David Alaba hat es geschafft! Nachdem er in der Vorsaison im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea aufgrund einer Gelbsperre fehlte, holte er am Samstag... Keine Hektik und konditionelle Balance – das war David Alabas Leistung im CL-Finale gegen Borussia Dortmund

David Alaba (ÖFB. FC Bayern München)David Alaba hat es geschafft! Nachdem er in der Vorsaison im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea aufgrund einer Gelbsperre fehlte, holte er am Samstag die wichtigste Klubtrophäe der Welt. An sich wirkte Alabas Spiel wechselhaft, doch ein genauerer Blick auf sein Spiel offenbart, dass er einmal mehr ein wichtiger Baustein für das Spiel der Bayern war.

Borussia Dortmund schaffte es – etwas unerwartet – von Beginn an starken Druck auf die Bayern auszuüben. Einer der Hauptgründe dafür war ein sehr hohes Pressing in einer 4-4-2-Grundordnung. Reus und Lewandowski pressten auf der Zentralachse, Blaszczykowski und Großkreutz stellten die Flügel clever „von innen nach außen“ zu.

Blaszczykowski drängt Alaba zurück, doch der bleibt ruhig

Wenn Alaba nun im Spielaufbau den Ball bekam, wurde er sofort von seinem polnischen Gegenspieler Blaszczykowski unter Druck gesetzt. Der Rechtsaußen der Dortmunder attackierte Alaba nicht gezwungenermaßen, sondern zwang ihn lediglich zu Handlungen in Form von Pässen oder weiten Bällen nach vorne. Alaba wirkte in der ersten Halbzeit zwar nicht sonderlich mutig und ließ sich durch Blaszczykowskis hohes Pressing relativ stark in der Defensive zuschnüren, der Österreicher spielte seinen Part jedoch äußerst ruhig und weitgehend sicher.

Starke Passquote in einem Spiel mit unerwartet vielen Fehlpässen

Von seinen insgesamt 61 Pässen gingen nur zwei über eine längere Distanz, davon auch ein guter Diagonalpass in der zweiten Halbzeit. Beide langen Pässe Alabas kamen an den Mann. In einem Spiel, das trotz seiner Spannung und hochinteressanter taktischer Facetten von einer schwachen Passquote geprägt war, war Alaba noch einer der (statistisch gesehen) passsichersten Spieler. Mit einer Quote von 84% angekommenen Pässen war Alaba der viertbeste Spieler in dieser Kategorie. Nur der Dortmunder Großkreutz, sowie die beiden „Architekten“ des FC Bayern, Schweinsteiger und Javi Martinez, brachten im Schnitt mehr Bälle an den Mann.

Kein Spektakel, aber enorm ausgewogen und clever

Dies hat jedoch auch einen Grund: Die Außenverteidiger von Borussia Dortmund waren speziell in der ersten Halbzeit initiativer als Lahm und Alaba auf Seiten der Bayern. Dadurch machten sie gezwungenermaßen mehr Fehler, weil sie mehr versuchten und hauptsächlich nicht gegen den Ball spielten. Neben Alabas typischem Passverhalten, das ihn in Richtung Franck Ribery zieht, spielte der 20-Jährige auch sehr viele einfache Pässe zu Innenverteidiger Dante, wodurch die positive Passquote beschönigt wird. Viele tatsächliche „Qualitätspässe“ waren bei Alaba also nicht dabei, aber dennoch fand er eine gute Ausgewogenheit in seinem Spiel und erkannte vor allem in der zweiten Halbzeit die Spielsituationen richtig. Alaba wusste, wann er etwas versuchen konnte und wann er lieber „hintenrum“ spielen sollte. Er war auch der einzige Verteidiger am Platz, der einen Torschuss verbuchen konnte.

