Völlig überraschend bezwang Red Bull Salzburg vor heimischem Publikum das Starensemble der Münchner Bayern. Dabei zeigten beide Mannschaften wichtige taktische Aspekte in Bezug auf... RB Salzburg besiegt Bayern München (2) – Die taktischen Fehler der Bayern

Bayern MünchenVöllig überraschend bezwang Red Bull Salzburg vor heimischem Publikum das Starensemble der Münchner Bayern. Dabei zeigten beide Mannschaften wichtige taktische Aspekte in Bezug auf ihre mittel- und langfristige Zukunft. So versuchte sich Pep Guardiola mit einer Dreierkette und setzte ein paar junge Talente ein, während die Salzburger bewiesen wie stark ihr Pressing auch nach der Winterpause wohl sein wird. Dieses kommentierte Guardiola mit folgenden löblichen Worten:

„Ich habe in meiner Karriere noch nie gegen eine Mannschaft gespielt, die mit so einer hohen Intensität gespielt hat wie Red Bull Salzburg.“

In dieser dreiteiligen Analyse wollen wir uns die erfolgreiche Spielweise der Bullen, die Probleme der Bayern, die Anpassungen der jeweiligen Trainer und Mannschaften sowie  einzelne Leistungen von Jungstars wie Höjbjerg und Lazaro ansehen und einen kleinen Ausblick wagen. Im zweiten Teil geht es um die Bayern.

Bayerns Formation

Auffällig in dieser Partie war natürlich die Umstellung der Bayern auf eine Dreierkette. Guardiola selbst sprach nach dem Spiel davon, dass man nicht nur experimentieren, sondern sich auch gesondert an den Gegner anpassen wollte. Mit dem entstandenen 3-4-2-1/3-2-2-3 wollten sie dadurch vermutlich das schon erwähnte 4-4-2-Pressing der Salzburger überspielen, was allerdings nicht gelang. Guardiola sprach auch davon, dass sie mit einzelnen Rückpässen und darauffolgenden Seitenverlagerungen die Außen überspielen und mit hoher Präsenz in der Mitte agieren wollten. Auch dies schlug fehl.

Die Dreierkette scheitert

Bei Pässen nach hinten rückten die Bullen sofort nach und erzeugten Druck. Dadurch konnte die Seite nie einfach verlagert werden, gleichzeitig hatten die Bayern Probleme die Mitte einzusetzen. Das extrem weite Einrücken von Mané und Kampl in die Mitte bedeutete großen Druck in diesen Räumen. Außerdem bewegten sich Soriano und Zulj intelligent, wodurch sie Pässe auf Höjbjerg und Kroos, welche als leicht asymmetrische Doppelsechs hinter Thiago und Götze spielten, verhindern konnten.

Wenn die Bayern auf die Flügel kamen, dann fehlte ihnen dort die Anbindung an andere Spieler. Alaba auf links musste selbst in hohen Positionen und nach einzelnen Dribblingversuchen den Ball oft nach hinten spielen und wurde von Salzburg sehr gut isoliert. Ähnlich erging es Xherdan Shaqiri auf der rechten Außenbahn. Bis sie zurückspielten, der Ball auf die andere Seite verschoben und der Angriff dort neu aufgebaut wurde, hatte Red Bull den kompakten 4-4-2-Wall schon auf der anderen Seite neu erbaut.

Des Weiteren beteiligten sich die Halbverteidiger Boateng und Martinez nur unzureichend an Angriffen. Sie hatten allerdings auch Probleme dies überhaupt konstruktiv zu tun. Standen sie tief, dann waren die Flügelläufer isoliert und nicht anspielbar. Standen sie höher, dann hatten sie bei Kontern extreme Löcher neben Dante, waren aber offensiv dennoch nicht wirklich hilfreich. Zu dritt besetzten sie die Platzbreite nicht ordentlich oder ließen die Schnittstellen zu weit offen. Bei Manés Tor war sehr gut zu sehen, dass Höjbjerg den offenen Raum nicht ordentlich besetzen kann, Martinez zu weit rechts und die beiden anderen Innenverteidiger zu weit von Javi Martinez weg stehen.

Manes Tor und Bayerns Dreierkettenprobleme

Wichtig war dabei auch das Bewegungsspiel in der Mitte, in dem besonders einer negativ herausstach.

Höjbjergs Rolle und seine Probleme in der Positionsfindung

Pierre-Emile Höjbjerg gilt eigentlich als Riesentalent bei den Münchnern. Der erst 18-jährige Däne ist bereits gebaut wie ein Weltklassefußballer, kann sein Talent aber auf höchstem Niveau natürlich noch nicht konstant umsetzen. Dies soll keine destruktive oder polemische Kritik an Höjbjerg werden. Er besitzt tolle Fähigkeiten und ist ein großes Talent. Seine Probleme in diesem Spiel stehen jedoch systematisch für einzelne Aspekte, welche in seinen bisherigen Kurzeinsätzen schon auffielen.

