Eins gleich vorweg: Auch wenn es in diesem Jahr noch möglich wäre, wird der Hamburger SV wohl diesmal keine Abstiegssorgen bekommen. Nach zwei Jahren... Abstiegskampf deluxe – Wen erwischt es in Deutschland?

BundesligaEins gleich vorweg: Auch wenn es in diesem Jahr noch möglich wäre, wird der Hamburger SV wohl diesmal keine Abstiegssorgen bekommen. Nach zwei Jahren Relegation, scheint es in diesem Jahr ohne Extraspiele mit dem Verbleib in der obersten Spielklasse zu klappen. Gefährlicher sieht es da schon für den Hansestadt-Rivalen Werder Bremen aus. Die Grün-Weißen befinden sich mit gerade einmal drei Punkten Vorsprung auf die letzten Plätze in akuter Abstiegsgefahr. Auf Trainer Viktor Skripnik kommen wohl noch nervenaufreibende Spieltage zu.

Hannover kaum noch zu retten

Ganz düster sieht es dagegen für Hannover 96 aus. In der Winterpause ersetzte Thomas Schaaf den glücklosen Michael Frontzeck auf der Bank der Niedersachsen. Doch auch er konnte die Talfahrt der Hannoveraner nicht stoppen. Drei Punkte und vier Tore in neun Rückrundenspielen sind definitiv zu wenig, da hilft auch der überraschende 2:1-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart nichts. Auch Stürmer Hugo Almeida, im Winter als absoluter Wunschspieler von Trainer Schaaf geholt, konnte nicht überzeugen und erzielte gerade einmal ein Tor. Die Talfahrt scheint nicht zu stoppen zu sein. Im Jahr 2011 noch der sensationelle 4. Platz in der Endtabelle, wird es von Jahr zu Jahr dunkler bei den 96ern. In den Folgejahren ging es stetig bergab, die Plätze 7, 9, 10 und 13 verdeutlichen dies besonders. Der Abstieg in die 2. Bundesliga wird kaum noch zu verhindern sein, bereits jetzt sind es 7 bzw. 10 Punkte bis zum rettenden Ufer. In der Vorsaison reichten dem HSV 35 Punkte für den Relegationsplatz, 18 Punkte mehr als Hannover derzeit auf dem Konto hat. Da kommt am Wochenende mit Frankfurt vielleicht genau der richtige Gegner in die HDI-Arena.

Hoffenheims Tendenz zeigt nach oben

Besser sieht es da in Hoffenheim aus. Die SAP-Mannschaft konnte elf Punkte in neun Spielen verbuchen, gerade einmal zwei Punkte weniger als in 17 Spielen der kompletten Hinrunde. Nach dem überraschenden, gesundheitlichen Rücktritt von Huub Stevens, installierte Hoffenheim mit dem 28-jährigen Co-Trainer Julian Nagelsmann den jüngsten Trainer der Bundesliga-Geschichte auf der Trainerbank. Seit dem präsentiert sich die Mannschaft aus Sinsheim in stark verbesserter Form und wird bei gleichbleibender Leistung wohl auch den Abstieg hinter sich lassen. Dafür müssen sie aber auch noch den schweren Auswärts-Gang nach Frankfurt und Hannover antreten, zwei direkte Konkurrenten um die Nicht-Abstiegsplätze. Bei der Auswärtsschwäche der Hoffenheimer, die bisher nur einen einzigen Auswärtssieg in dieser Saison feiern konnten (3:1 in Augsburg), jedoch auch keine leichte Aufgabe.

Frankfurt desolat

Akut gefährdet ist auch die Eintracht aus Frankfurt. 2014 noch als Europa-Leagu- Teilnehmer nur aufgrund der Auswärtstorregel am FC Porto gescheitert, steckt Frankfurt immer mehr in der Krise. Mit Niko Kovac als Cheftrainer (er ersetzte Armin Veh), und seinem Bruder Robert als Co, muss der Umschwung irgendwie geschafft werden, jedoch wird dies sehr schwierig, da sich die Eintracht im ersten Spiel unter Kovac beim 0:3 in Mönchengladbach in desolater Form präsentierte. Selbst der sonst so starke finnische Nationaltorhüter Hradecky (der die komplette Saison den klaren Vorzug gegenüber Heinz Lindner erhielt) ließ sich davon anstecken und produzierte bei allen drei Toren fürchterliche Schnitzer. Es sind zwar nur drei Punkte bis ans rettende Ufer, dafür muss sich die Mannschaft aber stark verbessern. Viel Zeit dafür bleibt Niko Kovac nicht. Schon gar nicht wenn die restlichen Gegner Borussia Dortmund, FC Bayern München, Bayer Leverkusen und Mainz 05 heißen.

Quo vadis, Werder Bremen?

