In dieser Serie soll pro Bundesliga-Verein ein Spieler portraitiert werden, der im Vergleich zu den anderen Mannschaften, den Unterschied ausmachen kann. Hierbei sollen nicht... Der feine Unterschied (2) – Sebastian Rode

In dieser Serie soll pro Bundesliga-Verein ein Spieler portraitiert werden, der im Vergleich zu den anderen Mannschaften, den Unterschied ausmachen kann. Hierbei sollen nicht nur die vermeintlich besten Fußballer, sondern auch die Führungspersönlichkeiten oder interessante Talente, von denen dieses Jahr der große Sprung erwartet wird, begutachtet werden.

Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt)

Vielleicht wäre aus der Karriere von Sebastian Rode gar nichts geworden – wenn nicht seine Mutter mit viel Engagement dafür gesorgt hätte, dass Rodes südhessischer Heimatverein SKV Hähnlein eine Bambini-Mannschaft gründete. Dort konnte der vierjährige Sebastian seiner neuerworbenen Leidenschaft nachgehen und Bälle mit Fußtritten von A nach B befördern. Dass er dafür um einiges mehr Talent besaß als seine Altersgenossen, wurde schnell offensichtlich.

Als 14-Jähriger kam dann der Wechsel von Darmstadt 98 zu den Kickers Offenbach. In dieser Zeit wurde Rode zum Juniorennationalspieler und durfte bereits als A-Jugendlicher mit ins Profi-Trainingslager. Dieser Abschnitt blieb jedoch nicht ohne Rückschläge. Nachdem sich der Youngster einen Stammplatz im Profiteam erarbeiten konnte und in der dritten Liga großartige Leistungen zeigte, zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Nach einer 7-monatigen Leidenszeit erkämpfte sich Rode sogleich wieder einen Stammplatz. Dies entging auch der hessischen Konkurrenz aus Frankfurt nicht und so wurde der junge Mann für seinen Biss und Leidensfähigkeit mit einem Wechsel zur Profimannschaft der Eintracht belohnt.

Aber auch hier ging die Leidenszeit weiter. In einem Vorbereitungsspiel zog sich Rode einen Knorpelschaden im Knie zu. Konsequenz: Wieder 3-4 Monate Zwangspause.

Aber auch davon lies er sich nicht unterkriegen und debütierte im Januar 2011 gegen den Hamburger SV. Durch seine enormen technischen Fähigkeiten, sowie seine Übersicht und Ruhe am Ball erspielte er sich einen Stammplatz bei der Eintracht. Ausgerechnet gegen den großen FC Bayern gelang Rode sein erstes Bundesligator. Kurioserweise flog er nach diesem Karriere-Höhepunkt im nächsten Spiel gegen Mainz 05 mit Rot vom Platz. Wie dicht Freud und Leid im Fußball beieinander liegen, hatte er ja im Laufe seiner Karriere bereits festgestellt.

Trotz starker Leistungen des Supertalents  stieg die Eintracht am Ende der Saison vollkommen überraschend ab. Unter den neuen Verantwortlichen  Manager Bruno Hübner und Trainer Armin Veh wurden die Eintracht-Rohdiamanten, wie Sebastian Jung, Sonny Kittel oder eben Rode zu Eckpfeilern der neuen Frankfurter Mannschaft. Mit zwei Toren und zehn Vorlagen war Rode dann auch maßgeblich am letztlich souveränen Aufstieg verantwortlich.

Nach drei Siegen aus drei Spielen und gleichzeitig überragenden Leistungen des 21-Jährigen, entsteht am Riederwald gerade ein großer Hype um den defensiven Mittelfeldspieler. Vorstandvorsitzender Heribert Bruchhagen bezeichnet ihn bereits als „den besten Spieler, den ich während meiner Zeit bei der Eintracht gesehen habe!“. Auch Eintracht-Legende Andreas Möller ist voll des Lobes und nennt Rode „einen Riesenkicker mit außergewöhnlichen Fähigkeiten.“.

Rode selbst bleibt dabei auf dem Boden und schreibt seinen Höhenflug zu großen Teilen seinem Nebenmann auf der Doppelsechs Pirmin Schwegler zu: „Pirmin spielt für mich eine große Rolle, er ist einer der Gründe, warum es bei mir derzeit so gut läuft. Ich kann mir soviel von ihm abschauen, vor allem seine unglaubliche Ruhe am Ball. Er redet viel mit mir, fordert mich auf, mehr Verantwortung zu übernehmen.“.

Wie wichtig dieses Gespann für den bisherigen Erfolg der Eintracht ist, zeigt eine kurze taktische Analyse des Frankfurter Erfolgssystems. Für einen Aufsteiger legt Frankfurt ungewöhnlich viel wert auf Ballbesitz. In der ersten Halbzeit gegen den HSV am letzten Spieltag, hatte man starke 75 Prozent Ballbesitz, der im Laufe des Spiels etwas sank. Der Doppelsechs Rode/Schwegler kommt dabei eine große Rolle zu. Der Schweizer übernimmt meist die Rolle des Spielmachers aus der Tiefe, während Rode offensiver agiert und viele vertikale Wege macht, um Räume zu schließen, die sich durch das ausgeprägte Offensivspiel der Außenverteidiger Jung und Oczipka ergeben. Während des Spielaufbaus durch die Innenverteidiger bekommt zumeist einer der Sechser den Ball, der andere lässt sich in die Verteidigung zurückfallen. Im Großteil der Fälle spielt einer der Sechser den Ball zu einem Außenverteidiger, die das Spiel in die Breite ziehen. Ganz wichtig hierbei sind die technischen Fähigkeiten und die Ruhe des Duos Rode/Schwegler, sodass der Ball selbst unter Druck mit traumwandlerischer Sicherheit an die Außen weitergegeben wird.

Zieht man dies alles in Betracht, ist es kaum verwunderlich, dass Rode sich einen Stammplatz in der U21-Nationalmannschaft erspielt hat und angeblich bereits Vereine wie Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach Interesse angemeldet haben. Trotzdem sieht derzeit alles danach aus, als würde Rode seinen Vertrag bei der Eintracht um zwei Jahre verlängern. Er ist und bleibt nun mal ein „hessischer Bub“.

Ral, abseits.at