Nachdem der FC Bayern München das Triple errang, verpflichteten sie mit Pep Guardiola den begehrtesten Fußballtrainer der Welt. Zudem wurde die Mannschaft durch zwei... Der FC Bayern unter Pep Guardiola – Die Hinrunde (1)

Pep Guardiola (FC Bayern München)Nachdem der FC Bayern München das Triple errang, verpflichteten sie mit Pep Guardiola den begehrtesten Fußballtrainer der Welt. Zudem wurde die Mannschaft durch zwei Toptransfers veredelt. Zusammen verwirklichen sie das im Moment womöglich interessanteste Projekt im Fußball.

Am 25. Mai stemmte Philipp Lahm die Trophäe der Champions League in die Höhe. Damit erfüllte sich, nach dem Trauma des Finales in der eigenen Arena, doch noch der lang gehegte Traum der Spieler. Nun befürchteten die Anhänger, dass die befriedigte Mannschaft nicht mehr genug Ehrgeiz entwickeln könnte. Dieses Problem spaltete die Fans in zwei Lager. Ihre kontroversen Diskussionen entarteten letztlich zu einem Duell der Phrasen. „Never change a winning team“ trat an gegen „Stillstand ist Rückschritt„. Guardiola beherzigte letztere Maxime, obgleich er, getreu dem Motto „Evolution statt Revolution„, seine Innovationen auf der vorhandenen Grundlage aufbaute.

Neuer Stil – aber sofort gute Ergebnisse notwendig

Um seine Philosophie umzusetzen, wechselte Guardiola zu einem 4-1-4-1-System, das sich in Ballbesitz eher als 4-3-3 entpuppte. Die schematische Aufstellung sollte aber zukünftig an Bedeutung einbüßen, um Platz für schwarmartige Balljagd im Pressing und fluide Rochaden in der Offensive zu machen. Guardiola und Sportdirektor Sammer betonten, dass es Zeit in Anspruch nehmen würde, diesen Spielstil zu kultivieren. Anderseits war sich Guardiola dessen bewusst, dass die Resultate von Anfang an stimmen mussten. Niemand zweifelte daran, dass im Falle eines unbefriedigenden Auftakts selbst Guardiola rasch heftige Kritik entgegenwehen würde, da die letzte Saison die Erwartungen exorbitant ansteigen ließ.

Defensiv nicht immer sattelfest

Mit diesen Vorzeichen vor Augen bestritt der FC Bayern das erste Pflichtspiel gegen den Rivalen aus Dortmund. Dieses Spiel nährte die Unkenrufe der Kritiker. Mit Shaqiri als „falscher Neun“ konnten sie nicht genug Durchschlagskraft erzeugen, aber ins Zentrum der Kritik geriet die Defensive, die oft wankte und viermal stürzte. Der BVB schlug durch rasante und präzise Angriffe Kapital aus dem riesigen Raum hinter der Viererreihe im Mittelfeld. Weder rudimentäres Rückwärtspressing noch die individuell guten Verteidiger konnten die Anfälligkeit kaschieren, wenngleich man ihnen zugutehalten sollte, dass sie auf viele Leistungsträger verzichten mussten.

Gladbach markiert erstmals Bayern-Probleme

Zum Bundesligaauftakt duellierte sich der FC Bayern mit Gladbach. Obwohl der FCB 3:1 siegte, bereitete die Borussia dem FCB Probleme. Die Offensive präsentierte sich in blendender Frühform, was zu schönen Toren führte. Allerdings ließ die Defensive einiges zu. Der Zweiersturm, Raffael und Kruse, bewegte sich viel, wich auf die Flügel aus und entzog sich somit dem Zugriff der Verteidigung. Mit dem einen Gegentor war der FCB gut bedient.

