Der König ist tot, lange lebe der König. Seit 1997 hatte Franco Foda bei Sturm Graz gespielt, am 12. April 2012 wurde er beurlaubt,... Umfeld- und Taktikanalyse Sturm Graz – Alles neu

Der König ist tot, lange lebe der König. Seit 1997 hatte Franco Foda bei Sturm Graz gespielt, am 12. April 2012 wurde er beurlaubt, in die neue Saison gehen die „Blackies“ mit Peter Hyballa. Doch nicht nur auf der Trainerbank gibt es viel Neues.

 

Schuldenfrei in eine große Zukunft

Angeführt von Präsident Christian Jauk konnte der Kader um 20 Prozent billiger gemacht werden, innerhalb des Vereins wurden moderne Strukturen geschaffen. Der Klub präsentiert sich ein Jahr nach dem Gewinn des dritten Meistertitels schuldenfrei und blickt mit einem jungen Team, zum Beispiel Geschäftsführer Christopher Houben, der zuvor bei sturm12.at aktiv war, in eine gute Zukunft. Das Vorhaben, mit Paul Gludovatz als sportlichem Leiter in die nächsten Jahre zu gehen, scheiterte an dessen Gesundheitszustand. Doch auch ohne den U20-WM-Erfolgstrainer von 2007 schafften es die Blackies, einige interessante Leute an Bord zu holen. Allen voran steht natürlich der neue Headcoach Peter Hyballa (36). Der mittlerweile für markige Sprüche bekannte Deutsche trainierte diverse Nachwuchsmannschaften, begann seine Trainerkarriere auf größerer Bühne bei der U17 von Preußen Münster. Das war 1998, Hyballa war damals 23 Jahre alt und galt als Trainertalent. 2001 tätigte er den nächsten Schritt, betreute die U19 von Arminia Bielefeld bis 2002. Nach einer kurzen Zeit in Namibia bei den Ramblers Windhoek kehrte er nach Deutschland zurück, coachte je drei Jahre die U19 des VfL Wolfsburg und danach jene des heutigen deutschen Meisters, Borussia Dortmund. In der Folge scheiterte er bei Alemannia Aachen bei seiner ersten Station als Chefcoach und betreute von Anfang des Jahres bis Mai 2012 die Red Bull Juniors.

Das wirklich Wichtige bei den Blackies wird sein, dass man am eingeschlagenen Weg festhält. Die wollen Grazer Offensivfußball sehen. In der steirischen Landeshauptstadt ist die Basis gelegt, wieder attraktiven und schönen Fußball zu zeigen, sowohl auf wirtschaftlicher, als auch auf sportlicher Ebene. Dass die Gefahr besteht, die Leistungen nicht in eine Endplatzierung umzumünzen, vor allem im ersten Jahr einer ökonomischen Konsolidierung und sportlichen Neuausrichtung, sollte in Graz-Liebenau auch jedem bewusst sein. Wenn dieses Durchhaltevermögen gegeben ist und Hyballa seinen großen Worten auch in gegebenem Rahmen Taten folgen lässt, dann kann auf einer gesunden Basis aus Sturm Graz wieder einer der großen Player im österreichischen Fußball werden.

Hyballas Offensivplan

Wer offensiv denkt, muss das auch am Feld zeigen. Vor einer Viererkette soll ein einziger Sechser agieren, im Idealfall Jürgen Säumel. Bei entsprechender Fitness kann die Sechs auch verdoppelt werden, mit Manuel Weber steht ein zweiter zentraler Mittelfeldmann bereit, der in Spielen, in denen es gilt, kompakter zu stehen, zum Einsatz kommen wird. Davor sollen eben vier bis fünf Offensivkräfte laufen, rennen und passen. Ein zentraler Mann hinter den Spitzen, zwei Flügelspieler und zwei Stürmer sollen vorne agieren. Bei den Stürmern wird sich aber eine Aufteilung zwischen hängend und Strafraum ergeben. Inwieweit das System auch gegen Salzburg, Rapid und die Austria tatsächlich so offensiv sein wird, ist noch nicht abschätzbar. Mit wehenden Fahnen konnten viele Siege gefeiert werden, aber es sind auch schon viele untergegangen. Finden Hyballas Jungs die richtige Gewichtung zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang, sind die Offensivbemühungen zu adeln. Mit Defensivkick kann zwar auch einiges erreicht werden, das entspricht aber nicht dem Denken des Vereins, des Trainers und der Anhängerschaft.

Wunschelf

Schwierige Einschätzung

Wer alles neu macht, der benötigt Zeit. Stillstand bedeutet Rückschritt und wer dann zwei Schritte nach vorne machen will, muss ab und an wieder einen zurück machen – hinter diesen Sätzen, die beim Doppelpass wohl einige Euros kosten würden, steht allerdings natürlich einiges an Wahrheit. Im Jahr eins nach Franco Foda, im Jahr eins der strukturellen Neuaufstellung, da muss noch nicht alles klappen und es wird sicherlich ein hartes Stück Arbeit werden, Rückschläge wegzustecken und zu verkraften. Wirtschaftlich, weil Spieler wie Darko Bodul schon aufgezeigt haben, im Winter abhanden kommen könnten und ein paar Euros mehr in Graz immer gebraucht werden. Und sportlich, weil es unrealistisch erscheint, dass die Gegner die Räume, die sich durch das Offensivspiel öffnen, nicht eiskalt ausnutzen. Es kann ein schwieriges Jahr für Sturm Graz werden, aber die Richtung ist sicherlich die, die ein Verein der Größenklasse im Jahr 2012 einschlagen muss.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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