichkeiten, der First Vienna FC renovierte die Hohe Warte vor sechs Jahren. Die Stadt Wien sorgt sich um ihre großen Spielstätten – nur der Sportklub-Platz ging bisher leer aus. Neu publizierte Fotos veranschaulichen jetzt knallhart, was die Dornbacher Spatzen bereits von den Dächern pfiffen: Das Stadion ist in einem Zustand, für den sich ein georgischer Zweitligist schämen würde.

Drei von vier Tribünen baufällig

Das maximale Fassungsvermögen des Platzes wurde vom Magistrat bereits deutlich reduziert, die Osttribüne an der Kainzgasse ist bis auf weiteres gesperrt. Auch eine Sperre der Westtribüne ist aufgrund des schlechten Zustands der Dachkonstruktion nur eine Frage der Zeit. Zudem ist die Friedhofstribüne, Heimat der Sportklub-Fans, aufgrund diverser witterungsbedingter Schäden ebenfalls angezählt. Von zahlreichen Wasserflecken, Schimmel, abbröckelnden Verputz und katastrophalen Kabinen ganz zu schweigen.

Aufstieg ausgeschlossen

Das Stadion gehört der Stadt Wien, die daher einen ersten Denkanstoß für eine etwaige Renovierung bringen muss, auch wenn der Wiener Sportklub Stadionpächter ist. Klar ist demnach jedoch auch, dass der Wiener Sportklub einen finanziellen Teil dazu beitragen muss – und das Liquiditätsproblem des Regionalligisten erweist sich als größtes Problem am notwendigen Sanierungsvorhaben. Der Wiener Sportklub hat in seiner momentanen Form keinerlei Perspektive. Obwohl der Verein eine hohe Reputation (vor allem im Vergleich mit anderen Regionaligaklubs) genießt und für eine zeitlebens gute Nachwuchsarbeit steht, ist ein Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse und dem damit verbundenen Profifußball von Vereinsseite nicht angedacht. Selbst wenn es der Sportklub sportlich schaffen würde: Man muss die ewige Amateurfußballfloskel „Der WSK will nicht aufsteigen“ bemühen, wie man sie auch von anderen Amateurvereinen – zumeist allerdings noch einige Ligen weiter unten – kennt.

Profifußball außer Reichweite

Profifußball in Dornbach wäre ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wäre es unmöglich am aktuellen Sportklub-Platz Profifußballspiele zu veranstalten, andererseits würde dies die Stadt Wien unter Druck setzen. Auf einen Regionalligaklub vergisst man einfacher, als auf einen, dessen Spiele regelmäßig im Fernsehen übertragen werden. Um Profifußball in Dornbach möglich zu machen, benötigt der Sportklub ein Budget von 1,5 Millionen Euro, einen Trainer mit UEFA-Lizenz, einen hauptamtlichen Vereinsmanager und einen Rattenschwanz an wirtschaftlichen Garantien. All das ist laut eigener Presseinfo für den Verein nicht machbar – im Gegenteil: Der 2001 als Auffangverein gegründete WSK zittert bereits vor den neuesten Flutlichtauflagen, die den Klub an seine finanziellen Grenzen drängen wird.

Politisch nicht wichtig genug

Der Wiener Sportklub pfeift aus dem letzten Loch und schielt hilfesuchend in Richtung Stadt – vor allem nachdem diese den SK Rapid großzügig subventionierte. Der Vergleich mit Rapid ist jedoch maximal trotzig – auch wenn es für die Funktionäre des Wiener Sportklubs eine unangenehme Tatsache ist, muss festgestellt werden, dass das Geld für den Umbau und die Renovierung des Hanappistadions eine politische Notwendigkeit darstellte. Und für eine solche ist der Sportklub zu wenig Massenzugpferd. In der Stadt gibt es derzeit Strömungen, die von stückweisen Renovierungsprozessen in Dornbach sprechen – laut derstandard.at möchte Sportstadtrat Oxonitsch zuerst das Feuchtigkeitsproblem in den Griff bekommen. Ein einzelner Blick auf den Zustand des Stadions lässt allerdings kaum andere Schlüsse zu, als dass man den kultigen Spielort mit Ausnahme der Südtribüne komplett abreißen und neu aufbauen müsste. Stückwerk darf in Dornbach in Zeiten von Nachhaltigkeitsdiskussionen kein Thema sein.

Union-Berlin-Modell?

Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Der Wiener Sportklub muss mit der Stadt Wien auf einen grünen Zweig kommen, der beide Seiten finanziell minimal belastet und dennoch eine nachhaltige Lösung zur Folge hat. Eine Möglichkeit stellt dabei das Modell dar, das der 1.FC Union Berlin vor wenigen Jahren umsetzte: Die Berliner riefen die Aktion „Stadiongründer“ ins Leben, bei der Fans „Gründersteine“ erwerben und den Verein damit finanziell unterstützen konnten. Weiters halfen 2.000 freiwillige Helfer am Umbau des Stadions an der alten Försterei mit – sie leisteten etwa 140.000 unentgeltliche Arbeitsstunden. Natürlich passierte all dies in Berlin in einer anderen Größenordnung als es in Dornbach von Nöten wäre. Der Kultstatus und Flair des Vereins würde jedoch ein ähnliches Helfermodell auch in Dornbach möglich machen – die Fans belohnen sich selbst, Stadt und Verein sparen Geld. Nur die Stadt müsste für diese Idee ihr OK geben…

Sportklub muss aktiver werden!

Und der Sportklub? Der soll laut Stadt Wien ein Konzept für den Umbau vorlegen, fragt sich jedoch wieso. Wie im sportlichen Bereich scheint der Wiener Sportklub auch auf dem Gebiet der Stadionproblematik keine Perspektive zu haben. Der Stadt Wien patzig zu antworten und auf Wien-Hütteldorf zu verweisen ist einfach – aber auch ein richtig starkes Konzept, vorerst ohne detaillierter finanzieller Überlegungen herzustellen, ist keine Hexerei. Jemand muss das Herz in die Hand nehmen und sich etwas Handfestes auf den Tisch knallen, das über Jahrzehnte ein Identifikationssymbol für den Wiener Sportklub ist. Dann löst sich womöglich auch ein anderes Problem des Vereins von selbst: Das der Sponsoren! Ähnlich wie bei Rapid könnte auch der Wiener Sportklub eine Euphorie entfachen, wenn die Heimstätte – zunächst auf dem Papier – zu einem baldigen Schmuckkästchen aufgewertet wird. Aber mit einem ebensolchen Papier spaziert es sich leichter zu Sponsoren, mit breiter Brust und dem optimistischen Satz: „Der Wiener Sportklub baut und stellt die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft. Und Ihr Unternehmen kann von Anfang an dabei sein!“ – solange man sich im Verein für einen solch entschlossenen Schritt nicht bereit fühlt, wird das Jammern weitergehen. Einfach weil sich der Verein so nie wieder aus dem Amateurfußball wegbewegen wird.

Übrigens: Es gibt derzeit eine Online-Petition mit dem Titel „Rettet den Sportklub-Platz“. Über Sinn und Unsinn dieser Aktion lässt sich streiten, aber tragt euch im Sinne der österreichischen Fußballtradition dennoch ein – auch wenn es nur symbolisch bleiben sollte.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen