In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,... Abseits.at-Leistungscheck, 17. Spieltag 2012/13 (Teil 2)  – David Alaba mit 101 Ballkontakten und 32,8 km/h

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Gestern analysierten wir die Partie zwischen dem 1. FSV Mainz und dem VfB Stutgart, bei der gleich vier ÖFB-Kicker am Platz standen. Heute schauen wir den restlichen Legionären auf die Beine.

Werfen wir unseren Blick zunächst nach München, wo der FC Bayern trotz großer Überlegenheit gegen taktisch diszipliniert spielende Gladbacher nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus kam. 26:6 Torschüsse und 31:6 Flanken sprechen eine deutliche Sprache, doch der Mann des Spiels, Gladbach-Goalkeeper Marc-Andre ter Stegen, ließ nur einen Gegentreffer zu und zeigte einige Weltklasseparaden. David Alaba lieferte insbesondere in der zweiten Halbzeit eine gute Partie ab, spielte entschlossen nach vorne und war auch an einigen Offensivaktionen beteiligt. In der Defensive ließ er sowieso nichts anbrennen, er gewann 10 seiner 14 Duelle (71,4%) und fing zwei Pässe ab. Die meisten Angriffe des FC Bayern liefen über seinen Flügel (42%), weshalb er auch die meisten Ballkontakte aller Spieler hatte. Er berührte 101 Mal das Spielgerät und spielte 76 Pässe, von denen 91% bei seinen Mitspielern ankam.  Eine tolle Statistik, besonders wenn man sich vor Augen hält, dass Alaba meistens den direkten Weg nach vorne suchte, wobei er diesmal die meisten vertikalen Pässe nicht auf Franck Ribery (acht Zuspiele), sondern auf Toni Kroos (16 Zuspiele) spielte. Alaba schoss zweimal aufs gegnerische Tor, steuerte zwei Torschussvorlagen bei und schlug drei Flanken. Er lief 10,8 Kilometer, wobei er mit einer Höchstgeschwindigkeit von 32,8 Kilometern pro Stunde der schnellste Spieler seiner Mannschaft war. An Alaba lag es nicht, dass die Bayern nicht voll anschreiben konnten – das Einzige was man ihm ein wenig vorwerfen kann ist, dass er in der ersten Hälfte ein wenig zu passiv agierte. Der kicker gab dem österreichischen Nationalspieler, der in seiner Heimat gerade wieder zum Fußballer des Jahres gewählt wurde, die Note 3.

Bitterer Arbeitstag für Christian Fuchs

Der SC Freiburg entführte drei Punkte aus der Veltins Arena und holte somit aus den letzten fünf Auswärtsspielen starke elf Punkte. Der FC Schalke ging zwar in der 20. Minute durch Jefferson Farfan in Führung, doch zwei Treffer von Jan Rosenthal und ein Tor von Jonathan Schmid drehten die Partie um. Die Niederlage bedeutete das Ende von Huub Stevens auf Schalke, denn der Vorstand reagierte auf die zuletzt gezeigten schwachen Leistungen mit seiner Entlassung. Die Mannschaft ist gegenüber den ersten Runden nicht wiederzuerkennen und es stört wohl keinen, dass jetzt erst einmal Winterpause ist. Christian Fuchs zeigte, so wie fast alle Mannschaftskollegen, eine schwache Vorstellung, für die er vom kicker die Note 4,5 bekam. Er wurde einige Male von den flinken Freiburger-Offensivspielern überrannt, kam in manchen Situationen zu spät, wobei er vielleicht auch von der katastrophalen Leistung des Innenverteidigers Joel Matip verunsichert wurde. In der Offensive lief es ebenfalls nicht rund, der Außenverteidiger kann zwar zwei Schussversuche und zwei Flanken vorweisen, doch die Schüsse gingen vorbei und die Hereingaben kamen ungenau. Zudem wurden 47% der Schalker-Angriffe über den rechten Flügel vorgetragen, wohingegen nur 23% aller Offensivaktionen über die Seite des Österreichers liefen. Fuchs kam auf 67 Ballkontakte und spielte 29 Pässe, von denen nur 66% bei seinen Mitspielern landeten. Alles in allem eine eher unglückliche Vorstellung, wobei Fuchs im Vergleich zu seinen Mannschaftskollegen nicht abfiel – es läuft momentan eben nicht rund auf Schalke.

