Am vergangenen Wochenende mühte sich Rapid zu einem 2:0-Sieg über die SV Ried. Der Schein dieser Mühe trügt allerdings ein wenig, denn eigentlich war... Vorschau auf das „Spiel des Jahres“ in der Südsteiermark: SV Allerheiligen empfängt im Cup den SK Rapid Wien

Am vergangenen Wochenende mühte sich Rapid zu einem 2:0-Sieg über die SV Ried. Der Schein dieser Mühe trügt allerdings ein wenig, denn eigentlich war das Spiel prädestiniert für den Rekordmeister. Heute ist die Aufgabe eine andere: In der Südsteiermark möchte man sich gegen den SV Allerheiligen fürs Achtelfinale des ÖFB-Cups qualifizieren.

Beim Auswärtsspiel in Ried ließ Peter Schöttel rotieren: Pichler, Schrammel, Prager und Kulovits rückten ins Team und Rapid erwies sich in Ried als spielerische inaktivere bzw. schwächere, dafür aber effizientere Mannschaft. Zweifelsohne hat Rapid auch Glück, dass die SV Ried nicht eine ihrer Topchancen in Zählbares ummünzte. In der zweiten Halbzeit ersetzte Grozurek Katzer, wodurch Trimmel wieder auf die Außenverteidigerposition zurückrückte.

Auswärts abwartend und effizient

Gerade in der zweiten Halbzeit wurde dadurch eine spielerische Charaktereigenschaft Rapids augenscheinlich. Das aktuelle Spielermaterial eignet sich in derartigen Auswärtsspielen ideal für Konterangriffe – auch wenn das Konterspiel an sich noch nicht komplett ausgefeilt ist. Bei Rapid 2012/13 gilt jedoch: Man schießt eher bei einem schwierigen Auswärtsspiel in Ried als schlechtere Mannschaft, in Führung befindlich und in Bedrängnis im Konter das 2:0, als zu Hause gegen eine kompakt stehende, spielerisch unterlegene Mannschaft (zum Beispiel) ein spätes 1:0. Auch wenn in den letzten Wochen immer wieder ein paar grün-weiße Abwehrfehler dabei waren, ist Rapids Defensive allgemein schwer zu knacken und davon profitiert man gerade in Spielen wie in Ried. Rapid wartet ab, was der Gegner macht, hat etwas weniger läuferischen Aufwand als das Gegenüber und lebt dann von Nadelstichen. Oberflächlich betrachtet ist dies auch der Hauptgrund dafür, dass in Ried gewonnen wurde und gegen Rosenborg nicht.

Rapid und der Cup – eine Geschichte zum Verstecken

Der Cupbewerb war in den letzten Jahren – bald sind es vielleicht Jahrzehnte – Rapids großer Nemesis. 1995 konnte man letztmals den Pokal nach Hütteldorf holen. Der damalige Siegtorschütze vom Finale gegen DSV Leoben, Peter Guggi, feierte gestern seinen 45.Geburtstag. Viele der jungen Rapid-Fans sahen zum Zeitpunkt des letzten Cup-Triumphs das Hanappi-Stadion noch nie von innen. Der heutige Trainer Peter Schöttel war Teil der letzten Cupsiegerelf Rapids und möchte nach den zahlreichen Enttäuschungen in diesem Bewerb nun endlich wieder erfolgreich sein.

No-Name-Truppe aus dem Bezirk Leibnitz

Die nächste Hürde, bevor es ins Achtelfinale geht, ist der SV Allerheiligen. Der Verein ist aktuell Zehnter in der Regionalliga Mitte und verlor letztes Wochenende mit 0:1 beim zwangsrelegierten LASK. Davor gab es einen beachtlichen 4:1-Erfolg über den GAK und ein 2:2 beim Villacher SV, der gestern den SC Wiener Neustadt aus dem Bewerb kickte. Bekannte Spieler? Fehlanzeige. Von drei slowenischen Legionären sind zwei, nämlich der defensive Mittelfeldspieler Andrej Prejac (27) und Stürmer Armend Spreco (22), Stammkräfte. Im Angriff gibt zeigte Michael Kulnik (25) gute Leistungen, zudem verfügt man mit Martin Six (27) über einen soliden und flexiblen Kreativspieler für die Offensive. Das System des SV Allerheiligen ist als 4-4-2 mit zwei Sechsern zu verstehen. Der bekannteste Name im Team sitzt als Coach auf der Bank: Ex-GAK-Profi Enrico Kulovits.

Rotation und kleinere Experimente…

Bei Rapid wird erneut rotiert werden. Mit Prokopic, Schimpelsberger, Drazan und Schaub sind vier Spieler verletzt und vor allem im Mittelfeld gibt es daher einen Personalengpass. Wahrscheinlich ist, dass gerade Spieler, die auf dem Sprung in die erste Mannschaft stehen oder zumindest Ansprüche auf einen Platz in der ersten Elf haben sollten, beginnen werden. Dazu zählen etwa Harald Pichler, Thomas Schrammel, Thomas Prager oder Lukas Grozurek. Auch Spieler, die neue Selbstvertrauensschübe benötigen, werden starten – so etwa Terrence Boyd. Da nur 16 Spieler auf dem Matchblankett stehen dürfen, haben auch junge Spieler Chancen auf Einsätze. So wäre etwa die Aufstellung von Kristijan Dobras als Box-to-Box-Midfielder keine große Überraschung.

…aber sicher keine B-Elf!

Zahlreiche Fans im Austrian Soccer Board forderten für das Spiel beim Regionalligisten eine B-Elf. Aber dies kann bekanntlich gerade im Cup fatal enden. Allerheiligen ist eine durchaus solide Mannschaft, die ernstgenommen werden muss – das „Spiel des Jahres“ ist das Aufeinandertreffen mit Rapid ohnehin. Daher wird Schöttel zwar wieder leicht rotieren, aber nicht in Versuchung kommen die Dobras, Wydras und Behrendts des erweiterten Kaders allesamt von Beginn an zu bringen. Eine B-Lösung scheint hingegen fix: Da der Cup für gewöhnlich der Bewerb des zweiten Keepers ist, wird der 28-jährige Slowake Jan Novota erstmals seit dem 5:0-Sieg in Heiligenkreuz am 15.Juli das Rapid-Tor hüten.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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