In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,... Abseits.at-Leistungscheck , 17. Spieltag (Teil 2) – David Alaba führt nach seiner Einwechslung die Bayern auf die Siegerstraße

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Nachdem wir uns gestern die Leistungen von Fuchs, Harnik und Pogatetz ansahen, schauen wir uns heute an, wie sich Alaba, Prödl, Arnautovic und Baumgartlinger schlugen.

Beginnen wir mit David Alaba, der gemeinsam mit Christian Fuchs vergangenes Wochenende für die positiven Schlagzeilen aus österreichischer Sicht sorgen konnte. Beim 3:0-Heimsieg gegen den 1.FC Köln kam der österreichische Nationalspieler in der 52. Minute statt Müller in die Partie, erzielte das 2:0 und legte das 3:0 auf. Dabei musste der 1.FC Bayern München fast eine Stunde lang in Unterzahl agieren, da Ribery in der 33. Minute aufgrund einer schweren Undiszipliniertheit zwei gelbe Karten bekam und vom Platz musste. Die Kölner wurden für ihre Passivität bestraft, denn sie lösten auch in Überzahl die Fünfer-Abwehrkette nicht auf. Da auch die Mittelfeldspieler tief standen, blieb Podolski an vorderster Front komplett isoliert.

Die Vielseitigkeit ist Alabas großer Trumpf

Der FC Bayern München spielte wieder einmal mit einem 4-2-3-1-System, wobei diesmal Tymoshchuk und Kroos im defensiven Mittelfeld agierten. Nach seiner Einwechslung spielte Alaba im rechten Mittelfeld, wo er eine absolut überzeugende Leistung zeigte, die er mit seinem Tor und seinem Assist krönen konnte. In den 38 Minuten lief er 4,97 Kilometer und absolvierte 13 Sprints und 34 intensive Läufe. Er schoss zwei Mal aufs gegnerische Tor und hatte 27 Ballkontakte. Von 18  Pässen landeten 14 bei seinen Mitspielern (78%). Seine Zweikampfbilanz sieht wieder einmal nicht besonders gut aus, denn von neun Duellen konnte er nur drei für sich entscheiden (33%). Die meisten Zweikämpfe bestritt Alaba allerdings in der gegnerischen Hälfte und es waren keine kritischen Situationen dabei, aus denen Torchancen für die Kölner hätten entstehen können.

Hier könnt ihr euch ein schön gemachtes Video ansehen, dass alle relevanten Spielszenen des Österreichers gegen den 1. FC Köln zeigt. Natürlich inklusive seinem Tor und dem Assist.

Nach der Winterpause wartet auf Alaba und seine Kollegen ein schwieriges Auswärtsspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Die beiden Mannschaften eröffnen am Freitag dem 20.01.2012 die Rückrunde.

Prödl überfordert, Arnautovic kann Spiel nicht drehen

Während sich Fuchs über die Weihnachtsfeiertage sicherlich gerne an das Duell gegen den SV Werder Bremen erinnern wird, würden Prödl und Arnautovic dieses Spiel wohl am liebsten aus ihrem Gedächtnis entfernen lassen. Arnautovic saß zunächst auf der Bank, während Prödl auf der ungeliebten Außenverteidiger-Position zum Zug kam. Momentan haben Naldo und Wolf im Bremer Abwehrzentrum bei Trainer Schaaf die besseren Karten und Prödl kann sich höchsten damit trösten, dass deren Leistung auch nicht wesentlich besser war. Insbesondere Wolf war wieder fehleranfällig und bekam vom Kicker eine 5 für seine Leistung. Prödl erwischte es noch ein wenig schlimmer, denn seine Hilflosigkeit gegenüber Fuchs und Jurado wurden mit einer 5,5 bestraft. Die beiden Schalke-Spieler konnten auf Prödls Seite ohne große Gegenwehr agieren und Prödl war auf dieser Position sichtlich überfordert.

