Um die Zukunft in deutschen Tor muss man sich augenscheinlich keine Sorgen machen. Die beiden Teenager Bernd Leno und Marc-Andre ter Stegen (beide 19...

Um die Zukunft in deutschen Tor muss man sich augenscheinlich keine Sorgen machen. Die beiden Teenager Bernd Leno und Marc-Andre ter Stegen (beide 19 Jahre alt) haben die Bundesliga in kürzester Zeit im Sturm erobert. Doch wer von beiden könnte wirklich einmal Manuel Neuer beerben?

Trotz ihres jungen Alters verbindet die beiden Talente schon eine längere Rivalität. Beide galten früh als die beiden Besten ihres Jahrgangs und wurden mit der deutschen U-17-Auswahl 2008 Europameister. Marc-Andre ter Stegen konnte sich damals gegen Leno durchsetzen und führte Deutschland als Nummer eins zum Titel. Den Youngstern wurde in dieser Zeit nicht das beste Verhältnis nachgesagt, was unter Torhütern sicherlich keine Ausnahme ist, wenn man sich beispielsweise den Konkurrenzkampf zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann ins Gedächtnis ruft.

Der Weg zum Bundesligatorhüter

Der Weg bis zum Debüt in der Bundesliga hätte für die beiden Torhüter nicht unterschiedlicher verlaufen können. Marc-Andre ter Stegen machte seine ersten fußballerischen Schritte in seiner Geburtsstadt Mönchengladbach und durchlief bei der Borussia alle Jugendmannschaften. Seinen ersten Profivertrag bei den „Fohlen“ unterzeichnete er 2009. Nachdem weder Christofer Heimeroth noch der Belgier Logan Bailly in der letzten Saison überzeugen konnten und Gladbach scheinbar unaufhaltsam der zweiten Liga entgegen schlingerte, wagte Neo-Trainer Lucien Favre den mutigen Schritt, dem damals 18-Jährigen das Vertrauen zu schenken. Es sollte sich auszahlen, denn auch dank ter Stegen konnte  Gladbach die Klasse tatsächlich noch halten und steht in dieser Saison nach dem elften Spieltag auf Platz fünf. Zudem hat sich die Abwehr zu einer der besten der Liga gemausert, woran ter Stegen einen mehr als erheblichen Anteil hat. Kein Wunder das in Gladbach alles dafür wird, den Vertrag des 19-jährigen vorzeitig bis 2016 zu verlängern. Seine Bereitschaft dazu hat ter Stegen bereits signalisiert.

Etwas anders verhält es sich im Fall von Bernd Leno. Dessen Zukunft ist derzeit mehr als ungewiss, da bisher nicht absehbar scheint, ob er denn nun in Leverkusen bleibt oder doch zum VfB Stuttgart zurückkehrt. Bevor Leno 2003 zu den Schwaben wechselte, spielte er bei seinem  Heimatverein SV Germania Bietigheim. In Stuttgart wurde Leno 2008/09 deutscher B-Jugendmeister. Vor dieser Saison stieg er zur Nummer zwei hinter Sven Ulreich auf und nicht nur im „Ländle“ war man sich sicher, dass hier der zukünftige Stammtorhüter heranwächst. Ausgerechnet das Missgeschick eines anderen Vereins machte diese schönen Planungen zunichte. In der Sommerpause verletzte sich Leverkusens Rene Adler so schwer, dass die Befürchtung am Rhein groß war, dass Deutschlands Nummer zwei in diesem Jahr wohl kein Spiel mehr absolvieren wird. Die beiden Ersatzkeeper David Yelldell und Fabian Giefer konnten Adler in den ersten Spielen nicht ansatzweise ersetzen, also mussten sich Trainer Robin Dutt und Manager Rudi Völler Gedanken machen. Der ursprüngliche Plan lautete daher, sich einen Torhüter zu holen, der Adler nach dessen Rückkehr keine Konkurrenz macht. Ein etablierter und erfahrener Torhüter, wie z.B. Timo Hildebrand entsprach nicht diesem Profil, so setzte Leverkusen überraschenderweise auf das Torhüter-Talent Bernd Leno und lieh ihn bis zum Ende der Hinserie aus. Dessen Leistungen jedoch machten allen Beteiligten einen dicken Strich durch die Rechnung. Leverkusen möchte Leno nun doch mindestens bis zum Ende der Saison ausleihen und hat auch schon in Richtung einer festen Verpflichtung vorgefühlt. Der VfB rückt bisher aber noch nicht von seinen Planungen ab, die eine Rückkehr Lenos zum Ende der Hinrunde und einen Zweikampf mit Sven Ulreich in der Winterpause vorsehen.  Leno selbst hat in den letzten Wochen mehrmals, sehr zum Ärgernis der Stuttgarter, über die Presse verlautbaren lassen, dass er in Leverkusen bleiben möchte. Das Ende dieser Geschichte ist also mehr als offen.

Bernd Leno und Marc-Andre ter Stegen im Vergleich

So unterschiedlich der bisherige Werdegang ist, so ähnlich ist das Torwartspiel der 19-jährigen. Beide zeichnet eine unglaubliche Ruhe und Abgeklärtheit aus, die für dieses Alter nicht selbstverständlich ist. Ter Stegen hat sicherlich den Vorteil, dass er schon durch das Stahlbad Abstiegskampf gegangen ist und aufgrund dessen schon als Debütant einem maximalen Druck ausgesetzt war. Dass er seine Leistungen aus der Vorsaison bisher bestätigen konnte, ist ein klares Indiz dafür, welch herausragendes Talent in Gladbach heranwächst. Bernd Leno kann eine derartige Erfahrung noch nicht vorweisen, jedoch spielt er mit Leverkusen Champions League und hat seinen Mann bereits in Chelsea an der Stamford Bridge gestanden, was wohl wenige 19-jährige von sich behaupten können. Seinen Fehler letzten Dienstag gegen Valencia sollte nicht zu dramatisch bewerten werden.

In der kicker-Notenstatistik liegt ter Stegen in der Bundesliga mit einem Schnitt von 2,68 knapp vor Leno, der einen Schnitt von 2,70 aufweist. Der Gladbacher ist damit auch der nach Noten gesehen beste Keeper der bisherigen Saison. Sensationell ist jedoch Lenos Champions-League-Schnitt von 1,83 (!), wodurch klar wird, warum Leverkusen Leno halten möchte. Trotzdem wirkt ter Stegen in seinem Spiel etwas reifer als Leno, was sich vor allem auch in einer lautstarken und selbstbewussten Abwehrorganisation äußert, die teilweise an den jungen Oliver Kahn erinnert, nur mit der Ausnahme, dass ter Stegen die deutlich besseren fußballerischen Fähigkeiten aufweist.

Zudem liegt ter Stegen auch in der Statistik der abgewehrten Torschüsse vor Leno. Dieser konnte bisher nur 69,2 Prozent abwehren, während ter Stegen auf starke 81,8 Prozent kommt. Zusätzlich konnte der Gladbacher neun Großchancen verhindern, während Leno dies nur sechsmal gelang. Der Leverkusener musste außerdem bereits zwölfmal hinter sich greifen, ter Stegen hingegen nur achtmal.

Die Zahlen und Erfahrung sprechen also vorerst für Marc-Andre ter Stegen. Eine langfristige Prognose abzugeben ist sicherlich, das hat nicht nur der Fall Adler gezeigt, sehr schwierig.

Ral, abseits.at

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