Das Cup-Finale wurde spontan verschoben und findet jetzt doch in Klagenfurt statt. Alle Beteiligten waren sich am Ende einig, dass ein Cupfinale zwischen Rapid... Kommentar: Grün-Weiß als perfekter Cup-Sündenbock

Das Cup-Finale wurde spontan verschoben und findet jetzt doch in Klagenfurt statt. Alle Beteiligten waren sich am Ende einig, dass ein Cupfinale zwischen Rapid und Salzburg in der Generali-Arena in Wien-Favoriten mehr Nachteile als Vorteile in sich birgt. Irritierend sind jedoch einige öffentliche Reaktionen und Teile der Berichterstattung.

Wenn man Facebook-Kommentare, aber auch Kommentare von diversen Medien durchstöbert, so wird nun der SK Rapid als treibende Kraft hinter der Verlegung ausgemacht. Von Wettbewerbsverzerrung bis hin zu einem „Kniefall vor den Ultras“ ist die Rede. Wie genau man auf einen solchen Blödsinn kommt, wird leider nirgendwo im Detail ausgeführt.

Klar: Rapid kann für sein erst fünftes Cupfinale in den letzten 30 Jahren wesentlich mehr als die 7.000 Fans mobilisieren, die man in den „Viola Park“ mitnehmen dürfte. Alleine mit den Vorverkaufsmodalitäten würde Rapid bei einem solch geringen Kontingent in Bedrängnis geraten, weshalb die bevorstehenden Probleme mit dem Austragungsort Wien-Favoriten für Rapid ein guter Trigger waren, um auf eine Verlegung des Spiels in ein größeres Stadion zu plädieren.

Rapid hoffte auf das Ernst-Happel-Stadion als Austragungsort, was natürlich einen großen Heimvorteil bedeutet hätte. Aber auch den Salzburgern hätte im Prater niemand verboten, mehr als 7.000 Fans mitzunehmen. Nun findet das Spiel ohnehin in Klagenfurt statt, was Vorwürfen der potentiellen Wettbewerbsverzerrung vorbeugt und das wichtigste Kriterium erfüllt: Das Finale des traditionell schlecht vermarkteten Cups wird eine würdige Kulisse bekommen.

Wieso medial bzw. in der öffentlichen Wahrnehmung aber hauptsächlich Rapid als das große Problem dargestellt wurde, ist äußerst fraglich. Immerhin ging der Aktionismus rund um das Cupfinale von den Fans des Erzrivalen der Grün-Weißen aus. Die Austria-Fans beschimpften zunächst ihren Vorstand Markus Kraetschmer wüst, forderten seinen Rauswurf, eine Verlegung des Finalspiels, drangen unbefugt in ihr eigenes Stadion ein, befestigten Verbotstafeln mit Vorhängeschlössern und sperrten ihre Heimstätte damit symbolisch für andere Vereine zu. Drohungen aus der für den Großteil der Fans nicht repräsentativen „Dritte-Halbzeit-Fraktion“ mal ganz außen vorgelassen…

Schauplatzwechsel nach Pasching. Ein Böllerwurf durch einen Salzburg-„Fan“ verletzt beim Auswärtsspiel des Meisters gegen den LASK einen Balljungen. Verhältnismäßig ist diese massive Verfehlung durch einen Einzelnen eine Randnotiz in der Medienlandschaft.

Der Rapid-Anhang nahm die Austragung des Cupfinales in Favoriten weitgehend mit Humor. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass irgendetwas passiert wäre – sicher aber kein „geplanter Vandalismus“, abgesegnet durch die aktive Szene. Dennoch ist in der Öffentlichkeit die Rede davon, dass man sich mit der Verlegung des Spielortes den Rapid-Fans (!) beugte.

Selbstverständlich bestehen Teile der Rapid-Fantribüne nicht aus Heiligen. Selbstverständlich gab es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit einigen Fans. Aber wehe die tatsächlich ausgeübten Aktionen der letzten Wochen wären von Rapid-Fans verübt worden. Der Boulevard hätte vor dem Auftischen der ersten apokalyptischen Szenarien gar keine Zeit zum Händereiben gehabt.

Leider funktioniert medialer Populismus im Jahr 2019, weshalb viele Kommentatoren in den sozialen Netzwerken automatisch die Rapid-Fans als Schuldige für die Spielortsverlegung und das unnötige Tamtam rund ums Endspiel ausmachten. Quälend ist allerdings, dass parallel die Aktionen der Austria-Fans als lustig bis kreativ eingeschätzt und der Böllerwurf von Pasching mit der Distanzierung durch den Verein praktisch völlig aus der Schusslinie der Medien genommen wurden. Man kann nur wiederholen: Stellt euch mal vor, was verhältnismäßig losgewesen wäre, wenn diese Aktionen von Rapid-Fans verübt worden wären…

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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