Am kommenden Samstag trifft Borussia Dortmund auf den FC Bayern München. Drei Tage vor dem Spitzenspiel der deutschen Bundesliga erreichten die Verantwortlichen der Schwarzgelben... Die komplette Viererkette verletzt: Das sind die Alternativen für Borussia Dortmund

Mats Hummels - Borussia Dortmund DFBAm kommenden Samstag trifft Borussia Dortmund auf den FC Bayern München. Drei Tage vor dem Spitzenspiel der deutschen Bundesliga erreichten die Verantwortlichen der Schwarzgelben allerdings zwei Hiobsbotschaften. Mats Hummels und Marcel Schmelzer verletzten sich im freundschaftlichen Länderspiel gegen England und fallen aus. Damit fällt die gesamte Viererkette, mit der man in den letzten Jahren große Erfolge feierte, aus. abseits.at blickt auf die Alternativen.

Nur 20 Minuten dauerte das 28. Länderspiel in Hummels‘ Karriere. Erst in der Halbzeit eingewechselt musste der BVB-Abwehrchef in der 66. Minute verletzt vom Feld. Diagnose: knöcherner Bandausriss am rechten Fersenbein. Erst Mitte Jänner 2014 wird er vermutlich wieder einsatzfähig sein. Schmelzer erlitt einen Faserriss in der Muskulatur der linken Wade und wird drei Wochen ausfallen.

Großkreutz bisher guter Piszczek-Vertreter

Dabei begann die Woche für BVB-Fans mit erfreulichen Nachrichten. Lukasz Piszczek stand im Testspiel gegen den SC Paderbon erstmals seit dem Champions-League-Finale wieder für die Westfalen auf dem Platz. Der polnische Nationalspieler unterzog sich Operationen an der Hüfte und der Leiste nachdem er bereits während der letzten Rückrunde kaum eine Pause bekam, regelmäßig fitgespritzt werden musste. Sein Fehlen machte sich aufgrund der starken Leistungen von Kevin Großkreutz allerdings kaum bemerkbar.

Der oft unterschätzte Dortmunder Junge zeigte in den vergangenen Wochen und Monaten seit der Sommerpause, dass er taktisch ein überaus intelligenter Spieler ist und flexibel einsetzbar ist. Durchschnittlich 41% der BVB-Angriffe laufen über die rechte Seite. Besonders wichtig ist dabei seine Stärke im Umschaltspiel, die vor allem mit seiner hohen Leidenschaft zusammenhängt. Nur Nuri Sahin verbucht teamintern mehr Balleroberungen nach Zweikämpfen als Großkreutz. Gleichzeitig kreiert er aber auch 1,7 Torchancen pro Spiel – nur zwei Außenverteidiger kommen bundesligaweit auf einen höheren Wert.

Durm ohne großen Fehler, aber auch ohne große Herausforderungen

Auf der linken Seite fällt Marcel Schmelzer heuer nicht zum ersten Mal aus, denn von Ende September bis Mitte Oktober musste der 25-Jährige bereits wegen einer Muskelverletzung pausieren. Ersetzt wurde er damals von Erik Durm. Der 21-Jährige ist eigentlich gelernter Stürmer, kam nach seinem Wechsel aus Mainz auch bei den Amateuren der Borussia noch in der Offensive zum Einsatz. Ende letzter Saison, als klar war, dass Marcel Halstenberg, der nominelle Linksverteidiger in der zweiten Mannschaft, zu St. Pauli wechseln würde, kam dann der entscheidende Impuls.

Jürgen Klopps Vorschlag, erinnert sich Durm, war im ersten Moment total krass. In der Vorbereitung kam er vorwiegend rechts hinten zum Zug, war offenbar auch eine Option als Ersatz für Piszczek, und überzeugte bereits damals mit seiner Unbekümmertheit. Mittlerweile stehen bei ihm acht Spiele in der Bundesliga und 90 Minuten Champions League zu Buche, in denen er sogar eine Torvorlage lieferte. Zwar leistete er sich keinen merkbaren Fehler, allerdings wurde vor allem defensiv kaum gefordert – zumindest nicht in dem Maße, wie es gegen die Bayern der Fall wäre.

Eine andere Alternative – zumal Durm angeschlagen vom U21-DFB-Team zurückkehrte – wäre es, Jakub Blaszczykowski in die Viererkette nach hinten zu ziehen und Großkreutz auf die linke Seite zu stellen. Der Pole bekleidete in der letzten Saison nämlich ebenfalls die dünn besetzte Außenverteidigerposition.

Zwei junge Optionen in der Innenverteidigung

Die wohl größte Aufgabe besteht in der richtigen Auswahl der Innenverteidigung. Neben Hummels fehlt nämlich auch dessen nomineller Nebenmann Neven Subotic langfristig. Der Serbe erlitt bei der 1:2-Niederlage einen Kreuz- und Innenbandanriss und fällt für den Rest der Saison aus. Der neue Abwehrchef ist somit Sokratis Papastathopoulos, der im Sommer von Werder Bremen kam. Der Grieche zählt zu den besten Innenverteidigern der Liga, ist antrittsschnell, zweikampfstark und auch mit dem Ball am Fuß zuverlässig. Die Frage nach seinem Nebenmann sorgt allerdings für Stirnrunzeln.

Zum einen gäbe es mit Koray Günter und Marian Sarr zwei verheißungsvolle Talente im Kader. In den jeweiligen Jugendauswahlen zählen sie zu den besten. Vom Spielstil her erinnern die beiden durchaus an das Paar Hummels-Subotic. Allerdings verlief auch für sie die bisherige Saison nicht optimal. „Koray Günter hat Verletzungsprobleme gehabt, im Oktober nur 28 Minuten gespielt. Für Marian Sarr wäre es, Stand heute, auch nicht der glücklichste Moment, ihn ins kalte Bundesligawasser zu werfen“, meint Klopp. Daher verpflichteten die Borussen den vertragslosen Manuel Friedrich. Der 34-Jährige könnte bereits gegen die Bayern sein Debüt feiern.

Auch Umstellungen im Mittelfeld möglich

Eine andere Möglichkeit wäre es, Sven Bender in die Innenverteidigung zurückzuziehen – wie bereits im Champions-League-Spiel gegen Napoli. Die nötigen Grundvoraussetzungen bringt der 24-Jährige zwar mit, allerdings könnte seine forsche Spielweise durchaus riskant sein. Er überzeugt eher mit Zweikampfstärke als Spielübersicht. Gerade letzteres wäre für Spiel des BVB jedoch nötig. Spielt Bender in der Innenverteidigung, wird Sebastian Kehl im Mittelfeld sein Comeback feiern.

Auch der Kapitän erholte sich erst vor kurzem von einer Verletzung. Eine Doppelsechs bestehend aus ihm und Sahin bringt allerdings auch die eine oder andere Schwierigkeit mit – besonders im Spiel gegen den Ball. Beide sind vergleichsweise langsam, wodurch es länger dauert bis die die ballfernen Löcher, die beim Verschieben entstehen, gestopft werden. Gerade das könnte eine entscheidende Bruchstelle gegen die Bayern werden. Die Münchner agieren unter Pep Guardiola extrem ballbesitzorientiert, spielen solange hin und her, bis sich Löcher in den gegnerischen Ketten auftun.

Doch nicht nur aufgrund des Spiels am Samstag wird es interessant sein zu sehen, wie der BVB auf die Verletzungsmisere reagieren wird. Auch in der Champions League stehen gegen Napoli und Olympique Marseille entscheidende Spiele um den Aufstieg in die KO-Phase an.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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