Neben der heimischen tipico-Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln... Die Verlierer des 1.Spieltags in der 2. deutschen Bundesliga

TSV 1860 München LogoNeben der heimischen tipico-Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln sich dort in zahlreichen Klubs (potentielle) Nationalteamakteure, denen es genau auf die Beine zu schauen gilt. Auch in der 41. Saison reißt der Boom rund um die Liga nicht ab, die extrem ausgeprägte Ausgeglichenheit verleiht der 2. deutschen Bundesliga ihren Reiz. In Zukunft möchte ich kurz auf die Tops und Flops der jeweiligen Runde eingehen.

RB Leipzig bewegt

Kein anderer Profiklub in Deutschland zeichnete in letzter Zeit häufiger für Schlagzeilen verantwortlich als der Aufsteiger mit den ganz großen Ambitionen. Neben all den Ereignissen von sportlicher Bedeutung, zum einen der Ligastart gegen Abstiegskandidat Aalen, zum anderen die Vielzahl an zu vermeldenden Transfers, nahmen einige im deutschen Fußball tätige Manager den Auftakt zur 2. Bundesliga zum Anlass, teils harsche Kritik am „Projekt Red Bull“ zu üben. Auf die negativen Äußerungen der, zumindest kurzfristig betrachtet, nicht einmal direkten Konkurrenz, hat der Klub natürlich keinerlei Einfluss. Der heftige (verbale) Gegenwind, der Rasenballsport Leipzig entgegen bläst ist dennoch beachtlich. Karl-Heinz Rummenigge etwa regte die Einführung des Financial Fairplay in Deutschland an, um eine Obergrenze für Investitionen festzusetzen.

Mäzen Dietmar Hopp stieß mit seinem Einstieg bei der TSG 1899 Hoffenheim vor einigen Jahren ebenfalls auf wenig Gegenliebe bei der Konkurrenz. Die große Aufmerksamkeit wurde dem mittlerweile etablierten Bundesligisten aber erst nach dem Aufstieg in die höchste Spielklasse zu teil. Die Kritik von Verantwortlichen konkurrierender Vereine ist inzwischen gänzlich verstummt, lediglich aus den gegnerischen Fanblocks hallen Woche für Woche Schmähgesänge. Dass Red Bulls Engagement in Leipzig jetzt schon so hohe Wellen bei Bundesligaklubs schlägt, ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass die Finanzkraft des Getränkeimperiums Red Bull mit jener der deutschen Spitzenklubs mithalten kann und somit ein Angriff auf die Ligaspitze in wenigen Jahren als absolut realistisch anzusehen ist.

Umstrittene Transferpolitik sorgt für Diskussionen

Insbesondere die Strategie Akteure für RasenBallsport unter Vertrag zu nehmen und diese dann sogleich an Salzburg zu verleihen, stößt der Konkurrenz sauer auf. Eröffnet sie doch wie zum Beispiel in der Causa Sabitzer die Option, bestimmte Vertragsklauseln zu seinen Gunsten zu nutzen. Kurz und bündig formuliert ist es wohl nicht die feine englische Art, juristisch aber legitim. Der Brasilianer Massimo Bruno ist ebenso lediglich von RB Leipzig an die Mozartstädter verliehen und wird dort bis auf weiteres „geparkt“, um Spielpraxis zu sammeln.

In Leipzig winken die Verantwortlichen wie Coach Zorniger und Ralf Rangnick zwar ab, es heißt, der Aufstieg sei ob des jungen Kaders nicht realistisch und auch nicht das ausgegebene Saisonziel. Die getätigten Transfers lassen allerdings keinen Zweifel daran, dass der Mateschitz-Klub einem direkten Durchmarsch in die deutsche Bundesliga alles andere als abgeneigt wäre. Neben Terrence Boyd, der aufgrund einer Verletzung längere Zeit ausfallen wird, holte man auch das 19-jährige ungarische Supertalent Zsolt Kalmár sowie den 20-jährigen VfB-Profi Rani Khedira, Bruder von Weltmeister Sami.

Neben Innenverteidiger Niklas Hoheneder, schnüren auch zwei weitere Österreicher ihre Fußballschuhe bei RB Leipzig, die beiden Ex-Salzburger Georg Teigl und Stefan Hierländer.

Auftakt gegen Aalen misslingt

Mit großen Erwartungen und vor 21354 begeisterten Zusehern nahm man vergangenen Samstag die Herausforderung 2. Deutsche Bundesliga in Angriff. Trotz drückender Überlegenheit und einer guten spielerischen Leistung musste man sich letzten Endes mit einer enttäuschenden Nullnummer zufrieden geben. Aalen hatte den „Roten Bullen“ kaum etwas entgegenzusetzen, gute Chancen blieben allerdings ungenützt. Alleine Hoheneder fand drei hochkarätige Kopfballchancen vor, scheiterte aber kläglich. Dies brachte ihm sogleich den Unmut von Coach Zorniger ein. Leipzig eroberte sich mittels Pressing zwar viele Bälle, ließ bei eigenen Angriffen aber oft die notwendige letzte Konsequenz vermissen. Stürmer Poulsen kam einem Torerfolg am nächsten, scheiterte aber mit seinem Versuch am Aluminium.

