Der Hamburger SV macht sich mal wieder lächerlich, während Nordrivale Bremen der erste Sieg gelingt. Dortmund kann auch noch ohne Torfestival gewinnen. Erzfeind Schalke... Der fünfte Spieltag in Deutschland: Werder mit erstem Befreiungsschlag

SV Werder Bremen - Wappen, Logo_abseits.atDer Hamburger SV macht sich mal wieder lächerlich, während Nordrivale Bremen der erste Sieg gelingt. Dortmund kann auch noch ohne Torfestival gewinnen. Erzfeind Schalke dagegen verliert auch das fünfte Spiel in Folge. Das war der fünfte Spieltag.

Dortmund mit zwei Gesichtern

Es ist noch nicht alles Gold was glänzt beim BVB. Der 3:1-Arbeitssieg am Freitagabend gegen den SC Freiburg kann aber als weiterer Schritt in die richtige Richtung gewertet werden. Nach drei Torfestivals binnen einer Woche, schaffte es das Team von Thomas Tuchel in einem sehr schweren Spiel gegen disziplinierte Freiburger auch mal ohne Spektakel zum Sieg zu kommen. In der Offensive wurde in diesem Spiel sichtbar, dass Talenten, wie Ousmane Dembele und Emre Mor in gewissen Situationen noch die Reife abgeht. Wirklich überraschend kommt diese Feststellung natürlich nicht. Vor allem Mor fehlt in Sachen Mannschaftstaktik und Spielen im Verbund aber offensichtlich noch einiges. Dembele hingegen war zwar sportlich gesehen einer der besten Spieler auf dem Platz, bereitete u.a. das 1:0 durch Pierre-Emerick Aubameyang vor, wäre wegen einer unnötigen Undiszipliniertheit (höhnischer Applaus gegenüber des Schiedsrichters) jedoch fast vom Platz geflogen.

Für freudige Gesichter in Dortmund dürfte die Leistung von Mario Götze gesorgt haben, der immer besser in Form kommt und das Offensivspiel seiner Mannschaft bis zu seiner Auswechslung gut orchestrierte. Nach dem 2:0 durch Lukasz Piszczek verloren die Schwarz-Gelben aber wie zuvor gegen Wolfsburg kurz den Faden, leisteten sich defensiv einige Aussetzer, was zum Anschlusstreffer von Maximilian Philipp führte. Der Dortmunder Kader ist mittlerweile jedoch so stark besetzt, dass Tuchel einen der besten Spieler der letzten Partien, Raphael Guerreiro, für die Schlussphase von der Bank bringen konnte – und damit die Entscheidung einwechselte. Nach einer tollen Kombination mit Aubameyang und Gonzalo Castro, erzielte der Portugiese kurz vor Schluss den 3:1-Entstand. Bei Freiburg machte der junge Verteidiger Caglar Söyüncü ein starkes Spiel.

Nordteams weiterhin im Fokus

Im Hinblick auf den Hamburger SV fehlen einem mittlerweile schlicht und ergreifend die Worte. Was soll man zu der gefühlten 100-jährigen und selbstverschuldeten Dauerkrise noch großartig schreiben? Wurde nicht schon alles gesagt zu den zahlreichen Possenspielen und dem jämmerlichen Bild, das der HSV seit Jahren in der Öffentlichkeit abgibt? Das aktuell unwürdige Schauspiel um die Entlassung von Trainer Bruno Labbadia ist nur ein weiteres „Highlight“ unter den vielen Peinlichkeiten der letzten Jahre. Auch nach dem guten Spiel gegen den FC Bayern, verweigerte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer jedes Bekenntnis zu Labbadia, was einen deutlichen Fingerzeig für die am Sonntag folgende Beurlaubung darstellte.  Prinzipiell hatte Beiersdorfer mit seiner Kritik ja recht: das 0:1 zu Hause war bereits die vierte Niederlage in Folge, schon der Verlauf der Rückrunde der vergangenen Saison war mehr als besorgniserregend.

Gegen stärkere Gegner wie den FC Bayern funktioniert das Spiel gegen den Ball ganz gut, während die Offensive aber weiterhin Probleme hat, Chancen zu kreieren., auch das wurde von Beiersdorfer in einem Interview moniert. Das mag alles richtig sein. Aber warum verlagerte Beiersdorfer eine Diskussion, die intern geführt werden sollte, in die Öffentlichkeit und machte seinen Trainer damit zu einem „Dead Man Walking“? Wenn der Vorstandsvorsitzende so wenig überzeugt von den Fähigkeiten Labbadias war, warum hat er nicht schon viel früher reagiert? Der erratische HSV demontiert sich so mal wieder selbst. Auch unter dem nächsten Trainer wird wohl auf lange Sicht keine Verbesserung eintreten. Dafür fehlt einfach jede Art von Grundlage.

