Der 1. FC Köln und sein Manager Jörg Schmadtke gehen ab sofort getrennte Wege. Nun ist es also doch passiert: mit anerkennenden Erstaunen blickte... Das Ende einer Ära: Jörg Schmadtke schmeißt hin

Der 1. FC Köln und sein Manager Jörg Schmadtke gehen ab sofort getrennte Wege.

Nun ist es also doch passiert: mit anerkennenden Erstaunen blickte die deutsche Bundesliga in den letzten Woche nach Köln. Dort entzog man sich trotz der aktuell prekären Tabellensituation der üblichen Mechanismen und sah von personellen Schnellschüssen ab. Nichts deutete daraufhin, dass sich daran sobald etwas ändern würde. Umso überraschender kam dann Anfang dieser Woche die Nachricht: Jörg Schmadtke und der „Effzeh“ haben sich – angeblich im gegenseitigen Einvernehmen – getrennt.

Schmadtke wollte nach eigener Aussage „den Weg für neue Impulse freimachen.“ Gemeinsam mit Trainer Peter Stöger war Schmadtke das Gesicht der Renaissance des Traditionsvereins. Mit dem immer so wohltuend unaufgeregt wirkenden Duo gelang 2014 die Rückkehr in die Bundesliga, wo sich Köln etablieren und in der letzten Saison sogar die Europa League erreichen konnte. Derzeit will es sportlich aber einfach nicht laufen. Köln belegt den letzten Platz der Tabelle, mit einem desaströsen Torverhältnis von 3:17. Trotzdem stellte sich Schmadtke zuletzt immer wieder demonstrativ hinter seinen Trainer. Wie viele andere ist er der Meinung, dass es für den Verein keinen besseren Trainer als Stöger gibt.

Das gleiche gilt aber auch für den Manager Schmadtke. Mit klugen Entscheidungen – immerhin war es Schmadtke, der Stöger nach Köln holte – sorgte er dafür, dass sich aus einem Chaosverein ein solider Bundesligist entwickelte. Etwas, das man ihm gar nicht hoch genug anrechnen kann. Manche Fans des Klubs schienen dies angesichts der momentanen Schieflage aber vergessen zu haben – die Kritik an Schmadtke mehrte sich in den letzten Wochen.

Im Zentrum stand dabei seine angeblich verfehlte Transferpolitik im Sommer. Stand jetzt kann man jedenfalls sagen, dass der teure Einkauf von Jhon Cordoba, der als Ersatz für den letztes Jahr so treffsicheren Anthony Modeste geholt wurde, sich bisher nicht ausgezahlt hat. Bereits in Mainz war Cordoba nicht gerade durch eine überragende Torquote aufgefallen. Doch für einen Verein der Kategorie Köln ist es nicht einfach, einen leistbaren Stürmer zu finden, der 20 Tore pro Saison garantiert. Daher müssen kreative Lösungen her, die nicht selten mit einem gewissen Risiko behaftet sind. Stöger und Schmadtke sahen Potenzial in Cordoba – bislang hat es aber eben nicht funktioniert. Für eine abschließende Beurteilung ist es aber noch viel zu früh. Bei anderen Optionen, wie etwa Hoffenheims Mark Uth, ließ sich ein Transfer nicht finalisieren.

Kölns Präsident Werner Spinner sprach im Zuge der Trennung davon, dass es einen Dissens ob der zukünftigen Ausrichtung des Vereins gab. Was sich genau hinter dieser schwammigen Aussage verbirgt, ist unklar. Mit Vermutungen soll man ja vorsichtig sein, aber Schmadtke hatte sich bei seinen vorherigen Stationen Alemannia Aachen und Hannover 96 durch eine gewisse Kompromisslosigkeit ausgezeichnet – wer seinen Weg nicht mitgehen sollte, durfte gehen. Oder Schmadtke ging eben selbst, wenn er spürte, nicht mehr weiter zu kommen. Denkbar ist, dass sich auch innerhalb des Vereins Stimmen regten, die Schmadtke zum Alleinschuldigen an der Misere deklarieren wollten. Eine selbstbewusste Persönlichkeit wie Schmadtke lässt sich dies aber nicht einfach gefallen.

Es hat schon etwas von einem Treppenwitz, dass nun genau die Person den Verein verlässt, die bis dato von übereilten Personalentscheidungen abgesehen hatte. Für Köln ist der Weggang von Schmadtke schlichtweg eine Katastrophe. Im Winter wollte der Klub den Kader durch Transfers auffrischen; nun muss man erst einmal jemanden finden, der diese umsetzt. Zumal es schwierig bis unmöglich werden könnte, einen fähigeren Manager als Schmadtke zu finden. Was dies alles für die Zukunft von Peter Stöger in Köln bedeutet, wird sich noch herausstellen.

Die positive Entwicklung der letzten Jahre hat somit – um es freundlich auszudrücken – einen herben Dämpfer erfahren. Und das nur wenige Monate nach dem Erreichen des größten Erfolgs der letzten Jahrzehnte. Fußball – und jede andere Sportart – kann  manchmal eben grausam sein.

Ral, abseits.at

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