In der Defensive zeigte er Stellungsfehler und den fehlenden Biss, bei Ballbesitz konnte er sich nicht in die Offensive einschalten und beging leider zahlreiche Fehler im Aufbauspiel. In den 45 Minuten, in denen er am Platz stand, unterliefen ihm zehn Fehlpässe, was auf seiner Position eindeutig zu viel ist. Im Vergleich dazu kam Fuchs in der gesamten Partie auf acht Fehlpässe, obwohl er doppelt so lang am Platz stand. Der Zweikampfwert von Prödl ist auf den ersten Blick in Ordnung: Von elf Duellen entschied er sieben für sich (63,64%). Das Problem war allerdings, dass er in viele Zweikämpfe nicht einmal hineinkam, sondern nur als Zuschauer mitwirkte. Zu Prödls Schutz muss man aber sagen, dass seine unmittelbaren Nebenspieler ihm das Leben nicht gerade leicht machten und mit dem Schalker-Angriffsspiel ebenfalls überfordert waren. Fritz (RM) und Bargfrede (DM) bekamen ebenfalls eine 5,5. Prödls Nachbar in der Viererkette Wolf erhielt, wie bereits oben erwähnt, eine 5. Diese Partie hat aber durchaus auch etwas Positives: Sollte Marcel Koller mit Prödl als rechten Verteidiger geliebäugelt haben, dann hat er nach diesem Spiel sicherlich die Lust an dieser Variante verloren – was für das österreichische Nationalteam nicht das Schlechteste ist.

Arnautovic kam nach der Halbzeit für Prödl ins Spiel und agierte im linken Mittelfeld. Der Kicker benotet den Österreicher in letzter Zeit auffallend streng, so bekam er beispielsweise in der 15. Runde gegen den FC Bayern München eine glatte 6, obwohl sowohl die Fans, als auch die Kommentatoren im Fernsehen den österreichischen Nationalspieler noch zu den besseren Spielern der Bremer zählten. Auch im Spiel gegen 1. FC Schalke 04 sahen die meisten Werder-Fans ihren Einwechselspieler nicht so schlecht, wie der Kicker, der Arnautovic eine 5 für seine Leistung gab. Während die 5,5 für Prödl absolut gerechtfertigt ist, erscheint die 5 für Arnautovic etwas zu hart, da er nach seiner Einwechslung durchaus versuchte das Spiel zu drehen, aber von seinen Mitspielern kaum Unterstützung bekam. Es ist richtig, dass sein Offensivdrang nicht lange anhielt und bald verpuffte – er war dennoch einer der besseren Werder-Spieler. Überragend war jedenfalls seine geringe Fehlpassquote: Von 27 Pässen landeten 25 bei seinen Mitspielern (93%). Auch die Laufleistung von 5,71 Kilometer ist für eine Halbzeit und seine Verhältnisse absolut in Ordnung. Trotzdem hätte er natürlich auch nach seiner guten Anfangsphase mehr probieren müssen und  sich nicht runterziehen lassen dürfen.

Werder Bremen kann also nach wie vor gegen die stärksten Mitkonkurrenten um die internationalen Plätze nicht punkten. Nach Niederlagen gegen Bayern München, Borussia Mönchengladbach und Dortmund verliert die Truppe von Thomas Schaaf auch gegen Schalke 04. Werder Bremen trifft am 21.01. 2012 auswärts auf den 1. FC Kaiserslautern.

Baumgartlinger mit durchschnittlicher Leistung gegen Borussia Mönchengladbach

Nachdem sich Andi Ivanschitz in der 16. Runde gegen den Hamburger SV eine Knieverletzung zuzog, konnte mit Julian Baumgartlinger nur ein Österreicher in der Startelf gegen Borussia Mönchengladbach stehen. Baumgartlinger spielte immerhin über die volle Distanz durch, durfte sich aber nach der 0:1-Auswärtsniederlage über keine Punkte freuen. Die Mainzer traten mit einer Raute im Mittelfeld an, in der Julian Baumgartlinger die rechte Position einnahm. Wenn man sich jedoch die Heatmap des Österreichers ansieht, dann erkennt man deutlich, dass er die meiste Zeit über eher zentral agierte.

Die Zuschauer sahen eine zerfahrene Partie, die von Taktik geprägt war. Es gab nur wenige Höhepunkten, dafür aber zahlreichen Zweikämpfe im Mittelfeld. Baumgartlinger lief 11,23 Kilometer, absolvierte 19 Sprints und 61 intensive Läufe. Er schoss zwei Mal aufs gegnerische Tor hatte 68 Ballkontakte und spielte 49 Pässe, von denen 39 ankamen (80%). Vom Kicker bekam er die Note 4, die absolut gerechtfertigt ist, da er trotz großen Bemühens und guter Körpersprache ungewohnt viele Zweikämpfe verlor. Während er normaler Weise deutlich über 50% seiner Duelle für sich entscheiden kann, konnte er gegen die Gladbacher nur 8 von 28 Zweikämpfen gewinnen (28,57%). Am Gegentreffer war er zwar nicht beteiligt, aber von Julian Baumgartlinger darf man sich auf alle Fälle ein wenig mehr erwarten.

Nach der Winterpause trifft der 1. FSV Mainz 05 am 22.01.2012 auswärts auf Bayer Leverkusen.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger