Red Bull Salzburg bestritt am Freitag gegen den Wiener Sportklub das erste Pflichtspiel unter Neo-Coach Roger Schmidt. Auf den Deutschen kommt noch viel Arbeit... Roger Schmidts Pflichtspieldebüt in der Analyse – 2:0 gegen den WSK, aber viel Luft nach oben

Red Bull Salzburg bestritt am Freitag gegen den Wiener Sportklub das erste Pflichtspiel unter Neo-Coach Roger Schmidt. Auf den Deutschen kommt noch viel Arbeit zu, denn trotz des Gegners aus der Regionalliga Ost fehlt noch einiges. Ibrahim Sekagya (31.) und Cristiano (71.) sicherten einen zwar wenig gefährdeten, aber dennoch nicht glorreichen Erstrundensieg.

 

Ausgangslage

Trainer Roger Schmidt vertraute auf altbewährtes Personal, die Neuzugänge blieben draußen. Die größte Umstellung gegenüber den Spielen unter Ricardo Moniz war, dass Leonardo fehlte. Dusan Svento und Jakob Jantscher begannen auf den offensiven Außenbahnen, hinter und um Sturmtank Stefan Maierhofer sollte Gonzalo Zarate wirbeln. Eine Umstellung, denn der Argentinier spielte zuvor nicht zentral. Die Schaltzentrale im Mittelfeld und die Abwehr bildete auf den jeweiligen Positionen bewährtes Personal. Sportklub-Trainer Franz Maresch baute auf ein Abwehrbollwerk. Yannick Soura, 19-jähriges Innenverteidiger-Talent, übernahm die hinterste Position in der Defensivzentrale, davor agierten mit Marco Pérez und Ingomar Szabo zwei sehr erfahrene zentrale Mittelfeldspieler. Im Gegensatz zu den Bullen, die den Auftrag hatten, initiativ zu spielen, wartete der Sportklub ab und wollte über Konter und Kampf dem Favoriten ein Bein stellen.

Holpriger Beginn

Formell bevorzugt Schmidt ein 4-4-2, welches aber im Großen und Ganzen ein 4-2-3-1 ist. Penibel genau eingehalten wurden gegen den WSK nur die Plätze in der Innenverteidigung und jener des Sturmtanks. Dahinter agierten mit unterschiedlicher Ausrichtung die zentralen Mittelfeldspieler Mendes, Leitgeb und Zarate. Der Argentinier mimte tatsächlich eine zweite, hängende Spitze, die anderen Zwei organisierten das Aufbauspiel in der Mitte. Dort herrschte allerdings viel Betrieb. Aufgrund dieses Umstandes verzettelten sich die Bullen anfangs in Einzelaktionen durch die Mitte, vor allem Leitgeb führte den Ball zu lange. Ein Flügelspiel, das sich aufgrund des 2,02 Meter großen „Langen“ angeboten hätte, fand nicht statt.

Ein Standard bringt Red Bull in die Spur

Die Aggressivität im Spiel der Hausherren durfte nicht als Ausrede für das schwache Spiel im letzten Angriffsdrittel herhalten. Ulmer und Schwegler wurden zu selten ins Spiel eingebunden, die Breite des Spielfeldes zu wenig ausgenützt. Die Lösungen, zum Torerfolg zu kommen, waren da, wurden aber nicht genutzt. Und so war es eine Freistoßflanke von links in der 31. Minute, die das 1:0 brachte. Diese fällt aber unter die Kategorie „kaum verteidigbar“ – Abwehrchef Ibrahim Sekagya sprang mit Anlauf in die Flanke, von seinem Oberkörper weg wurde der Ball ins Tor gebracht, Michael Harrauer im Sportklub-Tor hatte keine Chance. Erwischt ein Spieler so einen Ball, bringt ihn Richtung Tor, dann gibt es wenige Möglichkeiten, ein Tor zu verhindern.

