Der SK Rapid erfüllte am gestrigen Nachmittag beim SC Schwaz seine Pflichtaufgabe. Der Tiroler Regionalligist wurde mit 2:0 besiegt. Rapid beherrschte den Gegner problemlos,... Klar überlegen, aber zu ungefährlich: Rapids Pflicht-2:0 in Schwaz

Stefan Schwab - SK Rapid

Der SK Rapid erfüllte am gestrigen Nachmittag beim SC Schwaz seine Pflichtaufgabe. Der Tiroler Regionalligist wurde mit 2:0 besiegt. Rapid beherrschte den Gegner problemlos, glänzte aber nie und bleibt vor allem offensiv in alten Mustern hängen.

Wir beginnen mit dem positivsten Aspekt im Spiel der Hütteldorfer. Das Gegenpressing, die Ballrückeroberungen nach gescheiterten Angriffsversuchen, funktionierte prächtig. Nur ganz selten kamen die Schwazer zu so etwas ähnlichem wie Konterchancen. Echte Chancen erspielte sich der Regionalliga-West-Klub nur zwei.

Mittelfeldzentrale erstickt gegnerische Angriffe im Keim

Ansonsten blieben die Bälle häufig bereits im Mittelfeld hängen, wobei sich vor allem der Torschütze zum 1:0, Stephan Auer, positiv hervortat. Aber auch Kapitän Stefan Schwab und die aufrückenden Innenverteidiger konnten einige Bälle sichern und sofort wieder für Kontrolle im Spiel der Hütteldorfer sorgen. Wenn diese Aggressivität im Gegenpressing auch gegen stärkere Gegner beibehalten wird, wird das Rapid stärken.

Offensive Dreierreihe im Pressing nicht aggressiv genug

Gleichzeitig war das Pressing nicht gut genug. Das Positionsspiel passte zwar und die Außenverteidiger standen äußerst hoch, allerdings waren die Attacken auf den spielaufbauenden Gegner nicht aggressiv genug. Häufig wurde das Attackieren nur „angedeutet“. Von einer „Jagd“, wie sie etwa RB Salzburg des Öfteren auf einen aufbauenden Gegner macht, war wenig zu sehen.

Zu kompliziert im letzten Drittel

In Ballbesitz machte Rapid alte Fehler. Das Spiel im letzten Drittel war zu kompliziert, die Djuricin-Elf hatte viel zu viele Ballkontakte, wie es auch oft unter Barisic der Fall war. Konkrete Abschlüsse wurden zu selten gesucht, immer wieder gab es noch einen Haken, noch einen Doppelpass, noch eine Drehung um den Gegner.

Keine „besonderen“ Aktionen

Diese Kritik muss sich praktisch die gesamte Offensivabteilung gefallen lassen. Keiner aus der offensiven Dreierreihe suchte mit kurzen, schnellen Aktionen die Tiefe. Der eine oder andere Lauf zur Grundlinie geschah auf einer weit außen liegenden Position, war vorhersehbar und relativ geradlinig zu verteidigen. Es passierte einfach nichts Besonderes. Die durchwegs ähnlichen Abläufe machten es dem technisch schwachen Gegner leicht, den ballführenden Rapidler zu verfolgen und die markanten Räume in der Zentrale zu besetzen.

Schwabs starker Laufweg vor dem 2:0

Wie es gehen könnte, zeigte Stefan Schwab vor dem 2:0. Er leitete den Angriff, der zu seinem Treffer führte, selbst mit ein. Zuerst schaltete er Kuen mit ein, der den Ball auf den Flügel zu Schrammel legte. Dessen Flanke verwertete Schwab sicher zur Vorentscheidung. Das war aber nur möglich, weil sich Schwab richtig und auch risikofreudig platzierte. Er ging nicht – wie viele seiner Mitspieler – den einfachen und absicherenden Weg, sondern bewegte sich in die Gefahrenzone, wo sein Gegenspieler nicht mehr mitwollte.

Zu wenig Risikofreudigkeit in der offensiven Dreierreihe

Genau das fehlte aber Spielern wie Murg, Szanto, Schaub und insgesamt auch Joelinton. Die Priorität lag immer darauf, eine Anspielstation im Kurzpassspiel zu sein und sich so kombinatorisch in Abschlusspositionen zu bringen. Riskanter, aber auch effektiver wäre es, wenn kurze, intensive Läufe in Räume zwischen den Abwehrspielern gesucht würden. Gerade in einem Spiel, in dem das Gegenpressing im zweiten Drittel (bzw. am Übergang vom zweiten zum dritten Drittel) gut funktioniert, können solche Läufe häufiger probiert werden. Auch auf die Gefahr hin, dass dadurch insgesamt mehr Bälle verloren gehen. Die, die nicht verloren gehen, werden zwangsläufig zu klaren Torchancen.

Rapid muss konkreter und explosiver werden

Dieses Problem der fehlenden Dynamik zieht sich bei Rapid wie ein roter Faden durch die letzten Jahre. In der vergangenen Saison kam noch hinzu, dass selbst das Kurzpassspiel nicht mehr funktionierte und alle verunsichert waren. Aber auch unter Barisic wurden die tiefen Abwehrkonstellationen des Gegners weitgehend nicht konkret genug bespielt. Man achtete darauf keine Fehler zu machen und geduldig zu bleiben. Gerade gegen spielerisch offensichtlich unterlegene Gegner wäre eine direktere Spielweise anzuraten, weil diese nach Ballgewinnen ohnehin nicht viel mit dem Leder anfangen können.

Erste Kritik schon nach 45 Minuten

In der Halbzeit kritisierte Fredy Bickel die Leistung seiner Mannschaft. Schon nach den ersten 45 Minuten in der neuen Saison vernahm man also die Worte „so kann man nicht auftreten“ – das ging schnell. Einerseits ging es dabei sicher um einzelne Spieler. Nicht umsonst wurde der passive Szanto zur Pause durch Rapids neuen, alleinigen Rekordspieler Steffen Hofmann ersetzt und der selbst gegen Schwaz unsichere Innenverteidiger Maximilian Hofmann durch den routinierteren Mario Sonnleitner.

Keine Anstalten den Gegner zu „fressen“

Andererseits ging es aber auch um den Auftritt im Allgemeinen bzw. um den fehlenden Biss der Rapid-Elf. Die Grün-Weißen müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie sich in einer Art Versöhnungssaison befinden. Der unbedingte Wille, den unterklassigen Gegner zu „fressen“, war jedoch über weite Strecken nicht spürbar. Speziell in der ersten Halbzeit sah man zu wenig Initiative, phasenweise Lässigkeit und unzureichendes Zweikampfverhalten an den Flügeln. Und das obwohl der Spielverlauf ideal war.

Destruktive Gegner sind (leider) die Norm

Das Cup-Spiel gegen Schwaz war als „Test“ für den Ernstfall deutlich aufschlussreicher als sämtliche Saisonvorbereitungsspiele. Während die Testspielgegner allesamt versuchten mitzuspielen und Rapid somit Räume offenbarten, igelten sich die Tiroler ein und hinterließen Rapid oft ideenlos und aufgrund des fehlenden Offensivrhythmus auch irgendwann lethargisch. Das ist allerdings auch die Spielanlage, die Rapid in den allermeisten Ligaspielen erwarten wird. Ein echtes Mittel zum Knacken einer solchen Zermürbungsformation fand die Djuricin-Elf aber noch nicht. Es braucht Spieler, die durch eine „besondere“ Spielweise die Ordnung des Gegners zerstören können – seien es lernfähige, vorhandene Spieler oder neue…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen