2.700 Fans fanden den Weg auf die Hohe Warte, 300 davon aus dem schwarz-weißen Teil von Linz.  Es war frisch, der Rasen gemessen an... Vom nicht-Wollen und nicht-Können – der LASK gewinnt bei der Vienna mit 2:1!

2.700 Fans fanden den Weg auf die Hohe Warte, 300 davon aus dem schwarz-weißen Teil von Linz.  Es war frisch, der Rasen gemessen an der Jahreszeit so weit in Ordnung. Am Ende gewannen die Athletiker letztlich verdient – obwohl sie wenig konnten, aber die Vienna nicht wollte.

Die Ausgangsposition war klar. Nach dem Linzer Arbeitssieg gegen den SCR Altach am vergangenen Freitag galt es, die Leistung zu bestätigen. Die Vienna spielte wie die Abstiegskonkurrenten FC Lustenau und TSV Hartberg daheim, die aber gegen Teams aus dem Mittelfeld, SV Grödig bzw. Austria Lustenau. Die taktischen Vorgaben der Vienna beschränkten sich auf ein sicheres Stehen in der Defensive und Rade Djokic sollte vorne treffen. Der LASK setzte auf Flügelspiel über Leonhard Kaufmann links und Silvio Junior rechts. Nach einer, durch Schiedsrichter Andreas Kollegger zugelassenen, sehr harten Anfangsphase brachte die Vienna einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld in den Strafraum. Ernst Dospel und Neuzugang Nacho Verdes verlängerten zu Djokic, der Thomas Mandl umkurven konnte und zum nicht wirklich verdienten 1:0 einschob. Danach folgte eine gut einstündige Demonstration der Döblinger, wie ohne viel zu tun drei Punkte geholt werden könnten. In der 84. Minute verwandelte Hannes Aigner einen fragwürdigen Elfmeter nach Foul am auffälligen Kaufmann, in der Nachspielzeit zog Rafinha ab. Der aus 20 Metern abgefeuerte und abgefälschte Ball schlug rechts von Tormann Thomas Dau ein. Doch gehen wir ins Detail, zunächst, warum der First Vienna FC die Führung nicht rüber brachte und das auch irgendwie gut so ist.

Vom nicht-Wollen

Vienna-Trainer Alfred Tatar hatte bereits schon vor Beginn der Rückrunde klargestellt, dass sein Team sich darauf verlegen würde, passiv zu agieren. Angeführt von den Routiniers Florian Sturm, Ernst Dospel und Matthias Hattenberger sollten vor allem Altach-Leihgabe Julian Erhart auf der Außenbahn und Djokic überall für Gefahr sorgen. Allen Beteuerungen zum Trotz: Wenn der LASK kommt, kann nicht mit drei Punkten spekuliert werden und so sah das aus. Nachdem Hattenberger in der Zentrale hauptsächlich für das, freundlich ausgedrückt, Spielstören zuständig war, übernahm Rapid-Leihgabe Konstantin Kerschbaumer den Spielaufbau. Dies geschah zu schleppend, die Außenbahnspieler Wolfgang Mair und eben Erhart konnten nicht entscheidend eingesetzt werden. So richtig Gefahr ging nur von den zahlreichen Standards, vornehmlich aus dem Halbfeld, aus. Und so entstand auch der Führungstreffer aus einer Standardsituation. Dass die LASK-Defensive viel zu passiv war, passte ins Bild.

Im Anschluss an den Führungstreffer in der 22. Minute zog sich die Vienna weit zurück. Florian Sturm nahm den gegen Altach starken Silvio Junior weitgehend aus dem Spiel. Nach vorne ging wenig. Ein guter Konter (30.), bei dem Djokic einen guten Stanglpass schlug und ein Freistoß (42.) des Stürmers blieben die einzigen Chancen im ersten Durchgang. Auch in der zweiten Halbzeit zeigten sich die Blau-Gelben mehr als passiv, stellten die Offensivbemühungen weitgehend ein. Einzig Erhart, der von links auf rechts gewechselt hatte um den jungen Schröger zu beschäftigen, verbuchte ein paar Meter Raumgewinn. Mit der Hereinnahme von Marcel Toth für Nacho Verdes, dem nach Fieber in der Vorbereitung noch die Luft für 90 Minuten fehlte, beendete die Vienna nach einer Stunde alle Bemühungen, ein zweites Tor zu erzielen. Vor allem Kerschbaumer verschleppte nach wie vor jeden Gegenstoß. Und obwohl die Linzer zwar viel Ballbesitz hatten und daraus wenig machten, schien der Fußballgott die defensive Spielanlage und die Verweigerung des Offensivspiels zu bestrafen.

Vom nicht-Können

Walter Schachner stellte gegenüber der Vorwoche um. Statt Cardozo kehrte Luiz Henrique in die Mittelfeldzentrale zurück, Rene Aufhauser wurde aufgrund einer Sperre von Christoph Kobleder ersetzt. Doch Enrique zeichnete ein schlechtes Bild seiner Spielmacherqualitäten und Ali Hamdemir gab das Pendant zu Matthias Hattenberger. Nicht sehr vielversprechend. Eine weitere Umstellung war der kleine, aber feine Tausch in der Grundausrichtung der Stürmer, Aigner rückte nach rechts, Rafinha auf links. Dadurch wurde die gegen Altach gefährliche rechte Seite von selbst entschärft. Der Grundansatz war wenig anders, als gegen die Vorarlberger: Silvio Junior sollte für Dampf sorgen. Dieser vertändelte aber zum Einen zu viele Bälle, zum Anderen bewies Vienna-Verteidiger Sturm, dass er mit dessen Hacke-Spitze-Tralala gut vertraut war. Somit lag es an Leonhard Kaufmann, gefährliche Spielzüge zu initiieren und das gelang ihm im Grunde genommen sehr gut. Allerdings entstanden über Kaufmanns linke Seite eher halbgefährliche Situationen, als Sitzer. Daraufhin verlegte sich die LASK-Zentrale, mit langen Bällen zu operieren. Es bedarf nicht vieler Gedankengänge, dass dies gegen eine von Dospel angeleitete Defensive. Im Grunde genommen bestätigte sich der Eindruck aus dem Heimspiel: Es gab wenig Bewegung und wenn die Brasilianer durch die Routiniers des Gegners aus dem Spiel genommen werden, geht es nicht gut.

Dabei hätte es das Rezept „Flachpassspiel der Marke ‚Schnell’“ durchaus gegeben. So etwa in der sechsten Minute, als Silvio Junior mit einem überraschenden Wechselpass gut eingesetzt wurde, Luiz Henrique die Flanke gut zur Mitte brachte und der aufgerückte Kevin Wimmer am Fünfer knapp den Ball verfehlte. Oder in der 15. Minute, als Sturm die Abseitsfalle aufhob, Rafinha Sturmpartner Aigner durch einen Ball in die Schnittstelle gut bediente. Dau musste ganz flink rauslaufen. In der 68. Minute spielten sich die Ballkünstler mit Fersler und Übersteiger, Kaufmann setzte den Ball neben das Tor. Doch das waren mehr oder weniger die spielerischen Highlights gegen eine Abwehr, die am Boden nicht sattelfest war. Ein großes Manko: Die Standards. Fast alle wurden von Luiz Henrique ausgeführt und er sowie die gesamte Mannschaft hätten sogar im Spiel viel Zeit gehabt, diese zu üben. Alle kläglichen Versuche aufzulisten würde den Rahmen sprengen. Es stellt sich die Frage, warum der LASK so einseitig agierte, die Standardsituationen uneingeübt wirkten.

Können und Wollen

Die Vienna muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit der 1:0-Führung genug gehabt zu haben. Wer nichts tut, wird nicht belohnt. Bei aller optischen Grausamkeit des Linzer Offensivspiels hat die Mannschaft die drei Punkte bekommen, die zumindest versuchte, Fußball zu spielen. Durch das 0:0 im Spitzenspiel rückte die Spitzengruppe zusammen, Lustenau und Hartberg verloren ebenfalls, also änderte sich hinten nichts. Der LASK muss aber an so gut wie allem arbeiten, was Fußball ausmacht, denn über das „Wie“ die sechs Punkte zustande gekommen sind, sollte sich Schachner Gedanken machen. Selbiges gilt für die Vienna. Wer nicht spielt, gewinnt nichts.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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