Die großen vier Meisterschaftskandidaten waren an diesem 21. Spieltag mittlerweile alle im Einsatz und mit Schalke 04 ist eine Mannschaft aus dem Quartett auf... In Deutschland geht’s ans Eingemachte: Wer hat im Titelkampf die besten Karten?

Die großen vier Meisterschaftskandidaten waren an diesem 21. Spieltag mittlerweile alle im Einsatz und mit Schalke 04 ist eine Mannschaft aus dem Quartett auf der Strecke geblieben, sodass aus dem Vier- ein Dreikampf geworden ist. Es ist also Zeit, einen kurzen Ausblick zu geben, wer im Kampf um die Schale am Ende der Saison die Nase vorne haben wird.

Borussia Dortmund

Vorteile: Der BVB ist sicherlich die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga. Nach  mittlerweile 15 Spielen ohne Niederlage steht man zwei Punkte vor Bayern München. Trotz des Ausfalls des deutschen Wunderkindes Mario Götzes marschieren die Dortmunder durch die Liga und gewinnen auch schwächere Spiele wie gegen Leverkusen. Schwächen sind beim BVB derzeit keine auszumachen: Die Defensive um Hummels und Subotic steht extrem sicher und ist auch im Spielaufbau eine Klasse für sich. Lukasz Piszczek gehört mittlerweile zu den besten Außenverteidigern der Liga, während Sven Bender, dem eine Schlüsselrolle in Klopps System zukommt, wichtige Löcher im Mittelfeld stopft und zudem im Spielaufbau immer stärker wird. Die Offensive ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Shinji Kagawa ist wieder in der Form der letzten Hinrunde, Kevin Großkreutz gilt als Laufwunder und der emotionale Leader der Mannschaft, der diese Saison auch das Toreschießen für sich entdeckt hat. Jakub Blaszczykowski spielt die beste Saison seit er beim BVB unter Vertrag steht, lässt damit sogar Mario Götze vergessen und ist neben seinem polnischen Landsmann Robert Lewandowski der Aufsteiger der Saison. Über die Fähigkeiten von Trainer Jürgen Klopp muss ebenfalls kein weiteres Wort verloren werden. Die Mannschaft folgt ihm bedingungslos und er hat ein taktisches System etabliert, dem sich alle unterordnen und jeden Gegner, nicht nur wegen der unglaublichen läuferischen Leistung seiner Spieler, vor große Probleme stellt.

Nachteile: Wer soll diese Dortmunder Mannschaft denn eigentlich aufhalten? Nur sie selbst. Das Umfeld ist ruhig und baut keinerlei Druck auf, während auch die Mannschaft extrem gefestigt wirkt. Einzig und allein die Verletzungen von Leistungsträgern könnten den BVB zurückwerfen. Jedoch hat diese Saison bisher gezeigt, dass in Dortmund wohl jeder zu ersetzen ist.

Fazit: Falls der BVB nicht komplett einbrechen sollte, was derzeit nicht zu befürchten ist, wird man den Titel verteidigen können. Zu gut funktioniert das technische, taktische und läuferische Spiel der Dortmunder, die einer gutgeölten Maschine gleichen, die jeden Gegner in Grund und Boden rennt. Das „System Klopp“ funktioniert nun schon seit vier Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht.

FC Bayern München

Vorteile: Ein großer Vorteil der Münchner ist sicherlich ihre Erfahrung im Meisterkampf. Die Münchner Profis sind mit allen Wassern gewaschen und kommen so langsam ins Rollen. Die Umstellungen von Heynckes, Kroos wieder auf die Zehn zu stellen, Müller für Robben rechts spielen zu lassen und mit Luiz Gustavo das Mittelfeld kompakter zu machen, gehen bisher auf. Falls die Bayern einen Lauf bekommen, wird es, dank der individuellen Klasse der Münchner, schwer für jeden Gegner, etwas entgegenzusetzen. Spieler wie Franck Ribery oder Tormaschine Mario Gomez sind im Kampf um die Meisterschaft sicher ein Faustpfand und auch Arjen Robben wird in den wichtigen Spielen seinen Wert für die Bayern präsentieren.