Beim Erzrivalen Werder Bremen hat sich die Stimmung wiederum gedreht. Nach dem überzeugenden 2:1-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg zeichnet sich ein Silberstreifen am Horizont ab. Die Hansestädter waren während der gesamten 90 Minuten drückend überlegen, trafen aber einfach das Tor nicht. Wie so oft im Fußball, beschwor Werder den Gegentreffer dadurch geradezu herauf. Das 0:1 für den VfL durch, wie könnte es anders sein, ein Eigentor von Robert Bauer, sorgte aufgrund der noch frischen Erinnerungen an die unglückliche Niederlage unter der Woche gegen Mainz für einen kollektiven Herzstillstand im Weserstadion. „Nicht schon wieder“, stand es im weiten Rund auf all denen Gesichtern geschrieben, die es mit Werder halten. Trotz der geschenkten 1:0-Führung spielten die Wolfsburger weiterhin ohne Einsatz und Aggressivität. Ein Auftritt, der frappierend an die letzte Rückrunde erinnerte.

Der oft erwähnte Fußballgott, der meist eher alttestamentarisch agiert, zeigte im Fall Bremen aber ausnahmsweise doch einmal Erbarmen: durch Tore von Lennart Thy und Theodor Gebre Selassie drehte das Team von Interimstrainer Alexander Nouri das Spiel in den letzten fünf Minuten. Apropos Nouri: Natürlich ist man an der Weser wieder versucht, wie beispielweise bei Viktor Skripnik, die naheliegendste Lösung für die Neubesetzung des Trainerpostens zu favorisieren. Dass ein Wechsel auf dieser Position für einen kurzzeitigen Euphorieschub sorgen kann, dürfte hinlänglich bekannt sein. Daher wären die Bremer Verantwortlichen gut beraten genau zu prüfen, wer der beste Trainer für die Mannschaft ist bzw. wer zudem Fußball passt, den man bei Werder spielen möchte. Falls das am Ende des Tages wirklich Nouri sein sollte, alles wunderbar,  sich aber in diesem Punkt wiederholt von einem temporären Stimmungswechsel beeinflussen zu lassen, wäre der falsche Weg. Eins noch zum Gegner: aufgrund der Art und Weise, wie Wolfsburg dieses Spiel verlor, müssen die Wölfe nun wohl auch zu den nordischen Krisenklubs gezählt werden.

Schalke weiter ohne Punkte

So langsam wirkt die Situation auf Schalke bedrohlich. Mit der fünften Niederlage in Folge steht das Team von Markus Weinzierl weiterhin mit null Punkten auf dem letzten Platz der Tabelle. Manager Christian Heidel war nach der verdienten 1:2-Niederlage in Hoffenheim endgültig bedient. Er warf der Mannschaft fehlenden Charakter und Einstellung vor, wobei lediglich Kapitän Benedict Höwedes von der deutlichen Kritik verschont blieb. Es fällt schwer von außen zu beurteilen, was genau die Ursachen dieser Schalke-Krise sind. Besonders auffällig sind die individuellen Fehler diverser Schalke-Akteure, die bereits mehrfach zu Gegentoren führten, so auch gegen Hoffenheim. Wie schon bereits unter der Woche ging die Mannschaft durch Eric-Maxim Choupo-Mouting zwar in Führung, kassierte aber erneut postwendend den Ausgleich und viel danach wieder in sich zusammen.

Es wird nicht leicht für Trainer Weinzierl werden, die richtigen Hebel anzusetzen, soviel steht fest. Die Mannschaft wirkt aufgrund der Niederlagenserie mut-und, noch viel schlimmer, lustlos. Das in schöner Regelmäßigkeit auftretende Phlegma wurde von Heidel ebenfalls angeprangert. Die Probleme scheinen also zuallererst mentaler Natur zu sein. Dem Manager blieb wohl keine andere Wahl mehr als bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison die Charakterfrage zu stellen. In Gelsenkirchen wird der Ton nun rauer und die Atmosphäre ungemütlicher. Gegner Hoffenheim hingegen schaffte den ersten Saisonsieg durch Tore von Andrej Kramaric und Lukas Rupp. Überragend zudem die Leistung von Mittelfeldmann Kerem Demirbay.

