In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,... Abseits.at-Leistungscheck, Saison 2011/12 (Teil 7) – Harnik torgefährlichster Mittelfeldspieler in der deutschen Bundesliga

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Zum Abschluss der Saison sehen wir uns die Leistungen jedes einzelnen Legionärs genau an und ziehen Bilanz. Diesmal analysieren wir die Werte von Martin Harnik, der eine fantastische Saison absolvierte und die deutsche Bundesliga mit seinen 17 Toren ordentlich aufmischte.

Beim SV Werder Bremen fragte man sich wohl einige Male in der abgelaufenen Saison, was da genau schief lief? Im Sommer 2010 verkaufte der Klub nämlich Martin Harnik um läppische 300.000€ Ablöse an den VfB Stuttgart – dabei hätten die Bremer einen Spieler seines Kalibers heuer gut gebrauchen können.

Torgefährlichster Mittelfeldspieler der deutschen Bundesliga

Doch selbst die größten Optimisten hätten es Martin Harnik wohl nicht zugetraut, dass er 17 Treffer in der Meisterschaft erzielen wird. Mit dieser Ausbeute hätte er in der österreichischen Bundesliga die beiden Führenden der Torschützenliste, Jantscher und Maierhofer, um drei Tore abgehängt. In der deutschen Bundesliga reichten die 17 Treffer zwar „nur“ zum siebenten Platz in der Torschützenliste, allerdings befindet sich kein anderer Mittelfeldspieler so weit vorne. Der Dortmunder Kagawa ist mit 13 Toren der zweitgefährlichste Mittelfeldakteur, Ribery und Robben trafen jeweils zwölf Mal.

Hier könnt ihr euch alle Tore ansehen (der Titel des Videos ist nicht ganz richtig, es waren „nur“ 17 Tore)

Effektiv

Neben den 17 Treffern steuerte er weitere acht Assists bei, womit er in der abgelaufenen Spielzeit auf großartige 25 Scorerpunkte kam. Für seine 17 Tore benötigte er bloß 62 Versuche, das heißt dass 27,4% seiner Schüsse im Tor landeten – eine hervorragende Quote! Zum Vergleich: Andreas Ivanschitz stand etwa nur halb so viele Minuten am Platz und schoss dennoch insgesamt einmal öfter aufs gegnerische Tor. Der Mainz-Spieler bezwang allerdings nur in 9% aller Fälle den gegnerischen Keeper.

Viel Spielzeit

Martin Harnik nahm an allen 34 Meisterschaftsspielen teil und stand ganze 33 Mal in der Startaufstellung. Insgesamt stand er 2782 Minuten lang am Platz, zwölf Mal wurde er vorzeitig ausgewechselt. Im Schnitt kam er auf 43,1 Ballkontakte pro 90 Minuten und gewann 41,4% aller Zweikämpfe. Diese beiden Statistiken sind auf alle Fälle noch ausbaufähig. Interessant ist, dass er 37 Mal gefoult wurde,  aber selbst 63 Fouls beging – für einen Offensiv-Spieler eine ungewöhnliche Bilanz. Im Schnitt gelangen Harnik 1,4 erfolgreiche Dribblings pro Partie, während  er 1,5 Mal mit dem Ball am Gegenspieler hängenblieb. Auch hier ist er weit effektiver als Ivanschitz, der 1,19 Mal pro 90 Minuten einen Gegner überspielte, aber doppelt so oft zweiter Sieger blieb. Harnik machte im Schnitt 1,7 Tacklings pro Partie und fing ebenso oft einen gegnerischen Pass ab. Überragend waren in dieser Saison wieder einmal seine Laufleistungen. Wenn er über die 90 Minuten spielte lief er so gut wie immer mehr als 12 Kilometer und absolvierte regelmäßig auch die meisten Aktionen im hohen Tempo.

Neun Tore in fünf Partien

Seine beste Phase hatte er im Februar 2012 als er in fünf Partien acht Tore erzielte. Nachdem er in den ersten beiden Spielen der Rückrunde gegen den FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach schwache Leistungen zeigte, setzte ihn Trainer Bruno Labbadia im darauffolgenden Spiel gegen Bayer Leverkusen auf die Ersatzbank. Der österreichische Nationalspieler wurde erst in der 76. Minute eingewechselt und erzielte 13 Minuten später den Ausgleich zum 2:2-Endstand. Danach war er nicht mehr zu stoppen und erzielte in den folgenden vier Meisterschaftsspielen acht Tore.

Schwierigkeiten hatte er in erster Linie gegen Mannschaften, die ihm auf seiner Seite nicht viel Platz ließen und ihn konsequent attackierten. Sobald er einige Meter Raum hatte und Tempo aufnahm erzeugte er immer brandgefährliche Aktionen. Einige Tore spielte er wirklich schön heraus, wobei besonders sein Treffer gegen den FC Augsburg heraussticht, denn wir hier genau analysiert haben.

Ein neuer lukrativer Vertrag

Schon vor seinem fantastischen Lauf im Februar verlängerte Martin Harnik seinen ursprünglich bis 2013 laufenden Vertrag um drei Jahre bis Sommer 2016. Finanziell spielt der Nationalspieler nun in einer anderen Liga, denn statt 800.000€ verdient er nun zwei Millionen Euro pro Jahr. Mit seiner starken Rückrunde bewies er, dass das Geld in ihn gut angelegt ist und er scherzte sogar, dass er erst nach seinem Run im Februar unterschreiben hätte sollen, da er seinen Marktwert mit den neun Toren sicherlich noch einmal steigern konnte. Natürlich meinte das der Offensivspieler nicht ernst – Harnik wollte unbedingt beim VfB Stuttgart verlängern und auch die Offiziellen äußerten sich absolut positiv über ihn. Manager Bobic bezeichnete ihn als Symbol des neuen Stuttgarter Wegs und sagte über ihn:

„„Martin ist einer unserer wichtigsten Torschützen und überzeugt auch im offensiven Mittelfeld. Er hat in seiner Zeit beim VfB eine gute Entwicklung gemacht und ist sowohl bei der Mannschaft und auch bei den Fans sehr beliebt.“   

Auch Trainer Labbadia zeigte sich erfreut, dass er lange mit Harnik planen darf:

„Wir freuen uns sehr über Martins Entscheidung. Das passt absolut in unser Konzept, dass sich ein Spieler für den VfB entscheidet, der sich hier durchgesetzt und entwickelt hat. Schön, dass er diesen Weg mit uns weitergehen möchte und vorzeitig verlängert hat.“

Fazit

Was für eine Saison! Harnik avancierte in Stuttgart zum absoluten Leistungsspieler und überzeugte mit seiner Kaltschnäuzigkeit und Effektivität vorm gegnerischen Tor. Leider verletzte er sich beim letzten Meisterschaftsspiel gegen den VfL Wolfsburg. Nach einem Schlag auf den linken äußeren Unterschenkel entzündete sich eine Wunde, die Mannschaftsarzt Raymond Best operativ öffnen musste um den Abszess zu entfernen, weshalb Harnik auch für die beiden ÖFB-Freundschaftsspiele gegen die Ukraine und Rumänien absagen musste. Ein kleiner Wermutstropfen am Ende einer fast perfekten Saison, die Martin Harnik im kommenden Jahr nur schwer toppen wird können. Wir ziehen jedenfalls den Hut vor dem torgefährlichsten Mittelfeldspieler der deutschen Bundesliga!

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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