Red Bull Salzburg trifft am Mittwoch im ersten Europacupspiel der neuen Saison auf Shkendija Tetovo aus Mazedonien. CornO, ein User und Salzburg-Fan aus dem... Userbeitrag: Das ist Salzburg-Gegner Shkendija Tetovo!

Red Bull Salzburg trifft am Mittwoch im ersten Europacupspiel der neuen Saison auf Shkendija Tetovo aus Mazedonien. CornO, ein User und Salzburg-Fan aus dem Austrian Soccer Board, hat sich den Underdog genauer angesehen und seine Erkenntnisse in einem hochinteressanten Posting zusammengefasst!

Wissenswertes

Der Verein wurde 1979 mit der Intention, Albanern aus ganz Jugoslawien einen Zusammenschluss zu bieten (daher auch die Vereinsfarben rot-schwarz), gegründet, zwischenzeitlich verboten und erst nach der Unabhängigkeit Mazedoniens wieder in die Liga integriert. Die geringe Legionärsanzahl ist daher wohl nicht zufällig. Gespielt wird in der Ecolog Arena, die trotz satten 15.000 Sitzplätzen dank des fehlenden Dachs sehr mickrig aussieht. Dafür offenbart es einen schönen Ausblick auf die kleine, aber feine Stadt Tetovo. Ecolog, ein in Tetovo ansässiger Militärdienstleister (sprich: Wäsche-, Toiletten-, Öl-, Gasversorgung etc. für Truppen in Gefahrengebieten), ist nicht nur Namenssponsor des Stadions, sondern auch Hauptsponsor des Vereins, nachdem das Unternehmen 2013 in einer finanziellen Krise des Clubs von den Anhängern wochenlang angebettelt wurde.

Das ist aber alles ziemlich unwichtig, gespielt wird international nämlich im Nationalstadion Mazedoniens, der Philip-II-Arena in Skopje mit 36.400 Plätzen. Luftlinie Salzburg-Skopje: 940 Kilometer. Apropos International: In den Saisonen 2016/17 und 2017/18 kam der Verein als Vizemeister jeweils von der ersten Runde der EL-Qualifikation bis ins Playoff.

Trainer

In den letzten Jahren hatte man auf dieser Position einen enormen Verschleiß, zwölf Trainer in fünf Jahren. Wenig überraschend stammt der aktuelle Mann Qatip Osmani (49) aus Mazedonien und kam in seiner Trainertätigkeit auch noch nie darüber hinaus. Ebenso wenig überraschend und folgerichtig ist, dass man in der ersten Saison ohne Trainerwechsel seit dem Titel 2010/11 auf Anhieb den zweiten Meistertitel holen konnte. Und das in beeindruckender Art und Weise: mit 91 Punkten, einem Torverhältnis von 101:27 und einem Respektabstand von satten 35 Zählern verwies man Rekordmeister Vardar Skopje auf Platz 2.

Kader

Es gab über den Sommer wenig Bewegung (5 Abgänge, 5 Zugänge), zwei Stammspieler wurden abgegeben und durch die nächstbeste Option im Kader ersetzt. Von den Neuzugängen bekam bis dato nur Cheshmedjiev (5!) Spielminuten (der Innenverteidiger dürfte ein Spezialist für Zeitspiel sein, kam zwei Mal kurz vor Schluss für einen Offensiven). Das größte Asset ist also die Eingespieltheit, andererseits ist dadurch aber für uns auch sehr klar was zu erwarten ist – sowohl personell als auch die Spielweise betreffend.