Namhafte Transfers unterstreichen Ambitionen und erhöhen Potenzial

RB reagierte prompt und rüstete den Kader nochmals auf. Innenverteidiger Marvin Compper von der Fiorentina schließt sich ebenso der Zorniger-Elf an wie sein dortiger Teamkollege Ante Rebic, der 20-jährige bullige Linksaußen hat immerhin schon WM-Einsätze für Kroatien in seiner Vita stehen. Aufgrund dieser Umstände erscheint es mehr als nur wahrscheinlich, dass in Zukunft eine auf einigen Positionen veränderte „Bullenherde“ ihre Spuren in Liga 2 hinterlassen wird.

TSV 1860 München

Wer eine 2:0-Führung trotz numerischer Überzahl nicht ins Trockene bringen kann, ist definitiv als der große Verlierer des Spieltags anzusehen.

Seit Jahren peilt der blau gefärbte Teil Münchens die Rückkehr in die Bundesliga an, immer wieder aufs Neue scheitert man an der Kluft zwischen Anspruchsdenken und Wirklichkeit. Die Vergangenheit zeigt deutlich, dass eine „Löwen“-Saison immer einen wilden Ritt bedeutet, Siegesserien und Durststrecken stets inklusive. Zudem gesellen sich zur sportlichen Inkonstanz nur allzu oft Spannungen im Umfeld. Eines hat Neo-Coach Moniz in München wohl nicht: Zeit und Ruhe.

Es wird trotz einiger personellen Änderungen erwartet, dass er Resultate liefert und, wie jede Saison, stellt man an sich selbst den Anspruch, ein gewichtiges Wort um den Aufstieg mitzureden. Die Klubikonen Benny Lauth und Daniel Bierofka kehrten den Münchnern den Rücken, Moritz Stoppelkampf sucht sein Glück beim Bundesligasensationsaufsteiger Paderborn. Den Hoffnungsträger aus der vergangenen Frühjahrssaison Yuya Osako schnappte sich kurzerhand Peter Stögers 1. FC Köln. Dort wusste der quirlige Japaner in den Vorbereitungsspielen auch schon zu überzeugen. Den nam- und schmerzhaften Abgängen stehen auch einige interessante Neuzugänge gegenüber. Rubin Rafael Okotie erhält dank seiner starken Leistungen in Dänemark eine weitere Chance seine Qualitäten im Ausland unter Beweis zu stellen. Mit den beiden Spaniern llie Sánchez und Edu Bedia verpflichteten die Verantwortlichen zwei Akteure für das Mittelfeld, beide kommen von Barcelona B. Dem Duo ist es jedenfalls zuzutrauen, das Spiel der Münchner zu ordnen und zu strukturieren, sie verfügen definitiv über die Klasse um in der 2. deutschen Bundesliga aufzuzeigen, ihre Entwicklung bleibt jedoch abzuwarten. Der bei guter Laune als Filigrantechniker bekannte Leonardo, Lieblingsschüler von Moniz, folgt seit seinem Abgang aus Salzburg seinem Förder zu jeder Station.

Alles in allem kann Ricardo Moniz auf einen Kader zurückgreifen, der sich trotz all der Abgänge sehen lassen kann und der eine gute Rolle in der 2. deutschen Liga spielen wird können. Ob diesmal der große Wurf gelingt bleibt abzuwarten, bei gutem Saisonverlauf und entsprechender Ruhe im Umfeld ist sicher einiges möglich. Doch vor allem Letzteres käme einer kleinen Sensation gleich. Noch greift auch nicht ein Rädchen ins andere, wie die unnötige Pleite gegen den FCK eindrucksvoll belegt. Gerade weil dem Kader eine gewisse Klasse nicht abzusprechen ist, ist es mehr als bitter und verwunderlich, dass sich die 60er die Butter noch so vom Brot nehmen ließen.

Routine um dies zukünftig zu vermeiden ist auf jeden Fall ausreichend vorhanden, neben einer besseren Abstimmung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen muss man auch die nötige Cleverness beweisen, um solche Partien in ruhige Fahrwasser zu lenken und sicher nach Hause zu spielen. Dieses Negativbeispiel wird den „Löwen“ für den weiteren Saisonverlauf eine Lehre sein.

David Kühhas, abseits.at

David Kühhas

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