Die Spiele im Champions-League-Halbfinale gegen die Übermannschaft des FC Barcelona sollten den FC Chelsea London eigentlich mittlerweile in einem etwas anderen Licht dastehen –... Die große Wandlung des vermeintlich schwächsten FC Chelsea in der Ära Abramowitsch

Die Spiele im Champions-League-Halbfinale gegen die Übermannschaft des FC Barcelona sollten den FC Chelsea London eigentlich mittlerweile in einem etwas anderen Licht dastehen –  war der Verein des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch doch Jahre lang das absolute Feindbild der Fußball-Puristen. Doch ausgerechnet mit der personell wohl am schlechtesten besetzten Mannschaft in der Abramowitsch-Ära erreichte man dank zweier unglaublich leidenschaftlicher Spiele das Finale der europäischen Königsklasse.

Am ehesten gerecht wird man dieser Mannschaft wohl, wenn man sie als Maschine mit dem Herzen von „Rocky“ bezeichnet. Taktisch gesehen griff im Defensivverhalten ein Rädchen in das andere und man verteidigte mit der Präzision eines Uhrwerks gegen das stetig anrennende Barca. Gleichzeitig zeigten spielerisch limitierte Spieler wie Branislav Ivanovic, Raul Meireles oder Gary Cahill eine unglaubliche Leidenschaft, die wohl auch die größten Feinde dieses Vereins wohl nicht unberührt gelassen bzw. Respekt abgerungen hat. Auch die alten Recken Frank Lampard und Didier Drogba holten nochmal in dem Bewusstsein, dass dies wohl die letzte Chance auf den Gewinn des Henkelpott ist, alles aus sich heraus. Und irgendwie gönnt man es ihnen sogar –  eine Aussage die vor ca. fünf Jahren noch ins Reich der Fabeln verbannt worden wäre.

Wie gut stehen die Chancen?

Die Frage ist nun, wie hoch stehen die Chancen für die Londoner im Champions-League-Finale in München siegreich zu sein? Wie der FC Bayern ist Chelsea auch durch Gelbsperren bedingte Ausfälle gehandicapt. Gerade die bereits erwähnten Ivanovic und Raul Meireles werden aufgrund ihres Willens und ihrer Kampfkraft fehlen. Auch der nicht immer einfache Kapitän John Terry wird vermisst werden. Noch schlimmer wiegt wohl der Ausfall von der Champions-League-Entdeckung der Blues – nämlich Ramires. Der etatmäßige defensive Mittelfeldspieler wurde von Trainer Roberto di Matteo zum offensiven Flügelspieler umfunktioniert. Ein bemerkenswerter Schachzug, stellte die Defensivstärke von Ramires Barcelonas Flügelspieler doch vor einige Probleme. Im Gegensatz zu den Bayern haben die Londoner aber Akteure der Kategorie Michael Essien, Florent Malouda, David Luiz oder Jose Bosingwa in der Hinterhand. Eine Mannschaft um diese Spieler fegte am Wochenende die Queens Park Rangers mit 6:1 vom Platz. Bemerkenswert daran: Fernando Torres traf zu seinem ersten Dreierpack im Chelsea-Dress. Eben jener Torres kann im Finale in dieser Form zu einem immens wichtigen Faktor werden. Zudem spielt Torhüter Petr Cech eine überragende Champions-League-Saison  und trieb die Barca-Offensive mit unglaublichen Paraden mehrfach in den Wahnsinn – auch jenem Cech wurde ja schon die internationale Klasse, wie vielen anderen Chelsea-Akteuren, abgesprochen.

Katastrophe für den Fußball?

Die Stärken des FC Chelsea werden in der Öffentlichkeit weiterhin unterschätzt und so werden die Bayern teilweise zum klaren Favoriten erklärt. Eine Einschätzung, die jedoch hinterfragt werden muss. Sicherlich hat Bayern den Heimvorteil, aber wer in Barcelona bestehen kann, dem sollte auch vor der Allianz-Arena nicht bange sein. Vielleicht gönnen mittlerweile sogar Menschen dem FC Chelsea den Triumph, die vor der Saison nicht einmal im Traum daran gedacht hätten. Der Direktor des DFB, Mathias Sammer, wird wohl nie zu der letzteren Kategorie gehören, bezeichnete er das Weiterkommen der „Blues“ gegen den FC Barcelona als Katastrophe für den Fußball – eine Aussage die an Polemik und fehlendem Sachverstand fast nicht mehr zu überbieten ist. Normalerweise sind dies Attribute deren Sammer nicht schuldig wird. Jedoch fehlt generell bei der Bewertung des FC Chelsea in der Öffentlichkeit der nötige Respekt, den sich die Mannschaft aber durch zwei leidenschaftliche Auftritte gegen die weiterhin beste Mannschaft Europas verdient hat.

Ral, abseits.at

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