Große Vereine am Tabellenende! Die Saison 2015/16 sorgte für so manch Enttäuschungen und Tränen bei den Anhängern vieler Traditions- und Erfolgsvereine der letzten Jahre.... Der Weg in die Zweitklassigkeit: Traditionsvereine am Tabellenende 2015/16

zoom_vfb-stuttgartGroße Vereine am Tabellenende! Die Saison 2015/16 sorgte für so manch Enttäuschungen und Tränen bei den Anhängern vieler Traditions- und Erfolgsvereine der letzten Jahre. Der FC Twente, niederländischer Meister von 2010, wurde ebenfalls zum Abstieg verurteilt, beruft jedoch trotz geringer Erfolgsaussichten gegen das Urteil der Liga. Im Falle eines Abstiegs wäre der Verein aus Enschede jedoch in bester Gesellschaft, was die folgende Aufzählung beweist:

VfB Stuttgart – erstmals zweitklassig seit 1977

2007 wurde man deutscher Meister – nicht einmal zehn Jahre später folgt der bittere Abstieg aus der höchsten Spielklasse für den Traditionsverein aus Schwaben. Nachdem man in den letzten vier Spielzeiten immer bestenfalls Zwölfter werden konnte, ist nun der zweite Abstieg nach 1975 bittere Realität für das Gründungsmitglied der Bundesliga.

Die letzte Saison begann unter dem neuen Trainer Alexander Zorniger denkbar schlecht – bereits zur Winterpause lag man auf einem Abstiegsplatz, zusätzliche Unruhe innerhalb der Mannschaft und Konflikte mit den eigenen Anhängern brachten das Fass jedoch zum Überlaufen.

Zornigers Nachfolger Jürgen Kramny konnte das Schicksal nur zu einem kurzen Höhenflug wenden. Nach Platz 10 im Februar folgte ein erneuter verheerender Einbruch, der schließlich den Abstieg für den Traditionsklub bedeutete. Die letzten sechs Ligaspiele wurden allesamt verloren, unter anderem gegen direkte Konkurrenten wie Bremen und Augsburg. Einige personale Rochaden verunsicherten die Mannschaft zusätzlich und letztendlich bekam man die Quittung für den Negativtrend der letzten Jahre serviert. Der VfB Stuttgart ist ab Herbst 2016 nur mehr zweitklassig und trifft auf Würzburg, Sandhausen & Heidenheim statt auf die Bayern, Dortmund & Leverkusen. Immerhin ist man mit Schlusslicht Hannover 96 nicht der einzige Absteiger mit jahrelanger Bundesligaerfahrung.

Wie es mit Österreichs Legionären Martin Harnik und Florian Klein weitergeht, steht aktuell noch in den Sternen. Harnik wird den Verein sicher verlassen und liebäugelt mit einem Wechsel nach England, während Klein noch einen gültigen Vertrag besitzt, im Frühjahr jedoch kaum noch eingesetzt wurde.

Aston Villa – erstmals zweitklassig seit 1988

Birminghams Traditionsverein schlechthin ist einer der großen Verlierer der Premier-League-Saison 2015/16. Mit nur 17 Punkten wurde man klares Tabellenschlusslicht und war seit dem siebten Spieltag durchgehend auf einem Abstiegsplatz, der weder richtig bekämpft, noch abgewendet wurde. Magere drei Siege in 38 Spielen durften die Villans bejubeln, wodurch man quasi das negative Gegenstück zu Sensationsmeister Leicester wurde.

Keiner der vier verschiedenen Trainer konnte dem nunmehrigen Zweitligisten neues Leben einhauchen, wodurch der erste Abstieg seit 1987 traurige Realität wurde. Talente wie Jordan Ayew und Jordan Amavi konnten ihr Potenzial nicht konstant abrufen, während Routiniers wie Joleon Lescott und Alan Hutton nur mehr ein Schatten ihrer besseren Zeiten darstellten. Gekrönt wurden solche Unstimmigkeiten von fehlender Professionalität mancher Spieler; Stammkraft Gabriel Agbonlahor wurde beispielsweise nach ausgiebigen Feierlichkeiten freigestellt.

Die Zukunft im Villa Park ist ungewiss. Neo-Trainer Roberto Di Matteo muss in der kommenden Saison möglichst früh eine positive Entwicklung hervorrufen, sonst droht das Team neben anderen ehemaligen Größen wie Leeds United, FC Fulham und Mitabsteiger Newcastle United in der zweiten Spielklasse für längere Zeit zu stagnieren.