Short Notes:

Chicharito schießt Mainz ab: Nach einem durchwachsenen Saisonstart gelang Bayer Leverkusen im Spiel gegen Mainz ein Befreiungsschlag. Obwohl die Werkself beim 3:2-Erfolg durch die Tore von Yunus Malli und Stefan Bell gleich zweimal in Rückstand geriet, zeigte die Mannschaft von Roger Schmidt Moral und drehte das Spiel noch durch drei Chicharito-Tore. Der entscheidende Treffer gelang dem Mexikaner dabei erst in der Nachspielzeit.

Wildes Hin und Her in Berlin: Das Auf und Ab dieses Spiels lässt sich am besten anhand der Person von Herthas Vedad Ibisevic beschreiben: Der Bosnier erzielte erst das 1:0 per Elfmeter, begünstigte durch einen Fehler den 2:1-Führungstreffer für die Eintracht durch Alexander Meier, bügelte diesen Fauxpas mit dem 2:2 – Ausgleich wieder aus und bereitete anschließend das 3:2 vom überragenden Alexander Esswein vor. Nachdem Frankfurt bereits nach dem 0:1 durch ein Tor von Marco Fabian zurückschlug, gelang dem eingewechselten Innenverteidiger Michael Hector in der Nachspielzeit der 3:3-Endstand. Im Fußballsprech benutzt man in so einem Fall immer wieder gern das Partikel „ausgerechnet“: die Leihgabe von Chelsea flog nämlich in seinen ersten beiden Spielen für die Eintracht vom Platz.

Gerechtes Unentschieden in Köln: Beide Mannschaften überzeugten in einem eher mittelmäßigen Spiel wie schon so oft durch ihr aggressives Spiel gegen den Ball und ihr diszipliniertes Abwehrverhalten. Das 1:1 ging wohl letztlich für beide Mannschaften in Ordnung, wobei die Kölner etwas mehr vom Spiel, sowie mit dem Japaner Yuya Osako den besten Akteur auf dem Feld hatten. Der Stürmer glich den frühen Führungstreffer von Supertalent Oliver Burke aus, der etwas überraschend in der Anfangsformation stand. Beide Teams setzen sich mit dem Remis erstmal oben in der Tabelle fest.

Zahlen und Fakten zu den restlichen Partien

FC Augsburg 1:0 SV Darmstadt 98

Mit dem 1:0-Sieg hat der FC Augsburg nicht nur die ersten Heimpunkte geholt, sondern führte in dieser Saison auch zum ersten Mal 1:0. Die Fuggerstädter erzielten mit einem Tor in der 47. Minute zudem ihr frühestes Saisontor.

Darmstadt kassiert am fünften Spieltag bereits die dritte Niederlage. Dies war in der letzten Saison erst am 10. Spieltag der Fall.

Darmstadt war in der letzten Saison das viertbeste Auswärtsteam. In dieser Saison verlor die Mannschaft von Norbert Meier in der Fremde bisher alle Partien.

Bei fünf seiner letzten sechs Tore traf Alfred Finnbogasson zum 1:0.

Die Lilien kassierten in den ersten Spielen bereits mehr Platzverweise (insgesamt zwei: Niemeyer und gegen Augsburg Guwara) als in der vergangenen Saison.

Borussia Mönchengladbach 2:0 FC Ingolstadt

Gladbach gewann das bereits zehnte Heimspiel in Folge. Ingolstadt wartet dagegen seit 10 Spielen auf einen Sieg.

Letzte Saison hatte Ingolstadt zu diesem Zeitpunkt bereits 10 Punkte auf dem Konto, aktuell nur einen.

Gladbach hat nach diesem Sieg schon 10 Punkte errungen, was gleichzeitig den beste Saisonstart seit fünf Jahren bedeutet.

Lars Stindl erzielte von insgesamt neun Treffern für Gladbach acht zu Hause, gleichbedeutend mit acht Siegen.

Linksfuß Oscar Wendt erzielte zwei seiner letzten drei Tore mit rechts – insgesamt schoss der Schwede zehn Tore für die Borussia – Gladbach gewann immer, wenn Wendt traf.

Jubel des Spieltages

Alexander Nouri: Nach dem Siegtreffer seiner Mannschaft in der Nachspielzeit hielt es Nouri nicht mehr auf der Bank. Wie ein Derwisch rannte er zu seinen feiernden Spieler in Kurve und verteilte mehr Umarmungen, wie volltrunkene Menschen auf Ecstasy an einer Silvesternacht. Pure Erleichterung hat durch Nouri an diesem Wochenende ein neues Gesicht erhalten.

Ral, abseits.at

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.