Alabas sicheres Passspiel vergrößerte die Spielfläche der Bayern

Alabas einfaches Passspiel mutete nicht spektakulär an, war aber für das Spiel der Bayern enorm wichtig, weil man vor allem im Sinne eines Rückzuggefechts die Räume in der eigenen Hälfte gut ausnützte und durch die einfachen Pässe das effektive Spielfeld größer machte. In dieser Hinsicht ist Alabas allgemeine Sicherheit und Passspiel ein Segen, denn diese Art des „Spiels mit dem Raum“ kann man gegen eine Weltklasseelf wie Dortmund nur durchziehen, wenn sehr wenige individuelle Fehler passieren. Derer machte Alaba im Laufe des gesamten Spieles nur drei, die aber allesamt keine Folgen hatten.

Nur Schweinsteiger hatte mehr Ballkontakte – und Alaba blieb cool!

Ein weiteres Indiz für den Wert Alabas im „beruhigenden Passspiel“: Der ÖFB-Legionär verbuchte 87 Ballkontakte, was nach Bastian Schweinsteiger (92) der zweithöchste Wert aller Spieler auf dem Platz ist. Sein Pendant auf der rechten Abwehrseite, Philipp Lahm, kam auf 79 Ballkontakte. Vergleicht man nun beispielsweise die Anzahl der weiten Bälle, die die beiden Bayern-Außenverteidiger aus der Defensive heraus spielten, findet man bei Alaba die erwähnten zwei weiten Pässe, bei Philipp Lahm derer acht. Zwar brachte der 29-jährige Bayern-Kapitän immerhin die Hälfte der Bälle an, allerdings ließ er sich gegen den bissigen Kevin Großkreutz schneller in Hektik versetzen als Alaba von Blaszczykowski.

Kräfte richtig eingeteilt

Mit 10,6 Kilometern lief Alaba etwas mehr als Lahm, dafür aber weniger als die Dortmunder Außenverteidiger Piszczek und Schmelzer. Auch dies ist recht logisch mit der starken ersten Halbzeit der Dortmunder zu erklären. Die schwarz-gelben Außenverteidiger spulten einen größeren Aktionsradius ab, während die Bayern-Außenverteidiger sich großteils mit Defensivaufgaben und eher statischem Spielaufbau beschäftigten. Auf Alabas Seite kam noch hinzu, dass Dortmund-Innenverteidiger Neven Subotic eine sehr hohe Grundposition und somit eine starke Bindung zu Piszczek hatte. Auch dies war ein Grund, dass Alaba (und auch Ribery) sich gerade in der ersten Phase des Spiels nicht offensiv entfalten konnten. In der zweiten Halbzeit sah man jedoch, dass gerade Alaba noch Reserven hatte, als Piszczek und Schmelzer bereits mit ihren Kräften haderten.

Heimlicher Schlüsselspieler

Am Ende gewannen Alaba und Lahm allerdings das Duell der Außenverteidiger gegen Piszczek und Schmelzer. Alaba agierte mit wenigen Ausnahmen sehr geschickt, teilte sich seine Kondition gut ein und zeigte sich vor allem sehr geduldig. Die Leistung des ersten österreichischen Champions-League-Siegers seit Wolfgang Feiersinger war keine spektakuläre, dafür aber eine extrem reife! Nicht nur aufgrund des geglückten Finales war der Wiener eine der zentralen Figuren Bayerns auf dem Weg zum „Henkelpott“.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • yaku

    27.Mai.2013 #1 Author

    Lustiges Detail: bei Sky sagten sie, die einzigen österreichischen CL-Sieger wären Alaba und Arnautovic, wobei letzterer bei Inter nur im Kader stand aber nicht gespielt hat – ich dachte mir, sie vergessen den Feiersinger weil er im Finale nicht im Kader stand – und hier wird jetzt dafür auf Arnautovic vergessen, der zwar nicht gespielt hat (im Gegensatz zu Feiersinger, der ja wenigstens am Weg zum Finale beteiligt war), aber eben im Finale offenbar im Kader stand.
    Also ich finde ja, bei so wenig Auswahl, sollten wir alle drei nennen 😉

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