Stammtorhüter ist Kostadin Zahov (30 Jahre), der keinen sicheren Eindruck macht. Vor allem in der Raumbeherrschung (pickt bei Stanglpässen, Freistößen… zu lange auf der Linie) und Pressingresistenz (hat beim zartesten Druck sofort eine enorme Streuung im Passspiel) fielen negativ auf. Davor gibt es fünf Feldpsieler, die noch keine Minute verpasst haben.
Dazu zählen der Defensivallrounder Egzon Bejtulai (24) als Rechtsverteidiger, daneben Nationalspieler Visar Musliu (23) und Mevlan Adili (24) in der Innenverteidigung. Die Viererkette wird komplettiert von Mevlan Murati (24) – eigentlich Rechtsfuß und damit mit kleinem Handicap, aber sicherer als der junge Nigerianer Wakili (21) und mit mehr Offensivdrang als Bejtulai auf der anderen Seite.

Weiters spielten bisher durch Kapitän Armend Alimi (30) halbrechts in der Doppelsechs, der im Spielaufbau gerne abkippt und den Ball fordert und der Brasilianer Stenio Junior (27), der von links außen gerne in den Zehnerraum zieht und dort den Abschluss sucht. Halblinks gibt es ein paar junge Optionen als Partner für Kapitän Alimi, wobei aktuell Ennur Totre (21) gegenüber Shqiprim Taipi (21) und Arbin Zejnulai (19) die Nase vorne hat. Rechts außen hat Remzifaik Selmani (21) dem Nationalspieler Marjan Radeski (23) aktuell den Rang abgelaufen, agiert dort als inverser Flügel und zieht gerne diagonal zum Tor.

Im Sturm werken die beiden Routiniers Izair Emini (32) und Besart Ibraimi (31). Die beiden verstehen sich wirklich hervorragend, suchen den Kontakt und kombinieren miteinander. Emini agiert dabei eher als Zehner, der sich viel anbietet und dann spät nachstößt, wogegen Ibraimi im Normalfall die letzte Linie besetzt und sich für Kombinationen kurz ballnah fallen lässt. Außerdem tendiert er zu verfrühten Abschlüssen (gegen The New Saints war das Gold wert, gegen Sheriff weniger).

Spielweise

Grundsätzlich stellt sich die Mannschaft in einem gewöhnlichen 4-2-3-1 auf. Je nach Pressinghöhe wird gegen den Ball daraus ein 4-4-2 (wenn der gegnerische Spielaufbau angepresst wird) oder 4-4-1-1 (in tieferen Phasen). Gegen den Ball steht sie zwar relativ kompakt, ist aber eher lasch und passiv im Zugriff. Das ist deswegen ein Problem, weil die Hintermannschaft bei hohen Bällen und Pässen in die Schnittstellen zwischen Innen- und Außenverteidigung überhaupt nicht sattelfest ist. Beides lässt sich ohne großen Druck aber gut vorbereiten. Bei Ballgewinnen schalten sie flott um, die Stürmer suchen den Kontakt zueinander und es wird versucht die großen seitlichen Räume neben der Restverteidigung zu nutzen.

Die Mazedonier bauen das Spiel gerne flach auf: Die Außenverteidiger schieben hoch, Captain Alimi kippt halbrechts ab, die Kugel wird gut zirkuliert und bei passender Gelegenheit in den Zwischenlinienraum durchgesteckt. Auch vorne versucht man sich an spielerischen Lösungen, passenderweise ziehen ja beide Flügel gerne ins Zentrum zur Unterstützung. Bei höherem Druck werden diese Versuche aber weitgehend eingestellt, es wird gebolzt und die Flügel an die Grundlinie zum Flanken geschickt. Das Gegenpressing bei Ballverlusten dient eher der Spielverzögerung bis alle hinter dem Ball sind, weniger dem umgehenden Ballgewinn.

Fazit

Der KF Shkëndija wirkt wie eine gut eingespielte Mannschaft, die Gegner bis zu einem gewissen Grad ärgern oder gar kontrollieren kann, ab einem bestimmten Niveau droht das Ganze aber in sich zusammenzufallen. Ich hoffe, dass unser Heimsieg nicht zu hoch ausfällt, damit wir uns auswärts nicht zu einem (Fünfjahreswertungs-)Punkteverlust einlullen lassen.

„CornO“ aus dem Austrian Soccer Board