In der Saison 2007/08 herrschte in England Jubelstimmung. Manchester United schlug den FC Barcelona und folgte Liverpool und Chelsea in das Halbfinale der Champions... Ein Königreich für den Aufstieg: Champions-League-Depression in England

In der Saison 2007/08 herrschte in England Jubelstimmung. Manchester United schlug den FC Barcelona und folgte Liverpool und Chelsea in das Halbfinale der Champions League. Drei von vier Halbfinalisten im wichtigsten Bewerb des europäischen Klubfußballs kamen von der Insel. Vier Jahre später sieht die Situation anders aus. Chelsea rettete sich am letzten Spieltag ins Achtelfinale, die beiden Klubs aus Manchester erlebten den Super-Gau und müssen den Weg in die unbeliebte Europa League antreten.

Es war der 21. Mai 2008: In Österreich freute man sich bereits auf die bevorstehende EM im eigenen Land, bei der endlich auch das heimische Team mitkicken durfte – auch in England sah man einem fußballerischen Highlight freudig entgegen. Im Finale der Champions League standen sich mit Chelsea und Manchester United zwei englische Klubs gegenüber. Auch im Halbfinale war die Premier League bis auf die Ausnahme Barcelona unter sich geblieben. Eine Machtdemonstration des englischen Klubfußballs, der gerne von sich behauptet, der beste der Welt zu sein. Das Finale, ein hochdramatischer Schlagabtausch zwischen zwei Weltklasseteams, entschied United knapp im Elfmeterschießen für sich. Unvergessen, wie John Terry im Regen von Moskau beim entscheidenden Elfer den Halt verliert und ausrutscht, während der Ball meterweit am Tor vorbeifliegt. Auch im Jahr darauf waren der FC Barcelona und drei englische Klubs im Halbfinale. 2009/10 suchte man bei der vorletzten Hürde zum begehrten Titel einen englischen Verein aber vergeblich. Seitdem hat sich einiges verändert. Barcelona perfektionierte sein „Tiki Taka“, Real Madrid rüstete kräftig auf, Bayern verstärkte sich mit namhaften Neuzugängen. Alle drei Klubs stehen im Achtelfinale – im Gegensatz zu den Vereinen aus Manchester.

Was ist nur mit Manchester los?

Was für eine Stadt – Manchester. Aus touristischer Sicht mag Manchester vielleicht nicht zu den beliebtesten Destinationen gehören, sportlich gleicht sie aber einem Mekka für Fußballfans. Zwei Klubs, in traditioneller Abneigung gegeneinander, die beide auf hohem Niveau guten Fußball zeigen. Auf der einen Seite Manchester City, von Öl-Millionen aus der Wüste angetrieben und jederzeit bereit, einen Top-Star um teures Geld zu holen – auf der anderen Seite die von Alex Ferguson angeführten Red Devils, die bisher in der Champions League einen Freifahrtschein Richtung K.O-Phase hatten. Doch damit ist es jetzt vorbei. Nach ohnehin wenig schmeichelhaften Heimspielen gegen Basel (3:3) und Benfica (2:2) kam es am letzten Spieltag in Basel zum „Finale“ um den Aufstieg. United verlor gegen die Schweizer, bei denen Aleksandar Dragovic durchspielte, mit 1:2 und muss in der Europa League weiterkicken. Erstmals seit sechs Jahren steht United nicht im Achtelfinale der Champions League. „Dieser Abend war eine Katastrophe. Wir sind sehr traurig über das Ergebnis, aber wir müssen leider zugeben, dass unser Ausscheiden verdient ist“, meinte Patrice Evra enttäuscht. Die Truppe von Alex Ferguson musste somit nach dem peinlichen Aus im Carling-Cup (1:2 gegen Zweitligist Crystal Palace) auch im zweiten Bewerb ungewohnt früh die Segel streichen. Auch für Manchester City ist das Ausscheiden in der Champions League eine Katastrophe. Silva, Balotelli & Co. Gewannen zwar ihr Heimspiel gegen Bayerns B-Team, müssen aber dank des Napoli-Erfolgs gegen Villarreal trotzdem in die Europa League. Trotz Riesenbudgets sind die Vereine aus Manchester in der Krise – was ist nur los?

Nationales Versagen

Dass das Problem der Erfolglosigkeit aber kein alleiniges Problem im Norden Englands ist, zeigen die Ergebnisse der anderen Klubs. Chelsea musste bis zum letzten Spieltag zittern, Arsenal gewann zwar die Gruppe F, bekleckerte sich dabei aber auch nicht mit Ruhm. Wo sind die Zeiten hin, in denen die Premier League – Kicker bereits nach dem vierten Spieltag der Gruppenphase überlegen konnten, welche Schuhe sie im Achtelfinale vorführen sollen? Es liegt an Roberto Mancini und Alex Ferguson, zu analysieren, woran es krankt. Ausreden kann es im Prinzip keine geben. Auch wenn United einige Verletzte hat und in einer Umbruchsaison steckt; auch wenn Manchester City viele junge Spieler beschäftigt, die starken Formschwankungen unterliegen – mit derartigen großen Mitteln kann und muss man auch den Aufstieg ins Achtelfinale erwarten dürfen.

Hoffnung für Österreich

Wie immer im Sport gibt es aber nicht nur Verlierer, sondern auch stolze Gewinner. „Wir haben ein Wunder vollbracht“, war sich Alexander Frei nach dem historischen Sieg sicher. Die Basler, denen im Vorfeld der Gruppenphase bestenfalls ein Kampf mit Oletul Galati aus Rumänien um Platz drei vorhergesagt wurde, sammelten Punkte wie die Hamster und erkämpften sich ein Endspiel um den Aufstieg. In diesem Endspiel behielt man die Nerven und schaffte den Aufstieg. Obwohl Österreich unter dem Erfolg des FC Basel aufgrund der knappen Lage in der Fünfjahreswertung leidet, gibt das „Fußballwunder“ Hoffnung. Basel arbeitet mit einem Budget, das unter jenem von Ligakrösus Red Bull Salzburg liegt. Mit bescheidenen Mitteln, aber konzentrierter Arbeit haben es die Eidgenossen dorthin geschafft, wo man in Salzburg seit Jahren hin will. Wieder einmal ein Beweis, dass man auch als vermeintlich „Kleiner“ mit Erfolgen aufhorchen lassen kann. Dass so ein Unternehmen auch ziemlich in die Hose gehen kann, zeigte Dinamo Zagreb: der 2:6-Pleite gegen Real in Madrid folgte ein peinliches 1:7 vor eigenem Publikum gegen Lyon.

Archimedes, abseits.at

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