Minimalistisch in der Liga, glücklich im europäischen Supercup

In den folgenden Bundesligapartien stabilisierte sich die Defensive jedoch. Im Pressing gelang es nun schneller, auf die gegnerischen Abwehrleute zuzugreifen. Dafür funktionierte die Offensive nicht optimal. Gegen Frankfurt gewann der FCB 1:0 und Nürnberg musste sich nach einer regelrechten Abwehrschlacht mit 2:0 geschlagen geben, doch Freiburg rettete mit einem 1:1 als erstes Team einen Punkt gegen die bayrische Übermacht. Anschließend reiste der FCB nach Prag, um den europäischen Supercup gegen Chelsea zu erringen. Lahm, der vorher bereits im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde, durfte jetzt sogar die Position des „Sechsers“ bekleiden. In der ersten Halbzeit plagte sich der Rekordmeister mit der konterstarken Sturmreihe Chelseas. Denn sie bestach nicht nur durch ihre Schnelligkeit, sondern auch durch technische Finesse, wodurch sie sich zu oft aus dem Pressing befreiten. Durch eine Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte und das nötige Glück im Elfmeterschießen gewannen die Bayern dennoch den ersten Saisontitel.

Bayern wird stärker

Nach diesem Erfolg stieg die Form weiter an. Nachdem Guardiola den Fokus auf die Defensive gelegt hatte, was sich gegen die meisten Kontrahenten auszahlte, kam nun auch die Offensive auf Touren. Hannover wurde mit 2:0 und im DFB-Pokal mit 4:1 nach Hause geschickt, ZSKA Moskau verlor 0:3. Die bis dato beste Leistung zeigte der FCB jedoch beim 4:0-Erfolg gegen Schalke. Die Außenverteidiger rückten extrem weit ins Zentrum, um Überzahl zu schaffen, das Gegenpressing zu intensivieren und vor allem Lahm, im nominell defensiven Mittelfeld, höher zu schieben. Gegen Chelsea hatte er noch Probleme mit seiner neuen Rolle, aber da er jetzt teilweise durch die Außenverteidiger abgesichert wurde, konnte er aktiver agieren und seine Antizipation einbringen. Dadurch eroberte Bayern den Ball schnell zurück, sobald sie ihn, trotz ihrer Dominanz, mal verloren hatten.

Beeindruckender Sieg bei Manchester City

Das Highlight der Hinrunde ereignete sich bei Manchester City. Der englische Vizemeister hatte den Passstafetten des deutschen Rekordmeisters nichts entgegenzusetzen. Spielend überwanden sie die erste Pressinglinie aus den beiden Stürmern, aus diesem Raum konstruierten sie anschließend ihre Angriffe. Citys inkompaktes Pressing sowie Bayerns Mittelfeldwirbel, in dem sich das das ganze Potential der zentralen Außenverteidiger offenbarte, genügten für einen souveränen Sieg. Die Passstafetten, die City zeitweise wie einen Spielball der bayrischen Dominanz wirken ließen, waren jedoch noch beeindruckender als das Resultat von 3:1. Obwohl die Münchener im Rückspiel eine 2:0-Führung vergeigten, gewannen sie ihre Gruppe mit 15 Punkten.

Mühsam – aber erfolgreich

Nach der Machtdemonstration in Manchester trennten sie sich von Leverkusen mit 1:1. Bayer nutzte die einzige Großchance, hingegen verschwendete der FCB letztlich zu viele. In den folgenden Spielen ließen sie etwas nach. Gegen Mainz 05 genügte eine sehr gute zweite Hälfte für ein 4:1, gegen Hertha BSC Berlin mühten sie sich zu einem 3:2 und Hoffenheim wurde knapp mit 2:1 geschlagen. Das Duell mit Augsburg, das 3:0 endete, diente auch als Vorbereitung für das Gipfeltreffen mit Borussia Dortmund.

