Der SV Mattersburg zeigte sich in den letzten Wochen und Monaten spielerisch verbessert, der Abstieg war nach einem schlechten Start so gut wie nie...

Der SV Mattersburg zeigte sich in den letzten Wochen und Monaten spielerisch verbessert, der Abstieg war nach einem schlechten Start so gut wie nie ein Thema. Warum es noch besser werden könnte, ist Gegenstand dieser Analyse.

 

Die Kontinuität auf der Trainerbank

Als Franz Lederer am 17. November 2004 erstmals als Cheftrainer auf der Bank der Burgenländer Platz nahm, rechnete er nicht damit, im Sommer 2012 seine neunte Saison zu starten. Abgesehen von der Saison 2008/09, als man bis zuletzt um den Klassenerhalt bangen musste, gab es auch wenige Gründe, Lederer vor dir Tür zu setzen. Ein dritter Platz 2006/07 und die zweimalige Teilnahme am Europacup sind gute Gründe, alles dabei zu belassen. Immerhin mussten Leistungsträger wie Didi Kühbauer, Carsten Jancker oder Christian Fuchs abgegeben werden. Noch dazu konnte Lederer den talentierten Stefan Ilsanker zum besten Zweikämpfer der abgelaufenen Saison entwickeln, er wurde prompt von seinem Stammklub Red Bull Salzburg zurückgeholt. Eine spielerische Verbesserung ist in den letzten Monaten ebenfalls zu attestieren. Damit diese Dinge, die trainiert werden, auch umgesetzt werden, braucht es natürlich ein gutes Team.

Die Co-Trainer sind Ivo Smudla und Goce Sedloski. Smudla, Jahrgang 1959, kam 1988 erstmals nach Österreich, zu Vorwärts Steyr. Er war U15-Trainer der Akademie Burgenland und wurde 2007 in den Trainerstab geholt. Sedloski (38) kam 2006 zum Verein und war bis vor einem Jahr noch Spieler. Der erfahrene Smudla und der ehemalige Kicker bilden mit Lederer das Team, das die Taktik in der letzten Saison maßgeblich in eine gestalterische Richtung lenkte. Sedloski, der zwar nie der Schnellste war, half mit, die Abwehr noch mehr zu stabilisieren.

Der familiär geführte Verein baut auf eine Wohlfühlatmosphäre, Martin Pucher setzt auf Kontinuität in allen Bereichen. Dazu braucht es Zeit und Ruhe, ein Abstieg würde die Philosophie, eine Art burgenländisches Nationalteam zu sein, nicht über den Haufen schmeißen. Dafür sind die Arbeit in der Akademie sowie das Scouting in der Region Ostösterreich wohl zu gut. Wenn Lederer die spielerische Klinge weiter forciert, dann wird sicherlich auch direkt in Mattersburg infrastrukturell nachgebessert. Das Stadion ist wohl das Einzige, was noch Potential hat.

Lederers Kniff zum schönen Spiel

Ein hartes Abwehrspiel nannten die Mattersburger eigentlich immer ihr Eigentum. Nach vorne hin war es dann vor allem in der Zeit nach Didi Kühbauer nicht immer die feine Art, die ausgepackt wurde. In der vergangenen Saison stellte Lederer aber eine Position leicht um. Ilco Naumoski agierte im Zweimannsturm zusehends tiefer und stellte sich mehr in den Dienst der Mannschaft. Durch die weiteren Wege, die der ruhiger werdende Routinier ging, wurde das Mittelfeld im 4-4-2 in der Defensive gestärkt und konnte in der Offensive mehr Druck erzeugen. Ein entscheidender Faktor war natürlich auch die Doppelsechs, die vor allem dank Seidl deutlich gestalterischer agierte. Diese beiden Faktoren werden auch in der kommenden Spielzeit Einfluss auf das Spiel der Burgenländer nehmen. Ein weiterer interessanter Punkt, auf den sich die Gegner einstellen sollten, ist, dass Lederer aufgrund des Überangebots an guten Rechtsaußen ab und an die Viererkette auflöste und zwei rechte Mittelfeldspieler brachte. Das Trainerteam hat also auch für Spielsituationen Ideen parat, die den Gegner überraschen könnten und nicht „alltäglich“ sind. Das Einzige, was dem Kader letztlich fehlt, sind einige Spieler im „besten Fußballeralter“ zwischen 25 und 30. Es gibt einige Routiniers und viele junge Spieler, die Kaderbreite ist aber nicht sonderlich groß.

Wunschaufstellung

 

 

 

 

 

 

Orientierung nach oben

Leichter als in der letzten Saison wird es sicherlich nicht, aber die Offensive präsentierte sich schon sehr gut. Die Mittelfeldklubs Sturm und Ried erzielten nur vier bzw. drei Treffer mehr. In dem Fall gilt der Spruch, dass mit einem Quäntchen mehr Glück im Abschluss tatsächlich ein Platz nahe an den EC-Plätzen möglich gewesen wäre. Wenn die Akteure weiterhin so konzentriert zu Werke gehen, wie ab dem Herbst 2011, dann kann das Augenmerk auf Platz vier oder fünf gelegt werden. Gemessen an den Möglichkeiten und der Reputation, gibt es an den Mattersburgern tatsächlich wenig auszusetzen. Wenn die spielerische Komponente den SVM in dieser Spielzeit in Abstiegsgefahr bringen, muss im Winter genauso ruhig und besonnen vorgegangen werden, wie bisher auch. Spieler holen a la KSV oder Rumpelfußball zu spielen, hat in letzter Zeit auch nicht geholfen.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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