Dinamo Moskau – erstmals in Russland zweitklassig

Auch in der russischen Liga schützte ein großer Name nicht vor einem Abstieg. Dinamo Moskau musste den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte verkraften und zusätzlich auf eine inferiore Rückrunde zurückblicken. Nur ein mickriger Sieg gelang in der kompletten Frühjahrsrunde, der letzte Heimsieg stammt noch aus dem November des Vorjahres.

Nachdem man in den letzten beiden Jahren jeweils Vierter wurde und zu Saisonbeginn auf einen für russische Ligaverhältnisse soliden und erfahrenen Kader setzen konnte, kam der direkte Abstieg total überraschend. Als Draufgabe stand Dinamo Moskau in der ganzen Saison bloß einmal auf einem Abstiegsplatz– richtig, nach der letzten Runde der Saison.

Trotz des blamablen Abstiegs werden die Weichen beim russischen Polizeiverein bereits Richtung Zukunft gestellt. Teamspieler wie Slowakeis Hubocan oder Russlands Denisov sollen gehalten werden, sodass die Mannschaft mit dem neuen Trainer Yuri Kalitvintsev den Wiederaufsteig schaffen kann, um die traurigste Saison der Vereinsgeschichte abhaken zu können.

FC Zürich – erstmals seit 1990 zweitklassig

Man stelle sich vor, Rapid oder die Austria würde absteigen – so wurde die Situation nach dem Abstiegs des FC Zürich geschildert. Wahrlich eine Saison zwischen Himmel und Hölle für den namhaften Schweizer Verein. Der erste Abstieg seit 1988 führte zu Katzenjammer in Zürich, begleitet von Straßenkämpfen zwischen FCZ-Anhängern und der Polizei.

Als gefährlicher Außenseiter gestartet, wurde schnell klar, dass man diese Saison wohl eher in der hinteren Tabellenhälfte verbringen werde. Niederlagen gegen die direkten Konkurrenten, Kritik an Präsident Ancillo Canepa und eine permanente Unruhe innerhalb des Vereins mündeten im fußballerischen Super-GAU, womit der Meister von 2009 ab sofort nur mehr zweitklassig kickt.

Der Abstieg warf damit auch einen großen Schatten auf den bedeutendsten Erfolg dieser Spielzeit: Wenige Tage nach Ende der Saison wurden die Züricher Schweizer Cupsieger – ausgerechnet gegen Abstiegskonkurrent FC Lugano. Ein Erfolg zwischen sportlicher Reinkarnation und trister Schadensbegrenzung. Das interessante Kuriosum: Nächste Saison spielt man als Zweitligist nicht nur um den sofortigen Wiederaufstieg, sondern auch in der Gruppenphase der Europa League.

Metalist Kharkiv – erstmals seit 2004

Ein leises Lebewohl folgt ebenfalls in die Ostukraine nach Kharkiv. Metalist Kharkiv, langjähriger Schrecken österreichischer Vereine in der Europa League, ist nach einer komplett chaotischen Saison zum Abstieg aus der höchsten ukrainischen Spielklasse verdonnert worden.

Klubbesitzer Sergey Kurchenko, selbst aus dem russischen Exil tätig, entließ während der Saison neben Trainer Oleksandr Sevidov gleich 23 Spieler des Profikaders und spielte die Saison mit einer etwas besseren Jugendelf zu Ende. Neben solchen Skandalen abseits des Platzes war das Team auch sportlich nur mehr ein Schatten der Vergangenheit – 1:8 gegen Shakhtar Donezk, 0:5 gegen Dnipro Dnipropetrowsk.

Dennoch hätte man in einer total unausgeglichenen Premier Liga sportlich mit Platz 10 die Klasse gehalten. Doch dies ist nach Spielerentlassungen, Manipulationsvorwürfen und finanziellen Problemen endgültig Geschichte, genau wie frühere Auftritte auf internationalem Parkett. Angesichts der noch immer prekären Lage in der Ostukraine, würde es überraschen, wenn sich hierbei noch etwas am momentanen Zustand verbessern würde. Andernfalls war es das vorerst für die Fußballer des ukrainischen Stahlarbeitervereins.

Martin Wallentich, abseits.at

Martin Wallentich