In dieser Serie soll pro deutschem Bundesliga-Verein ein Spieler portraitiert werden, der im Vergleich zu den anderen Mannschaften, den Unterschied ausmachen kann. Hierbei sollen... Der kleine feine Unterschied (1) – Andriy Voronin

In dieser Serie soll pro deutschem Bundesliga-Verein ein Spieler portraitiert werden, der im Vergleich zu den anderen Mannschaften, den Unterschied ausmachen kann. Hierbei sollen nicht nur die vermeintlich besten Fußballer, sondern auch die Führungspersönlichkeiten oder interessante Talente, von denen dieses Jahr der große Sprung erwartet wird, begutachtet werden.

Andriy Voronin (Fortuna Düsseldorf)

Als im Sommer bekannt wurde, dass der Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf einen Spieler des Kalibers von Andriy Voronin verpflichten konnte, war das Staunen unter den Experten groß. Es stellte sich die Frage, wie ein solcher Verein sich einen Spieler dieses Formats leisten kann. Einfach erklärt: Der Ukrainer erhielt einen großen Teil seiner Ausbildung bei Borussia Mönchengladbach, wo der jetzige Fortuna-Trainer Norbert Meier angestellt war. Eben jener verpasste Voronin den letzten Schliff zum Bundesligaspieler. Als der Offensiv-Allrounder sich bei seinem letzten Verein Dinamo Moskau mit seinem dortigen Trainer überwarf, kam der Kontakt zu Stande. Die Fortuna zahlt lediglich eine Leihgebühr und ein Gehalt von jeweils 500.000 Euro. Ein absolutes Schnäppchen, zieht man den potenziellen Wert in Betracht, den ein solch erfahrener Spieler für einen Bundesliga-Aufsteiger haben kann. Zudem kennt Voronin die Bundesliga bestens, hat er doch, nach dem er als 18-Jähriger aus seiner Heimatstadt Odessa an den Niederrhein wechselte, einen Großteil seiner Karriere dort verbracht.

Diese kam so richtig mit dem Wechsel 2000 von Gladbach zum damaligen Zweitligisten Mainz 05 in Schwung. In der Zeit von 2000-2003 avancierte der 74-malige Nationalspieler der Ukraine zu dem überragenden Zweitligaspieler und wurde 2002/03 mit 20 Toren Torschützenkönig. Nach dem verpassten Aufstieg mit Mainz, wechselte er innerhalb der Liga zum Absteiger 1. FC Köln. Trotz einer eher durchwachsenen Saison, zeigte der Bundesligaspitzenverein Bayer Leverkusen Interesse an Voronin. Unterm Bayer-Kreuz war man von seinem Potenzial überzeugt. Keine schlechte Idee, erzielte die Kämpfernatur doch in 92 Bundesligaspielen 31 Tore für Leverkusen. Dies machte ihn natürlich auch international begehrt und so suchte er 2007 mit seinem Wechsel nach Liverpool die Herausforderung Premier League.

Nach einem hoffnungsvollen Start an der Anfield Road, konnte Voronin jedoch die in ihn gesteckten Erwartungen nicht erfüllen und fand sich mehrfach auf der Bank oder gar Tribüne wieder. Frustriert ließ er sich zur Saison 08/09 in die deutsche Hauptstadt zu Hertha BSC Berlin ausleihen. Dort wurde der Supertechniker zum unumstrittenen Stammspieler und bildete mit Marko Pantelic eines der besten Sturmduos der Saison. Unter Trainer Lucien Favre spielte die Hertha sogar lange um die Meisterschaft mit und landete am Ende auf dem starken vierten Platz. Aufgrund der desaströsen finanziellen Situation an der Spree, konnte der Verein Voronin jedoch nicht langfristig verpflichten, obwohl dieser gerne geblieben wäre. Zusätzlich musste die Hertha weitere Leistungsträger, wie Pantelic oder Josip Simunic abgeben, ohne gleichwertigen Ersatz verpflichten zu können. Trotz dieser Tatsache wurde Favre in der neuen Saison schnell entlassen. Der weitere Werdegang der Hertha ist bekannt.

Nach der Rückkehr nach Liverpool versuchte Voronin ein zweites Mal in England zu reüssieren, schaffte dies aber nicht und wechselte nach der Saison 09/10 zum russischen Traditionsverein Dinamo Moskau. Hier avancierte er wieder zum Leistungsträger und zu einem der besten Spieler der russischen Liga.

Seit jeher überzeugt der 33-jährige nicht nur durch seine Torquote oder andere statistischen Werte. Vielmehr ist er ein ausgenommener Teamplayer, der Löcher für seine Mitspieler reißt und sie gekonnt in Szene setzen kann. Zudem überzeugt er durch seine Fähigkeit, eine Mannschaft zu führen. Voronin wird all diese Attribute mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Düsseldorf einbringen und sich schnell zum Publikumsliebling entwickeln. Falls die Fortuna den Klassenerhalt tatsächlich schaffen sollte, muss man kein Prophet sein, um voraus zu sagen, dass Andriy Voronin einen Riesenbeitrag dazu beigetragen haben wird.

Ral, abseits.at