Der alljährliche Supercup in Deutschland fand am Sonntagabend in Frankfurt statt, wo der Pokalsieger Eintracht auf seinen Ex-Trainer Niko Kovac traf. Kovac gab seinen... Analyse: Kovac schlägt Hütters Eintracht im Supercup

Der alljährliche Supercup in Deutschland fand am Sonntagabend in Frankfurt statt, wo der Pokalsieger Eintracht auf seinen Ex-Trainer Niko Kovac traf. Kovac gab seinen Einstand für den deutschen Rekordmeister Bayern München. In einer sehr einseitigen Partie waren die Bayern die effizientere Mannschaft und besiegten die Eintracht von Adi Hütter ohne eine herausragende Leistung zu zeigen mit 5:0.

Dabei konnte man kleinere Änderungen im Vergleich zur Amtsperiode von Jupp Heynckes beim FC Bayern erkennen. Das Grundgerüst blieb aber dasselbe. Alles in allem wartet jedoch noch sehr viel Arbeit auf Niko Kovac.

Flexible Flügelbesetzung

Franck Ribery und Arjen Robben bilden seit nun neun Jahren eine der gefährlichsten Flügelzangen Europas und prägten das Münchner Spiel in dieser Zeit. Beiden Akteuren merkt man aber mittlerweile das fortgeschrittene Alter an. Es fehlt an der Spritzigkeit, Dynamik und dem Tempo, um an die alten Glanzvorstellungen anknüpfen zu .

Doch weiterhin liegt der Fokus auf dem Flügelspiel. Im Vergleich zu Vorgänger Jupp Heynckes veränderte Niko Kovac nicht sonderlich viel an diesem Ansatz. Weiterhin setzt man auf Halbraumüberladungen und viele Flanken. Einzig wirkt die Besetzung des Flügels flexibler als noch unter dem Triple-Trainer.

So kippte Müller auf der rechten Seite häufig nach außen ab und gab die Breite und nicht etwa Kimmich, der etwas zurückhaltender aus dem Halbraum agierte. Arjen Robben fand sich zumeist zwischen dem Halbverteidiger und dem Außenverteidiger der Eintracht wieder. Das Team von Adi Hütter versuchte defensiv die Münchner mit einer Fünferkette zu stoppen, sah dabei aber noch sehr schlecht organisiert aus.

Das Dreieck Müller-Kimmich-Robben besetzte flexibel die Positionen. Teilweise agierte Robben aus einer breiteren Position, Joshua Kimmich fand sich ganz selten im offensiven Halbraum wieder, Müller sicherte dann halbrechts ab. Darüber hinaus wurden die Flügel vereinzelt doppelt besetzt. Dann befanden sich Kimmich und Robben in einer breiten Position während Müller den Halbraum besetzte.

Robben und Müller agierten wechselhaft als weitere Stürmer. Gerade Arjen Robben schob wie bereits angesprochen häufiger ins Zentrum, wenn sich Robert Lewandowski etwas fallen ließ. Doch auch Thomas Müller konnte sich zur Unterstützung des Polens nach vorne bewegen.

Das ursprüngliche Ziel war wohl den Halbraum zu überladen und von dort ins Zentrum zu gelangen. Allerdings wirkte hier das bayrische Bewegungsspiel noch sehr chaotisch und war selten perfekt aufeinander abgestimmt. Darüber hinaus fehlte es den Münchnern am nötigen Tempo, um das schwache Pressing der Hessen zu durchbrechen. So mussten die Münchner wieder zu altbewährten Mitteln greifen, Flanken. Eine der ersten guten Flanken landete dann auf dem Kopf von Lewandowski der zur Führung einnicken konnte.

Mehr Spielstärke auf links

Auf der linken Seite sah die Aufteilung etwas anders aus, was auch mit den dort aktiven Akteuren zusammenhing. Mit Thiago und Ribery agierten auf der linken Seite zwei Spieler, die eher weniger auf vertikale Durchschlagskraft setzen, sondern durch Kombinationen in engen Räumen für Gefahr sorgen wollen. Unterstützt wurden die beiden von David Alaba, der vor seiner Verletzung eine wirklich starke Partie ablieferte. Der österreichische Nationalspieler zog sich eine schwere Prellung des linken Kniegelenks zu, eine Verletzung der Bänder kann ausgeschlossen werden.

