FC Barcelona gegen Spartak Moskau: Ein aus taktischer Sicht nicht gerade aufregendes Match, das durch die Torfolge spannend wurde. Die Katalanen dominieren das gesamte... Drückende Überlegenheit, knappes Ergebnis: So besiegte der FC Barcelona Spartak Moskau mit 3:2!

FC Barcelona gegen Spartak Moskau: Ein aus taktischer Sicht nicht gerade aufregendes Match, das durch die Torfolge spannend wurde. Die Katalanen dominieren das gesamte Match, Spartak Moskau hielt dank disziplinierter Abwehrarbeit und gut gesetzter Nadelstiche dagegen und ging sogar in Führung. Am Ende konnte man Barcelonas Ansturm aber nicht mehr standhalten.

Spielanlagen

Barcelona begann das Spiel im 4-3-3 mit Lionel Messi als falsche Neun, die sich aus dem Sturmzentrum immer wieder zurückfallen ließ. Cristian Tello am linken und Pedro Rodriguez am rechten Flügel sollten das Spiel in die Breite ziehen. Vor allem Tello zeigte sehr gute Aktionen, er erzielte nach einem schönen Schuss von halblinks das 1:0 und bereitete den Ausgleich zum 2:2 vor. Dahinter dominierten Xavi Hernandez, Cesc Fabregas, und Sergio Busquets das Mittelfeld. Einen erneuten Rückschlag für die Innenverteidigung der Katalanen gab es bereits nach zwölf Minuten, als sich Gerard Pique unglücklich verletzte. Er wird dem FC Barcelona zwei bis drei Wochen fehlen. Für ihn kam Alexandre Song, dem Fehler passierten, die in weiterer Folge zu Toren führten. Er bildete für die restliche Spieldauer gemeinsam mit Javier Mascherano die Innenverteidigung. Als linker Außenverteidiger startete Adriano, auf der anderen Seite Dani Alves.

Spartak Moskau hingegen hatte sich darauf konzentriert, Lionel Messi auszuschalten, was trotz seiner zwei Tore die meiste Zeit gut gelang. Vorne sollten Emmanuel Emenike und Ari für Gefahr sorgen. Die beiden Spieler waren die einzigen, die die katalanische Abwehr immer wieder anbohrten und mit ihrer Technik und Robustheit in Schwierigkeiten brachten. Beide Tore wurden durch ihre Aktionen eingeleitet.

Barcelona macht es sich selber schwer

Messi und Fabregas standen im Zentrum häufig allein auf weiter Flur und sahen sich einer Menschenmauer gegenüber. Fabregas kam kaum einmal an einem Gegenspieler vorbei und war im Angriff keine große Unterstützung für den Argentinier. Durch das Zurückfallen von Messi und Fabregas und diszipliniertes Halten der Defensivpositionen bekam Spartak außerdem immer wieder Zeit, sich im Zentrum neu zu sortieren. Auf den Flügeln schalteten sich Adriano und Alves selten entschlossen ins Angriffsspiel ein, sodass sich Pedro und Tello jeweils zu oft alleine durchsetzen mussten. Vor allem Adriano schien die Order gehabt zu haben, seinem Gegenspieler Aiden McGeady  nicht zu viele Räume hinter sich anzubieten. Dennoch muss man fairerweise erwähnen, dass Adriano beim 1:0 durch gutes Hinterlaufen von Tello die Aufmerksamkeit Romulos für eine Sekunde auf sich lenkte, sodass dieser bei Tellos Schuss nicht mehr eingreifen konnte. Dani Alves schien ebenfalls vorsichtiger zu agieren, erwischte aber allgemein keinen guten Tag. Ein Eigentor kann vorkommen, aber auch vor dem 1:2 verhielt er sich im Gegenpressing ungeschickt. Songs hohes Aufrücken kam in diesem Fall noch hinzu, sodass Ari nur in den Raum hinter ihm sprinten und einen guten Pass weiterleiten musste.

Spartak steht kompakt, Ari und Emenike versetzen Barca Nadelstiche

War Ari bei den wenigen Offensivaktionen Spartaks in der Spitze neben Emenike zu finden, wich er in der Defensive auf den linken Flügel aus, sodass sich ein 4-1-4-1 bzw. 4-5-1 formierte. Spartak stand defensiv äußerst tief und kompakt, überließ Barcelona das Mittelfeld, und nahm Messi damit lange aus dem Spiel. Nur selten konnte der Argentinier seine unglaublichen Fähigkeiten ausspielen, da sich kaum ein russischer Defensivspieler herauslocken ließ, wenn er ins Mittelfeld zurückwich. Durch das kompakte Spiel der Gegner konnte er auch nie mit Tempo auf die Abwehr zulaufen. Auch wenn es angesichts zweier Tore seltsam klingt, blieb er doch die meiste Zeit ineffektiv. Er produzierte ungewohnt viele Fehlpässe und blieb immer wieder hängen. Spartaks Art zu spielen kann gegen Barcelona unter Umständen funktionieren, hat aber auch Schwächen. Zwar hatten die Russen Messi einigermaßen im Griff, doch durch die logischen Spielverlagerungen der Katalanen auf die Flügel und das daraus resultierende andauernde Hin- und Her-Verschieben wurden sie nach und nach müde.

Typische Spielszene: Spartak steht tief und kompakt, Barca verlagert das Spiel auf die Flügel

Vilanovas Umstellungen drehen das Spiel

Nach dem überraschenden 1:2 und der anhaltenden Ineffektivität von Messi und Fabregas musste Tito Vilanova reagieren. Er löste die Viererkette auf und brachte statt Dani Alves nun Alexis Sanchez, der sich klar als Zentrumsstürmer positionierte. Es formierte sich eine Art 3-3-4, mit Sanchez im Zentrum, hinter bzw. neben ihm Messi, auf den Flügeln Tello und Pedro. Fabregas ging ins Mittelfeld zurück. Xavi schaltete sich nun ebenfalls massiv ins Angriffsspiel ein und tauchte häufig an der Strafraumgrenze auf. Überhaupt bekam Messi im Zentrum nun Unterstützung in Form mehrerer Spieler, die bei Offensivaktionen in den Strafraum eindrangen. Die Folge war der Ausgleich durch Messi nach guter Vorarbeit von Tello. Nur kurz darauf kam auch noch David Villa für Tello. Der Druck war mittlerweile so groß, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, wann Spartak zusammenbrechen und Barcelona den nächsten Treffer erzielen würde. In der 80. Minute traf schließlich Messi – per Kopf – nach guter Hereingabe von Sanchez zum völlig verdienten 3:2.

Fazit

Die falsche Neun hat nicht funktioniert. Zu diszipliniert blieben Spartak Moskaus Spieler in ihrer Defensivordnung, kaum einmal fanden Messi oder Fabregas eine echte Lücke. Erst mit der klaren Besetzung der Mittelstürmer-Position durch Sanchez sowie dem entschlossenen Nachrücken weiterer Spieler ins Zentrum und in den gegnerischen Strafraum kippte das Spiel derart, dass es ununterbrochen zu wirklich gefährlichen Situationen vor dem russischen Tor kam.

Florian Eliadakis, abseits.at

Florian Eliadakis