Der Jungstar ist zwar körperlich stark und spielerisch sehr gut, doch er hat taktisch noch einzelne Mängel. Neben der Entscheidungsfindung ist dabei insbesondere die Positionsfindung gemeint. Sowohl offensiv im Anbieten, Freilaufen und Erkennen gegnerischer Dynamiken und Strukturen als auch defensiv im Stellungsspiel und Besetzen von Räumen hat Höjbjerg auf höchstem Niveau und in großem Tempo noch Probleme. Für einen 18-Jährigen ist dies absolut legitim, doch gegen die aggressiv pressenden Salzburger und in einer Mannschaft ohne die nötigen Automatismen wurde Höjbjerg natürlich Opfer der Umstände und zeigte keine starke Leistung.

Allerdings sollte man bedenken, dass dies ein Testspiel war – und Guardiola womöglich Höjbjerg bewusst in dieser Position einsetzte. Er spielte nämlich wie schon angedeutet nicht auf einer Höhe wie Toni Kroos, sondern sollte sich immer wieder situativ nach hinten fallen lassen. Diese hochkomplexe Rolle hat schon Sergio Busquets einst in einem denkwürdigen Clásico perfekt verkörpert. Höjbjergs Position und Rolle in dieser Partie erinnerte daran; seine Schwächen sollten eventuell gegen die hoch pressenden Salzburger bewusst getestet werden.

Dabei deutet auch die Abwehrbesetzung daraufhin. Es war nicht Boateng, der auf rechts spielte und Dante auf links, während Javi Martinez wie in seiner Zeit bei Athletic Bilbao die Mitte in der Dreierkette besetzte, sondern Dante agierte überraschend als einziger Linksfuß in der Mitte. Dadurch tendierten die Bayern dazu, zwischen Dante und Martinez eine größere Schnittstelle zu öffnen, in die sich eben Höjbjerg als halbrechter Mittelfeldspieler ein paar Mal zurückbewegte.

Es scheint also ein bewusstes Experiment Guardiolas gewesen zu sein, welches eben nicht voll aufging. Nichtsdestotrotz war es überaus interessant zu verfolgen und auch darum sollte Höjbjerg noch kein Strick gedreht werden; für einen 18-Jährigen war es in diesem Kontext schlicht eine zu erwartende Leistung.

Bayern mit offensiven Problemen und ohne Zentrumskontrolle

Außerdem war Höjbjerg nicht der einzige Akteur, der sich unter Normalform befand. Neben Martinez, der ebenfalls Probleme im Stellungsspiel und in der positionellen Entscheidungsfindung hatte, hatten auch die meisten anderen Akteure Probleme. Götze und Thiago auf den Halbpositionen hinter dem Mittelstürmer wurden kaum eingebunden und konnten ihre Fähigkeiten als Nadelspieler nur suboptimal einbringen. Shaqiri und Alaba auf den Flügelpositionen brachten bis auf zwei gute Abschlüsse und ein paar ungefährliche Aktionen und Flanken wenig zustande.

Toni Kroos, Dante und Jerome Boateng zeigten ebenfalls keine Galaform. Und vorne konnte sich der Mittelstürmer ebenso wenig konstruktiv ins Spiel einbringen.

Bayern ohne Präsenz vorne

Thomas Müller spielte als Mittelstürmer und war für dieses Spiel wohl die falsche Wahl in dieser Position. Normalerweise ist Müller extrem durchschlagskräftig, wenn der Gegner mit einer solch hohen Abwehrlinie und einer solchen Aggressivität spielt. Bayern fehlte es aber an mehreren Faktoren, um die Fähigkeiten des selbst ernannten „Raumdeuters“ ordentlich einzubinden.

Eigentlich spielt der deutsche Rekordmeister höher und mit zwei Flügelstürmern; Müller kann sich als Mittelstürmer dann immer wieder mit diagonalen Läufen hinter die herausgerückten Außenverteidiger bewegen und eine kurzzeitige Überzahl kreieren. Gleichzeitig steht Müller oftmals einfach sehr breit und kommt dann mit schnellen Läufen hinter die Abwehr in die Mitte.

Ohne echte Flügelstürmer und Überzahl konnte er einfacher kontrolliert und gedeckt werden. Darum entschied sich Guardiola zu einigen Wechseln, um dieses Problem zu beseitigen, was allerdings kaum gelang. Diesem Aspekt widmen wir uns im dritten Teil, wo es gesondert um die Anpassungen der jeweiligen Trainer, insbesondere nach der Halbzeit, gehen soll.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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