Die wohl aktuell schwerste Aufgabe in der Bundesliga erwartete die SC Wiener Neustadt auswärts beim Tabellenführer. Austria Wien konnte bislang überzeugen und hat in...

Die wohl aktuell schwerste Aufgabe in der Bundesliga erwartete die SC Wiener Neustadt auswärts beim Tabellenführer. Austria Wien konnte bislang überzeugen und hat in Mittelstürmer Philipp Hosiner ein weiteres Mosaikstück gefunden, welches ihnen zum Aufschwung der letzten Wochen verhalf. Doch zu Beginn taten sie sich schwer gegen die Gäste.

Der Matchplan von Wiener Neustadt

Im Grunde war die Spielweise des Außenseiters ziemlich simpel. Sie stellten sich in einem 4-4-1-1/4-2-3-1-Mischsystem auf, welches dafür sorgen sollte, dass sämtliche Räume in der Defensive verdichtet waren. Mit Daniel Offenbacher als verkapptem Zehner hatten sie sogar hinter der einzigen Spitze Thomas Fröschl einen defensiv akzeptablen Akteur, der das Mittelfeld stabilisieren und unterstützen sollte.

Über die Flügel wollten sie mit Christoph Martschinko und Stephan Rakowitz kontern, wobei letzterer klar der offensivere und freiere Akteur war, der in einzelnen Situationen sogar rochieren durfte. Alles in allem hatte aber die gesamte Mannschaft, bis auf den zockenden Fröschl, vorrangig defensive Aufgaben.

Ziel war es, durch numerische Überzahlen in der Defensive keine Chancen zuzulassen und sich tief zu formieren. Dadurch sollte eine hohe Defensivkompaktheit erzeugt werden, welche der Austria sämtliche Lochpässe und ähnliches verschließen sollte. Dies funktionierte natürlich über weite Strecken hervorragend, denn mit den zwei Viererketten, sowie dem unterstützenden Offenbacher, war der Raum sehr eng und das Spiel der Austria spielte sich vorrangig vor diesem Defensivwall ab. Offensiv gab es aber viele Probleme für die Wiener Neustädter.

Keine Chancen, keine Chance!

Ein einziger Schuss aufs Tor stand letztlich auf dem Konto von Wiener Neustadt. Kein Wunder, wenn man sich gegen eine überlegene Mannschaft hinten reinstellt. Das Problem dabei war, dass sie im offensiven Umschaltspiel nie schnell genug waren, um die Räume zu nutzen, welche die Austria ihnen bot. Problematisch war auch die Mannorientierung, wodurch die Wiener Neustädter peu à peu zurückgeschoben wurden und sich auch im Vorwärtsgang noch an ihren jeweiligen Gegenspielern orientierten.

Solche Unterzahlkonter sind, besonders bei individueller Unterlegenheit, schlicht schwierig zu Ende zu spielen. Die meisten Teams haben hervorragende Spezialisten, was dies betrifft – beispielsweise Hannover in der deutschen Bundesliga, welche hervorragend eingespielt sind und mit Szabolcs Huszti, Didier Ya Konan und vielen mehr kommen können. Chelsea konnte dies mit Didier Drogba als Ballhalter auf eine andere Art und Weise machen, doch dem tiefstehenden SC fehlt es an solchen Akteuren.

Das bedeutet letztlich, dass sie trotz ansatzweise guter Rollenspieler wie Offenbacher und Rakowitz schlicht und ergreifend zu schwach sind, um in der Bundesliga mit dieser Spielweise bestehen zu können. Mit einer tiefen Ausrichtung provoziert man eigentlich nur, dass man früher oder später einen Fehler macht und diesen nicht aufholen kann. Ein lucky punch erscheint unwahrscheinlich, auch wenn er gelegentlich für den einen oder anderen Achtungserfolg dienen kann. Auf lange Sicht ist dies aber nicht ausreichend. Eine taktisch bessere Mannschaft mit besserem und höherem Pressing und einem abgestimmteren Matchplan dürfte für mehr Punkte sorgen.

Schwächen der Austria

Doch auch die Austria zeigte keine Glanzleistung. Es war zwar ein nie gefährdeter Sieg, doch die Zahl der erspielten Torchancen gegen den Tabellenletzten ließ zu wünschen übrig. Sie scheiterten am Herausspielen von kreativen Aktionen im letzten Tabellendrittel. Florian Mader mag zwar ein technisch guter Akteur sein, doch ist er eher ein Spieler für präzise lange Pässe in den offenen Raum, eine schöne Ballzirkulation und sichere Ballbehauptung.

Tomas Simkovic und Emir Dilaver, welche das Dreiermittelfeld komplettierten, hingegen sind eher laufstarke Spieler, wobei Simkovic in schnellen Kombinationen durchaus zu überzeuge weiß. Gegen so tiefstehende Mannschaften gibt es das aber selten die Möglichkeit dazu, weil der Raum so eng ist. Schnelle Bewegungen, auch noch im Kollektiv, zu erzeugen, ist eine schwierige Aufgabe und erfordert mehr Spielintelligenz des gesamten Offensivverbundes.

Darum konnten die Wiener Neustädter auch so lange relativ gut stehen, denn die Austria ist eine Mannschaft, die Raum benötigt. Sie können über den hereinrückenden Tomas Jun oder den kompletten Flügelstürmer Alexander Gorgon kommen, doch wenn das Mittelfeld zugesperrt ist, reiben sich die Akteure in der Mitte nur auf, ohne dass Zählbares herauskommt.

Ein bis zwei kreative Linienspieler würden dabei Abhilfe schaffen, wobei es alles in allem natürlich eine akzeptable Leistung war – nicht jeder Sieg kann schön sein. Nach der roten Karte war die Austria dann noch etwas stärker, weil die benötigten Räume nun öfter vorhanden waren und sie konnten letztlich noch zwei weitere Male treffen.

Die Wechsel zahlen sich aus

Mit Roman Kienast und Alexander Grünwald machte Trainer Peter Stöger auch zwei gute Wechsel. Grünwald sollte vorne eben jenes Spiel zwischen den Linien statt Florian Mader hereinbringen und sorgte im Verbund mit Simkovic für mehr Bewegung. Zuvor bewegte sich Simkovic sehr viel, auch auf die Flügel, konnte aber alleine nur schwer für Gefahr sorgen.

Mit Grünwald gab es einen weiteren solchen Akteur, was die Mannorientierungen der Gäste stärker aushob. Sie hatten nun weniger Zugriff, zu zehnt sowieso, während die Austria besser kombinierte. Passend dazu war es letztlich eine Flanke von Grünwald, welche für den eingewechselten Kienast zur Vorlage und dem 2:0 wurde. Später sollte sich Grünwald nach einer Ecke Simkovics sogar noch ein Tor aufschreiben lassen können, wodurch er trotz nur geringer Spielzeit zum Matchwinner wurde, indem er dieses Spiel endgültig entschied.

Fazit

Die Austria souverän, wenn auch ohne Glanz. Stöger stellte seine Mannschaft gut auf, man ließ sehr wenig zu und konnte nach dem 1:0 sicher verwalten. Einen offensiven Traumfußball kann man sich ohnehin nicht erwarten – und letztlich geht es um die Punkte. Mit diesem Sieg hat die Austria gleich drei mehr davon und darf weiterhin die Tabellenführung für sich beanspruchen. Die Wiener Neustadt hingegen bleibt Letzter und darf sich nur noch wenige Hoffnungen machen.

Rene Maric, www.abseits.at

Rene Maric

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.