Eine der erfolgreichsten Mannschaften der 90er-Jahre, Werder Bremen, ist ebenfalls in dieser Saison von Krisen geschüttelt. Mit 53 Gegentoren in der aktuellen Spielzeit (die meisten aller aktuellen Bundesliga-Mannschaften), ist dies aber auch kein Wunder. Ganz vorne gibt es den 37-jährigen Pizarro, der in den letzten Wochen immer wieder für wichtige Tore der Werderaner sorgte und mit elf Toren auch Topscorer der Bremer ist. Doch der Peruaner ist aufgrund einer Verletzung nun auch noch fraglich. Zum Glück gibt es noch den Nigerianer Anthony Ujah, der mit neun Saisontoren mithalten kann. Für mächtigen Gesprächsstoff sorgte dann auch noch die Diskussionen über das Gelb-Geständnis von Zlatko Junuzovic und Kapitän Clemens Fritz – ebenfalls nicht unbedingt gute Vorzeichen für einen hochkonzentrierten Abstiegskampf. Bei den Bremern sieht das Restprogramm auch nicht nach einer „gmahten Wiesn“ aus: Dortmund, Mainz, Wolfsburg und Stuttgart warten! Dazu noch am allerletzten Spieltag das Aufeinandertreffen mit der Eintracht aus Frankfurt, dies könnte der absolute Showdown werden. Für Bremen bleibt zu hoffen, dass man bis dahin bereits den Verbleib in Liga 1 verbuchen konnte.

Augsburg ebenfalls gefährdet

Beim FC Augsburg sieht es nach zwei extrem starken Saisonen, die man mit dem 5. und 8. Platz beenden konnte, in der Bundesliga ebenfalls nicht mehr sehr rosig aus. Starke Auftritte in der Europa League, mit denen man sogar die Gruppenphase überstehen konnte und nur an Klopps Liverpool im Sechzehntel-Finale knapp mit einem einzigen Gegentor scheiterte, stehen gerade einmal drei Punkte Vorsprung auf den Relegationplatz gegenüber. Ein 2:2 gegen Mönchengladbach und ein 3:3 gegen Leverkusen, wie auch das Scheitern an Liverpool, welches die volle Konzentration auf die Liga verspricht, machen zwar Hoffnung, sind aber auf keinen Fall ein Ruhepolster. Und da wäre auch noch die Aufholjagd gegen den direkten Konkurrenten Darmstadt vom Wochenende. Einen 0:2-Rückstand konnte man noch ausgleichen, die Moral in der Weinzierl-Mannschaft stimmt also auf jeden Fall. Leichter wird es aber auf keinen Fall, warten doch als nächstes Dortmund und Mainz auf die Augsburger. Mit dem Südkoreaner Ja-Cheol Koo steht zwar kein Knipser wie Sandro Wagner im Kader, mit sieben Toren kann sich aber auch seine Statistik für einen Mittelfeldspieler sehen lassen. Ein torgefährlicher Stürmer ist mit Bobadilla hingegen verletzt. Mit 32 Toren, ist man aber auch hinter Bremen (35) die torgefährlichste Mannschaft, die sich im Abstiegskampf befindet.

Aufsteiger Darmstadt kann überraschen

Die Mannschaft mit dem kleinsten Budget, hält sich überraschend gut in der Bundesliga. Ein Team, das im geschätzten Gesamtwert so viel wert ist wie ein Thiago beim FC Bayern alleine, muss zwar genauso wie Augsburg zittern, spielt aber bereits seit Beginn der Saison weit über den Erwartungen. Alles andere als ein Abstieg wäre eine Überraschung gewesen und so wie es scheint, kann es auch genau zu dieser führen. Unter Trainer Dirk Schuster gelang der Durchmarsch von Liga 3 in die 1. Bundesliga. Entscheidend könnte am drittletzten Spieltag das Aufeinandertreffen mit Eintracht Frankfurt im eigenen Stadion werden. Als Favorit startet die Mannschaft von Deutschland-Legionär György Garics sowieso in kaum ein Match, bei Gegnern wie Mönchengladbach und Hertha BSC an den letzten beiden Spieltagen, aber auch dem Aufeinandertreffen mit Stuttgart am 28.Spieltag, könnten sich die Lilien jedoch durchaus ein leichteres Restprogramm vorstellen. Mit Sandro Wagner, hat man jedoch ein torgefährliches Ass im Ärmel, ein Ass, welches am Ende den Unterschied ausmachen könnte.

Gesichert oder doch in Gefahr?

Dann gäbe es da noch Peter Stögers 1.FC Köln, Hasenhüttls FC Ingolstadt, Harniks VfB Stuttgart und das Gregoritsch-Team, den Hamburger SV. Vier Mannschaften die noch in den Abstiegskampf treten könnten, jedoch schon mindestens sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz haben. Es ist nicht unbedingt davon auszugehen, dass eines dieser Teams noch in Gefahr kommen sollte, auszuschließen ist aber natürlich nichts im Fußball. Man darf sich eben nie zu sicher sein. Der Abstiegskampf in Deutschland bleibt auf jeden Fall sehr spannend, für einige Bundesliga-Stammkräfte könnten jedoch bald die Lichter ausgehen.

Michael Smolka, abseits.at

Michael Smolka

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