Solide Leistungen der Werder-Legionäre gegen den 1. FC Nürnberg

Obwohl der SV Werder Bremen in keinem anderen Meisterschaftsspiel der aktuellen Saison mehr Torschüsse abgab, als gegen den 1. FC Nürnberg (26), reichte es am Ende gegen den Klub nur zu einem 1:1-Unentschieden. Die Bremer dürfen sich zudem bei Schiedsrichter Gräfe bedanken, der beim Ausgleichstreffer in der 88. Minute eine klare Abseitsstellung des Mittelstürmers Nils Petersen übersah. Zuvor scheiterte Werder immer wieder am starken Torhüter Raphael Schäfer, der insgesamt sieben Schüsse entschärfte und einen sehr sicheren Eindruck hinterließ. Zlatko Junuzovic begann im 4-1-4-1-System der Bremer wieder als alleiniger Sechser im defensiven Mittelfeld und war einer der auffälligsten Werder-Akteure. Wie gewohnt war er vorrangig damit beschäftigt den beiden offensiven Mittelfeldspielern Kevin De Bruyne und Aaron Hunt den Rücken freizuhalten, diesmal gelang es ihm aber auch gut sich ins Offensivspiel mit einzuschalten. Er schaltete schnell um und spielte intelligente Pässe und suchte selbst viermal den Abschluss. Neben seinen vier Schussversuchen steuerte er eine Torschussvoralge bei und ging zweimal erfolgreich in 1-gegen-1-Situationen an einem Nürnberger Gegenspieler vorbei, während er kein einziges Mal den Ball nach einer Einzelaktion verlor. Junuzovic hatte die meisten Ballkontakte (87) und spielte die meisten Pässe (65), wobei 82% seiner Zuspiele ankamen. Seine Zweikampfbilanz ist ausgeglichen, sein Laufpensum mit 12,3 Kilometern wie immer vorbildlich. Junuzovic bekam vom kicker die Note 3, eine Bewertung die wohl um einen halben Grad besser ausfallen hätte dürfen.

Sebastian Prödl bekam erfreulicher Weise wieder den Vorzug gegenüber Assani Lukimya und gab in dieser Partie seinem Trainer keinen Grund seine Entscheidung zu bereuen. Er machte bei gegnerischem Ballbesitz einen konzentrierten Eindruck und hatte im Verbund mit dem Griechen Sokratis in der Abwehr die meiste Zeit über alle unter Kontrolle. Er zeigte in den Zweikämpfen eine gesunde Aggressivität und gewann 15 seiner 26 Duelle (57,7%). Während es in der Defensive keinen Grund zur Kritik gab, darf man sein Aufbauspiel leise hinterfragen. Von insgesamt 34 Pässen spielte er neun lange Bälle nach vorne, von denen sechs beim Gegner landeten. In einigen Situationen wäre der einfache Pass zu einem seiner Nebenspieler wohl zielführender gewesen. Dennoch alles in allem eine solide Leistung, für die er vom kicker ebenfalls die Note 3 bekam.

Weniger zufrieden darf Marko Arnautovic sein, der bis zu seiner Auswechslung in der 68. Minute einige gute Chancen vorfand, diese jedoch nicht nutzen konnte. Der rechte Flügelspieler wurde in unserem letzten Leistungscheck ein wenig dafür kritisiert, dass er zu oft auf Einzelaktionen zurückgriff und manchmal das Auge für den besser stehenden Mitspieler verlor. Dieses Mal lief es genau umgekehrt, der österreichische Nationalspieler wirkte in manchen Szenen gehemmt und zurückhaltend und ging 1-gegen-1-Situationen zu oft aus dem Weg – einen Vorwurf, den er sonst wohl nicht oft zu hören bekommt. Der österreichische Nationalspieler hatte 58 Ballkontakte und spielte 42 Pässe, von denen 74% bei seinen Mitspielern landeten. Seine Zweikampfbilanz ist mit 54,6% zwar positiv, allerdings schaltete er diesmal nach Ballverlusten nicht immer schnell genug in die Defensive um. Neben seinen beiden Torschüssen steuerte er zwei Torschussvorlagen und fünf Flanken bei. Der kicker bewertete seine Leistung mit der Note 4.

Fazit

Alaba
+: starke Zweikampfbilanz, dynamisch, ballsicher
-: hätte in der ersten Hälfte ein wenig mehr nach vorne machen können

Fuchs
+: Wille war da, aber…
-: …zu viele Fehlpässe, kam in einigen Situationen zu spät

Junuzovic
+: laufstark, die meisten Ballkontakte und Pässe, auch in der Offensive Akzente gesetzt
-:

Prödl
+: gutes Stellungsspiel, körperlich präsent
-: Fehler im Aufbauspiel

Arnautovic
+: positive Zweikampfquote
-: Chancen nicht genutzt, ungewohnt verhalten, langsam beim Umschalten in die Defensive

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger