Der Wolfsberger AC steht an einem personellen Sattelpunkt in seiner tipp3 Bundesliga Zeit. Erst in den letzten Spielen der abgelaufenen Herbstsaison konnte sich die... Vieles neu in Wolfsberg? Wie wirken sich ein möglicher Liendl-Abgang und Neuzugang Silvio aufs Spiel der Kärnten aus?

Michael Liendl (Wolfsberger AC)Der Wolfsberger AC steht an einem personellen Sattelpunkt in seiner tipp3 Bundesliga Zeit. Erst in den letzten Spielen der abgelaufenen Herbstsaison konnte sich die Kühbauer-Elf mit zehn Punkten aus vier Spielen ein wenig fangen und steht nun mit relativ sicheren neun Punkten Vorsprung auf den Tabellenletzten Wacker Innsbruck auf dem siebten Tabellenplatz. Doch nun droht der Abgang des Steuermanns…

Michael Liendl ist das Um und Auf im Mittelfeld der Lavanttaler. In der laufenden Saison erzielte er elf Tore, bereitete fünf vor und war in der Entstehung von neun weiteren Toren beteiligt. Kein anderer Spieler der „unteren fünf“ trifft so dominant auf wie Liendl und weiß das Tempo und die technischen Geschicke seines Teams so gut zu lenken. Dies ist freilich kein neuer Zustand: Auch in der Saison 2012/13 war Liendl die tragende Figur im Spiel der Kärntner.

Liendl der dritte Österreicher bei der Fortuna?

Ausgerechnet der einstige Rapid-Sportdirektor Helmut Schulte könnte nun dafür sorgen, dass der WAC seinen Leader verliert. Schulte arbeitet mittlerweile als Vorstand Sport für Fortuna Düsseldorf und ließ sich in seinem Jahr bei Rapid von Liendl beeindrucken. Der 28-jährige Vorarlberger befindet sich heute in Düsseldorf und ist somit ein heißer Kandidat für einen Last-Minute-Transfer in die zweite deutsche Bundesliga. Bei der Fortuna wäre er neben Jimmy Hoffer und Christian Gartner der dritte Österreicher.

Drei Stammspielerabgänge im Winter?

Die Abfolge der Ereignisse ist denkbar ungünstig für den WAC, denn die Wolfsberger verloren auch schon David de Paula an den FK Austria Wien und Stürmer Mihret Topcagic an Schachtjor Karagandy. De Paula wäre ein Kandidat für die Achterposition gewesen, der einen Abgang Liendls abfedern könnte. Doch nachdem dieser schon vor einigen Wochen zur Austria wechselte, verließ man sich in Wolfsberg eher auf die umgekehrte Situation. Eine noch dominantere Rolle Liendls, womöglich gepaart mit einer leichten Systemumstellung, sollte das Fehlen De Paulas wettmachen.

Nur noch zwei echte Angreifer

Mit Mihret Topcagic verlor der WAC bereits seinen zweitbesten Saisontorschützen. Der Bosnier wechselte nach Kasachstan und hinterlässt nur noch zwei klassische Stürmer im Kader von Didi Kühbauer. Der 194cm-Mann Christian Falk wird somit im Frühjahr wieder eine wichtigere Rolle spielen, ebenso wie Daniel Lucas Segovia, der bisher auf der ganzen Linie enttäuschte. In Wahrheit bräuchte der WAC im Falle eines immer wahrscheinlicher werdenden Liendl-Abgangs sowohl einen neuen Stürmer, als auch einen neuen Mittelfeldspieler.

Silvio kommt von Union Berlin

Eines davon fand man bereits in Berlin – welche der beiden Rollen der Brasilianer Silvio einnehmen wird, ist aber noch unklar. Silvio Carlos de Oliveira wird übermorgen 29 Jahre alt und kann sowohl als Angreifer, als auch als offensiver Mittelfeldspieler eingesetzt werden. Zuletzt spielte Silvio für Union Berlin, wo er am Schluss nur noch in der Regionalligamannschaft zum Einsatz kam, sowie in der Schweiz für Lausanne, Lugano, Wil und den FC Zürich.

Top in Liga 2, chancenlos beim FC Zürich

Silvio ist eher ein bulliger Angreifer, der mit seiner Durchschlagskraft überzeugt, manchmal am Ball ein wenig hölzern wirkt. In der Schweiz, wo der Brasilianer zwischen 2006 und 2011 spielte, galt er als Zweitligabomber. Sowohl für Lugano, als auch für Lausanne erzielte er jeweils 15 Saisontore in den Spielzeiten 2009/10 und 2010/11. Auch für den FC Wil wies er eine insgesamt recht gute Torquote auf. Silvio gehörte aber von 2008 bis 2011 dem FC Zürich, bei dem er sich in der höchsten Spielklasse nie wirklich durchsetzen konnte. In 13 Spielen für die Zürcher erzielte er kein einziges Tor.

Guter Start in Berlin, Tendenz fallend

Daher wurde er immer wieder verliehen – seine Engagements bei Lugano und Lausanne, sowie sein zweiter Aufenthalt in Wil waren immer zeitlich begrenzt. 2011 folgte der fixe Wechsel zur Union Berlin, die 500.000 Euro nach Zürich überwies. In seiner ersten Saison beim Berliner Kultklub erzielte Silvio acht Tore in 27 Spielen, davon drei aus Elfmetern. Gegen Ingolstadt erzielte er einem tollen Seitfallzieher das Tor des Monats des Monats September 2011. Doch Silvio wurde im Kader der Union nach und nach unbedeutender, traf 2012/13 nur noch einmal und kam in der laufenden Saison 2013/14 gar nicht mehr in der ersten Elf von Union Berlin zum Zug. In der Amateurmannschaft der Rot-Weißen traf er dafür in drei Spielen zweimal.

4-4-2 alter Prägung?

Für den Fall, dass Silvio die einzige Neuverpflichtung der Wolfsberger bleibt, hat Trainer Didi Kühbauer aber noch eine andere taktische Möglichkeit, um einem Liendl-Abgang entgegenzuwirken: Die Rückkehr zum 4-4-2 – mit zwei klassischen Sechsern und einem antizipierenden Angreifer.

Angesichts dessen, dass sich Putsche zuletzt in seiner Spielstärke verbesserte und der energische Polverino als einer der besten Sechser der Liga durchaus im Stande ist, nach hinten zuzumachen, könnte diese Variante sogar fruchten. Wichtig ist dabei, dass Silvio den antizipativen Part im Angriff einnehmen würde. Die Laufwege zwischen Falk und Silvio müssten perfekt abgestimmt sein, auch weil das Spiel der Wolfsberger damit noch flügellastiger werden und noch stärker auf die rechte Angriffsseite driften würde.

Mögliche „Einsergarnitur“

Eine mögliche Startaufstellung in Bestbesetzung würde demnach wie folgt aussehen (zum Vergrößern klicken):

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Noch ist rund um Michael Liendl nichts fix, aber man muss wohl von einem Abgang ausgehen, zumal das Düsseldorf-Engagement Liendls letzte Chance auf einen Platz im Ausland sein dürfte. Es wäre aber trotz der kurzen Zeit, die im Zuge dieser Transferzeit noch bleibt, dennoch verwunderlich, wenn der WAC nicht einen Liendl-Nachfolger im Ärmel hätte. Denn auch wenn man mit dem bestehenden Spielermaterial, selbst ohne Liendl, eine schlagkräftige Truppe aufs Feld schicken könnte, würde man sich in seiner offensiven Flexibilität und vor allem im Umschaltspiel stark schwächen, wenn man nicht doch noch nachrüstet.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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