Glatter Erfolg in Dortmund

Das Duell der Giganten avancierte zu bayrischen Festspielen. Sie wurden vom Ur-Bayer Götze eingeleitet, der gegen seinen Ex-Verein traf. Zwar hatte die erste Halbzeit recht ausgeglichen begonnen, weil Guardiolas Kniff mit Martinez auf der Zehnerposition scheiterte. Doch er korrigierte seinen Fehler mit den Einwechslungen Götzes und Thiagos, die das Spiel fundamental erschütterten. Bayern erhielt die Oberhand und kreierte fortan mit Kurzpassspiel gute Chancen. Das 1:0 resultierte aus einem feinen Angriff über den Flügel, zwei Konter vollendeten den 3:0-Endstand, wobei das hohe Resultat bezüglich der Spielanteile etwas täuscht.

Ab diesem Spieltag begann Deutschland sich vor der drohenden Langeweile aufgrund der bayrischen Dominanz zu fürchten. Als ärgster Konkurrent entpuppte sich langsam Bayer Leverkusen, da der kreative Esprit in Dortmund versiegte. Nach vier weiteren Spielen mit jeweils klaren Siegen lagen Dortmund zwölf und Leverkusen sieben Punkte zurück. Die Verlierer hießen Braunschweig, Augsburg (Im DFB-Pokal), Bremen und Hamburg.

Zentrumslastig zur Klub-WM

Anschließend reiste der Triple-Sieger nach Marokko, um dort das Klub-WM-Halbfinale gegen Guangzhou Evergrande zu bestreiten. Die Chinesen agierten keinesfalls schlecht: Sie verteidigten in einem tiefen 4-5-1, rückten jedoch situativ höher auf und versuchten den eigenen Aufbau spielerisch anzugehen. Dennoch siegte Bayern ungefährdet 3:0, wegen vier Aluminiumtreffern ist das Resultat noch dankbar. Thiago positionierte sich dabei nicht, wie in den letzten Spielen, im defensiven Mittelfeld, sondern nahm eine deutlich höhere Rolle an. Er stieß, abgesichert von Kroos und Lahm, häufig in den Strafraum vor, weshalb die die Asymmetrie im Mittelfeld noch verstärkt wurde. Außerdem stellte das Spiel den vorläufigen Höhepunkt der Entwicklung dar, das Spiel immer stärker aufs Zentrum zu fokussieren. Der Spielaufbau fand nahezu nur im Zentrum statt, erst im letzten Drittel folgten Verlagerungen auf den Flügel. Damit ähnelte der Stil Guardiolas Barcelona.

Fünfter Titel des Jahres

Im Finale gegen Raja Casablanca änderte Guardiola die Taktik wieder. Lahm, Kroos und Thiago tauschten im Mittelfeld ständig die Positionen, selbst der situativ tiefste Mittelfeldspieler konnte immer plötzlich vorwärts stürmen. In der ersten halben Stunde agierte Bayern sehr fluid und druckvoll, was zu zwei Toren führte. Danach beruhigte sich das Spiel, bevor der FCB Casablanca den Anschlusstreffer nahezu auf dem Silbertablett servierte. Sie schlugen diese Einladungen jedoch aus, folglich feierte Bayern den fünften Titel des Jahres 2013.

Titelverteidigung Formsache

Um die Saison zu beurteilen, kann man schlicht Statistiken sprechen lassen. Da der Übergang von Heynckes zu Guardiola reibungslos verlief, waren die Resultate überwältigend. In 16 Bundesliga-Spielen sammelten sie 44 Punkte. 42 Toren stehen acht Gegentreffer gegenüber. Der Vorsprung vor Leverkusen und Dortmund beträgt sieben beziehungsweise zwölf Zähler, obwohl Bayern eine Partie weniger absolviert hat. Durch den breiten Kader störten selbst die zahlreichen Verletzungen den Erfolg nicht. In der Champions League errangen sie 15 von 18 möglichen Punkte, was zum ersten Platz reichte. Dementsprechend deutet alles darauf hin, dass Bayern München die Bundesliga-Krone verteidigen wird.

Leonard Dung, abseits.at

Leonard Dung

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