Kampf aufgezwungen

Der Wiener Sportklub zwang dem Favoriten in der zweiten Halbzeit sein Spiel auf. Ob gewollt oder nicht – die Bullen zogen sich zurück. Die Hausherren witterten ihre Chance, denn bei Salzburg lief im zweiten Durchgang wenig zusammen. Zu viele Einzelaktionen der Offensivakteure und das Maß an Härte, das der WSK an den Tag legte, schien den Edelkickern nicht zu behagen. Die Wiener kamen zu einigen Halbchancen, aber die Bullen bauten dann schlichtweg auf Konter. Inwieweit das jetzt gut oder schlecht war für den Meister, Ligakrösus und haushohen Favoriten, bleibt dahingestellt. Legitim ist es auf jeden Fall, der eingewechselte Cristiano vollendete einen Konter in der 71. Minute.

Fehlerquelle 1: Ball zu lange halten

Gegen den gut eingestellten Wiener Sportklub galt es, sich auf F91 Dudelange, Luxemburgischer Meister und Gegner in der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League, einzuspielen. Obwohl Roger Schmidt Spieler aufstellte, die sich schon lange kennen, zeigten die Bullen zu Beginn ein uninspiriertes Spiel. Sowohl das Tempo, als auch das lange Halten des Balls machten es dem Ostligisten leicht, die Angriffe zu entschärfen. Ein, zwei oder drei Spieler waren schnell überspielt, aber beim finalen Pass oder Dribbling war dann doch wieder ein Bein dazwischen.

Fehlerquelle 2: Mangelnde Breite im Spiel

Eklatanter war aber, dass die Salzburger nicht die Breite des Spielfeldes ausnützten. Da die offensiven Außenbahnspieler Jakob Jantscher und Dusan Svento sehr oft in die Mitte zogen, konnten auch die oft sehr hoch aufgerückten Verteidiger nicht entscheidend zum Flanken kommen. Das ist kein neues Problem. Bereits in der vergangenen Saison flogen zu wenige Flanken auf den 2,02 Meter großen Stefan Maierhofer, allzu oft wollten seine technisch beschlagenen Mitspieler ihn am Boden einsetzen. Ohne dem „Langen“ zu nahe treten zu wollen: Das Kurzpassspiel am Boden zählt nicht zu seinen Stärken.

Auf Schmidt kommt Arbeit zu

Auf den Neo-Coach der Salzburger kommt einiges an Arbeit zu. Lange Vorbereitung hin oder her, gegen einen auch noch so hoch motivierten Drittligisten müssen Automatismen ersichtlich sein. Die Rochaden zwischen Verteidigung und Sturmspitze führten mehr zur Verwirrung in den eigenen Reihen, denn beim Gegner. Die roten Bullen ließen die Kreativität vermissen, die vor allem gegen die „kleineren“ Teams vonnöten ist. Ohne Überladen der Flügel, ohne flotte Spielzüge am Boden wird es gegen alle Gegner schwer werden. Ist es nicht eigentlich peinlich, wenn der Favorit sich gegen einen Drittligisten nicht zu blöd ist, bei einer 1:0-Führung auf Konter zu lauern?

Lehren aus dem Spiel

Kampf ist nach wie vor nichts, was die Bullen mögen. Sei es gegen Mattersburg, Kapfenberg, Hartberg oder den Wiener SK. Es fehlt auch im ersten Pflichtspiel unter Roger Schmidt noch die Handhabe, einem Gegner die Grenzen durch spielerische Dominanz aufzuzeigen. Wenn Grundtugenden wie kurzes Ballhalten und Flügelspiel nicht bedacht werden, ist es allerorts schwer, den Ball ins Netz zu bringen.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

  • ein Wiener

    15.Juli.2012 #1 Author

    Wow, so ein objektiver Artikel!

    Kein Wort vom nicht gegebenen Handselfer für die Dosen oder dem fälschlicherweise aberkannten Abseitstor durch Jantscher.
    Schirileistung war eine Katastrophe, normalerweise stehts in der Pause schon 3:0!

    lg ein Wiener

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