Wie nach den meisten großen Fußballspielen betrachten wir auch heute wieder die interessantesten Leistungsdaten der Protagonisten und erklären, welche Auswirkungen sie auf das Spiel... Super-Duo im zentralen Mittelfeld und ein Niederländer, der weiß was er will: Interessante Bayern-Leistungswerte zum CL-Finale

Arjen Robben (Niederlande, Holland, FC Bayern München)Wie nach den meisten großen Fußballspielen betrachten wir auch heute wieder die interessantesten Leistungsdaten der Protagonisten und erklären, welche Auswirkungen sie auf das Spiel der Mannschaft hatten. Nun sind die markantesten Werte des FC Bayern München dran.

Die Bayern verbuchten im Finale gegen Dortmund 57% Ballbesitz. Der neue Champions-League-Sieger ließ dabei aber nicht nur den Ball laufen, sondern schonte auch die eigenen Beine nicht. Während bei Dortmund Ilkay Gündogan mit knapp 11,8 zurückgelegten Kilometern der laufstärkste Spieler war, sprengen die Bayern diese Skala gleich doppelt: Bastian Schweinsteiger lief 12,03 Kilometer, Thomas Müller 12,02. Robben verpasste Gündogans Wert nur um knapp 100 Meter…

Passmaschine Schweinsteiger

Betrachtet man nun die Leistungsdaten in Bayern Mittelfeldzentrale, finden wir interessante Statistiken: Der laufstärkste Spieler auf dem Platz, Bastian Schweinsteiger, hatte 92 Ballkontakte und damit mehr als jeder andere Akteur. Er spielte außerdem 76 Pässe bei einer Passgenauigkeit von 86%, was weit über dem Teamdurchschnitt liegt und angesichts seiner großen Passaktivität extra beeindruckend ist. Noch dazu kamen von seinen sechs langen Pässe alle an, obwohl Dortmund gerade auf der Zentralachse immer wieder versuchte für Hektik zu sorgen. Dies zeugt von großer mentaler Reife und natürlich guter Technik.

Javi Martinez auf „derselben“ Position, aber nur halb so aktiv

Blickt man nun aber auf die Statistik von Javi Martinez, der praktisch dieselbe Durchschnittsposition spielte wie Schweinsteiger, kommt man ins Grübeln. Dieser kommt nämlich nur auf 55 Ballkontakte und spielte mit 39 Pässen nur etwa halb so viele wie Schweinsteiger. An dem knappen Kilometer, den Schweinsteiger mehr zurücklegte, kann eine solche Diskrepanz in der Pass- und Aktivitätsstatistik nicht liegen. Wieso war Schweinsteiger also so viel aktiver als Martinez? Die Antwort liegt in seiner passiveren Art.

Spanier wurde von Reus gedeckt – oder band er Reus?

Bereits in den ersten Minuten war klar ersichtlich, dass Marco Reus den Spanier systematisch presst, wenn Bayern sich im Spielaufbau befand. Javi Martinez gilt schließlich als einer der Spieler, die die größte Übersicht und technische Fähigkeiten im Pass- und Aufbauspiel besitzen. Dies zeigte der 24-Jährige auch im Finale, wo er mit 92% Passgenauigkeit der beste Passspieler auf dem Platz war. Martinez konnte Reus durch dessen Pressing praktisch binden und Schweinsteiger, der im Aufbauspiel zumeist höher stand, wurde nur lose bzw. „vorausschauend“ gedeckt und nicht so stark unter Druck gesetzt wie Javi Martinez. Somit war Schweinsteiger als erste Anspielstation für die Bayern-Verteidiger geeigneter und spielte „um Martinez herum“.

Schweinsteiger mit weniger Engagement in den Zweikämpfen

Ein zweiter Grund für die höhere Aktivitätsrate bei Schweinsteiger ist, dass Javi Martinez eher derjenige war, der die Bälle beschaffte. Während Schweinsteiger im Vergleich zu Martinez stärker in die Breite ging, um eine Anspielstation zu sein, mimte Martinez eine spielstarke Kampfmaschine, die die Flügel praktisch komplett mied und sich auf die Zentralachse konzentrierte. Der Spanier verbuchte drei Tacklings, drei Balleroberungen, konnte zweimal klären, foulte zweimal. Schweinsteiger war Zweikämpfe betreffend nicht derart geschäftig: Nur ein Tackling, keine direkte Balleroberung, ein geklärter Ball, ein Foul – dafür aber umsichtige und vor allem viele Pässe.

Robben: Zwei Lupfer für die Fannerven, ein Geniestreich

Die schillerndste Figur des Champions-League-Finales war aber der Niederländer Arjen Robben. Der 29-Jährige fiel durch sein Privatduell mit Dortmund-Keeper Roman Weidenfeller auf. Dabei brachte Robben wohl nicht nur so manchen Bayern-Fan zur Weißglut, denn seine Versuche mit Lupfern zum erfolgreichen Abschluss zu kommen, sind nicht argumentierbar, wenn man gegen einen Torhüter spielt, der länger stehen bleibt als kaum ein anderer. Nach zwei missglückten Lupfern, machte es Robben mit seinem dritten Torschuss besser und rollte den Ball in Weltklassemanier zum 2:1-Siegtor ins Netz.

Laufstarker und zielgerichteter Rechtsaußen

Bis zu seinem Goldtor fiel Robben speziell durch sein laufintensives Spiel, auch defensiv, auf. Seine Spielanlage erinnerte ein wenig an Riberys Leistung im Hinspiel gegen den FC Barcelona, wo dieser auf seiner Seite ebenfalls überall zu finden war. Doch obwohl er sich auch defensiv aufopferte, hatte Robben von allen Bayern-Spielern durchschnittlich die offensivste Feldposition inne. Robbens Spiel war somit eine Partie der Extreme. Er hielt sich nicht lange mit halben Sachen auf – entweder er arbeitete defensiv zielgerichtet, oder er versuchte offensiv sehr direkt zum Erfolg zu kommen. Diese Art Fußball zu spielen, könnte man als einen Eckpfeiler des Flügelspiels des FC Bayern im Allgemeinen betrachten – und normalerweise impliziert diese extrem zielgerichtete „Kopf-durch-die-Wand“-Attitüde verhältnismäßig schlechte Leistungswerte, weil man anfälliger auf Fehler ist. In Robbens Fall war dies jedoch nicht so: Der Niederländer spielte zwar nur 28 Pässe, brachte aber 79% an den Mann und war defensiv, wie offensiv zweikampfstark und – wie man in Minute 89 sah – stets für Überraschungen gut.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • ammersee-express

    27.Mai.2013 #1 Author

    In diesem Spiel war klar zu sehen, was Robben an einem richtigen Weltklassespieler fehlt: Die Fähigkeit, vor dem Tor auch mal den „falschen“ Fuss zu nehmen. Das hätte schon bei seiner ersten Grosschance gereicht, Weidenfeller zu düpieren. Und bei dem von Subotic von der Linie gekratzten Ball wird man in der Jugend auf der Stelle ausgewechselt, wenn man als Stürmer nur zuschaut statt hinzugehen, um allerspätestens den Abpraller über die Linie zu bringen.

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