Nachteile: Eben jener Robben wird sich aber wohl, falls die Systemumstellung weiterhin funktionieren sollte, öfters auf der Bank wiederfinden. Eine Rolle die dem stolzen Holländer gar nicht passt und neben den Vertragsverhandlungen für Unruhe innerhalb der Mannschaft sorgen könnte. Zudem fehlt mit Bastian Schweinsteiger der Kopf der Mannschaft für die nächsten Wochen. Es wird sich zeigen in wie weit David Alaba in wichtigen Spielen den Mittelfeldleader geben kann. Der Kader ist im Vergleich zu den Dortmundern zudem etwas dünn besetzt. Weder zu Gomez, Ribery oder Lahm gibt es Alternativen, was sich beim Tanz auf drei Hochzeiten noch rächen könnte.

Fazit: Der FC Bayern wird zum Schluss im Meisterschaftrennen bleiben, jedoch seinem dünnen Kader Tribut zollen müssen. Falls die Mannschaft aber endgültig ins Rollen kommen sollte und von Verletzungen verschont bleibt, wird es schwer für die Konkurrenz, die Bayern aufzuhalten.

Borussia Mönchengladbach

Vorteile: Niemand hatte die Gladbacher auf der Rechnung, dementsprechend unbekümmert und befreit können sie, wie man in Interviews Mantra-ähnlich von sich gibt, von Spiel zu Spiel schauen. Nach den überragenden Spielen gegen die Bayern und Schalke muss man die Fohlen endgültig auf der Rechnung haben. Die Defensive ist dank Taktik-Fuchs Lucien Favre vom Schweizer Käse zum Gouda-Block mutiert. Die taktische Ordnung und Disziplin der Gladbacher ist beeindruckend und zeigt die eindeutige Handschrift des Trainers. Marc-Andre ter Stegen ist einer der besten Torhüter der Bundesliga, während Dante und Martin Stranzl ein bombensicheres Innenverteidiger-Gespann bilden. Wenn man über die Offensive der Borussia spricht, kommt man an Marco Reus natürlich nicht vorbei. Dieser hat in der aktuellen Saison auch seine letzte Schwäche abgelegt und ist im Torabschluss um einiges sicherer geworden. Nicht zu vergessen sind aber auch Mike Hanke und Juan Arango: der eine ist ein spielender Stürmer par excellence, der Lücken reißt und die Bälle klug verteilt, der andere ist durch seine technischen Fähigkeiten und beeindruckende Schusstechnik im offensiven Mittelfeld unverzichtbar.

Nachteile: Ein Defizit der Gladbacher besteht in ihrer mangelnden Erfahrung im Meisterschaftskampf. Fraglich ist auch, ob sie dieses Niveau, wie gegen Bayern und Schalke, auch auswärts konstant abrufen können. Zudem stellt sich natürlich die Frage: Was passiert, wenn sich Marco Reus verletzt? Er ist einfach unersetzlich für das Gladbacher Offensivspiel. Der junge Patrick Herrmann hat zwar enorm viel Talent, kann aber einen Marco Reus noch nicht adäquat ersetzen. Dasselbe gilt fast eins zu eins für den Ausfall von Abwehrchef Dante, Hanke oder Arango.

Fazit: Borussia Mönchengladbach wird wohl nicht bis zum Schluss um die Meisterschaft mitkämpfen, dafür ist der Kader einfach zu dünn und es fehlt die nötige Erfahrung. Die CL-Qualifikation dürfte aber sicher sein. Eine Tatsache, die wohl jedem Gladbacher vor der Saison die Freudentränen ins Auge getrieben hätte.

Ral, abseits.at

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