Auf der linken Seite besetzte Ribery meist den offensiven Halbraum, konnte aber auch breiter agieren.  Nur vereinzelt rückte der Franzose wie Arjen Robben mit in die letzte Angriffslinie. Effektiv konnte Ribery nur selten werden. Aus dem Halbraum heraus gelang dem Franzosen recht wenig und über die Außenbahn traf er schlechte Entscheidungen. Seine Versuche den Ball am Gegner vorbeizulegen scheiterten regelmäßig, auch weil dem früheren Flügelflitzer mittlerweile das Tempo fehlt.

Thiago hingegen zeigte eine gute Leistung und gehörte zu den auffälligsten Akteuren beim Rekordmeister. Zu Beginn agierte der Spanier noch etwas höher. Durch die Probleme von Javi Martinez im Spielaufbau kippte er im Laufe der Partie häufiger in den linken tieferen Halbraum ab. Regelmäßig konnte man beobachten, wie sich der Spanier direkt zwischen Frankfurts Stürmer und Flügelspieler anbot. Vereinzelt kippte er auch nach links ab, David Alaba passte entsprechend seine Position an. Aus dieser tieferen Position kurbelte Thiago das Spiel der Münchner an und versuchte mit geschickten Pässen das Pressing zu überspielen. Aufgrund der unzureichenden Positionierungen seiner Mitspieler war auch dies selten von Erfolg geprägt.

Alaba hingegen besetzte die freigelassene Position in diesem Dreieck. Gegen die Eintracht fand er sich in einer tieferen, meist absichernden Rolle wieder und stieß nur selten bis zur Grundlinie vor. Im Vergleich zu seinem Pendant auf der anderen Seite blieb Alaba zumeist näher an der Außenlinie und gab die Breite. Einzig, beim 4:0 überluden die Bayern geschickt die linke Seite und konnten den vorderlaufenden Alaba finden. Dessen präzise Flanke fand Kingsley Coman am langen Pfosten.

Fehlende Balance und chaotische Raumaufteilung

Nicht nur wegen fehlendem Tempo oder mangelnder Kreativität kamen die Bayern in der ersten Hälfte eigentlich nur zu zwei nennenswerten Chancen. Große Probleme bereitete den Münchnern die fehlende Balance und passende Raumaufteilung in Ballbesitz. Im Vergleich zu Vorgänger Jupp Heynckes scheint Niko Kovac weniger Richtlinien in Ballbesitz implementiert zu haben. Die Positionierungen der Münchner Mittelfeldakteure passte nicht immer zusammen.

So standen Thiago und Ribery sich teilweise gegenseitig auf den Füßen oder so nah beieinander, dass Frankfurt den Raum recht einfach schließen konnte. Auch auf der rechten Seite sah man vereinzelt das Problem, dass Müller Kimmich und Robben nicht verbinden konnte, wenn beide breit standen, da die Abstände nicht passten. Auch Lewandowskis abkippen oder sein Anbieten im Halbraum für eine diagonale Verlagerung wurden nur selten perfekt eingebunden.

Oftmals scheiterten die Bayern in der Offensive an mangelnden Anspielstationen ins Zentrum, weder war der Zehnerraum dauerhaft besetzt noch war Javi Martinez eine wesentliche Unterstützung im Kombinationsspiel. Den Bayern blieb so nichts anderes übrig als über die Innenverteidiger zu verlagern. Dies dauert aber wesentlich länger und gibt dem Gegner mehr Zeit sich neu zu formieren.

Auf Niko Kovac wartet hier noch jede Menge Arbeit. Die flexible Besetzung der Außenbahn und des Halbraums könnte das Flügelspiel im Laufe der Saison verbessern und variantenreicher machen. Gerade Pässe hinter die letzte Linie auf einen startenden Flügelspieler oder diagonale Zuspiele ins Zentrum würden das Münchner Angriffsspiel weniger eindimensional wirken lassen. Jedoch muss dafür die Raumaufteilung und Kommunikation zwischen den Akteuren besser sein.

Fazit

Gegen eine wirklich schwache Eintracht aus Frankfurt zeigten die Bayern eine ordentliche Leistung, glänzten aber sehr selten. In der Defensive wirkte der Rekordmeister nicht immer kompakt und auch offensiv wartet noch Arbeit. Niko Kovac versucht offenbar über eine flexiblere Besetzung des Halbraums das Angriffsspiel des FC Bayern zu erweitern. Die ungenaue Positionierung verhinderte allerdings, dass die Bayern sich reihenweise Chancen erspielten. Effizient hingegen waren sie, etwas was den Bayern letzte Saison in der Champions League fehlte.

Tobias Hahn, abseits.at

Tobias Hahn