In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,... Leistungscheck-Zwischenfazit (2) – Zlatko Junuzovic

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Wir wollen die Winterpause nutzen, um ein Zwischenfazit zu ziehen und die Leistungen der einzelnen Legionäre noch einmal im Detail zu analysieren. Nachdem wir im ersten Teil David Alaba unter die Lupe nahmen, wollen wir uns nun den SV-Werder-Bremen Legionären zuwenden und starten mit Zlatko Junuzovic.

Zlatko Junuzovic ist endgültig in der deutschen Bundesliga angekommen. Der Werder-Mittelfeldmotor, der vor etwa elf Monaten in Bremen unterschrieb, benötigte in der Anfangsphase ein wenig Eingewöhnungszeit, spielt in der aktuellen Saison nun aber seine Stärken voll aus.

Vom Wackelkandidaten zur Identifikationsfigur

Zlatko Junuzovic nahm in der Hinrunde an 16 von 17 Meisterschaftspartien teil und versäumte nur ein Match wegen einer Sperre nach der fünften gelben Karte. Ansonsten stand er nur in der dritten Runde, bei der 3:2-Auswärtsniederlage gegen Hannover 96, nicht in der Startaufstellung. In den 16 Einsätzen brachte er es auf 1307 Spielminuten, in denen er zwei Treffer und einen Assist beisteuerte. Die Tore schoss er in den Runden vier und acht, den VfB Stuttgart, beziehungsweise Borussia Mönchengladbach. Diese beiden Treffer waren jedoch nicht seine einzigen Tore im vergangenen Halbjahr, denn der Nationalspieler erzielte bei der 1:2-Niederlage beim WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland den einzigen Treffer für die österreichische Nationalmannschaft. Den Assist zum Tor steuerte sein Teamkollege Marko Arnautovic nach einer schönen Einzelaktion bei.

Das Spiel gegen Deutschland kann teilweise als Symbolbild für die Hinrunde der Bremer gesehen werden, denn auch die junge Werder-Mannschaft zeigte in der Hinrunde oft attraktiven Offensivfußball, hatte die besseren Chancen, brachte sich aber aufgrund einer schwachen Chancenauswertung selbst um die Früchte der Arbeit. Nach 17 Runden stehen die Bremer mit 22 Punkten auf dem 12. Tabellenplatz, wobei die Mannschaften im Mittelfeld der Tabelle sehr nah beisammen liegen – auf den fünften Platz fehlen nur vier Punkte! Mit einer guten Rückrunde können sich die Bremer also immer noch fürs internationale Geschäft qualifizieren.

Der “Solo-Sechser“ für die Bremer

Der österreichische Nationalspieler agiert in Thomas Schaafs 4-1-4-1-System als alleiniger Sechser und spult in den Partien ein enormes Laufpensum ab. Zwölf bis dreizehn Kilometer pro Partie sind für Junuzovic Standard, denn der Mittelfeldspieler ist ständig in Bewegung und verfügt über einen großen Aktionsradius. Vor ihm spielt meist das kreative Mittelfeld-Duo Aaron Hunt und Kevin De Bruyne, zwei Kicker, die zwar ebenfalls über gute Laufwerte verfügen, meist aber sehr offensiv agieren, wodurch Junuzovic viele Löcher zu schließen hat. Neben seiner stark verbesserten Zweikampfquote (siehe etwas weiter unten) glänzte er oftmals dank seiner hervorragenden Technik, Übersicht und Spielintelligenz. Junuzovic verfügt somit über alle Fertigkeiten, die einen modernen Sechser auszeichnen. Dass Thomas Schaaf den früher offensiver agierenden Mittelfeldspieler ein wenig umfunktionierte, stört ihn überhaupt nicht – in einem Interview mit dem Kicker meinte er, dass dies vielleicht sowieso die Idealposition für ihn wäre. Es wird aber interessant sein welche Rolle Junuzovic einnehmen wird, wenn die Chelsea-Leihgabe Kevin De Bruyne die Bremer verlassen wird. Der Leihvertrag des Belgiers läuft im Sommer aus und viele Werder-Fans halten es für möglich, dass der Österreicher dann seinen Platz im zentralen offensiven Mittelfeld einnehmen wird.

Seine bisherigen Statistiken in der aktuellen Meisterschaftssaison

Junuzovic gewöhnte sich an das Zweikampfverhalten in der deutschen Bundesliga und legte in dieser Statistik im Vergleich zum Vorjahr enorm zu. Während er in der Rückrunde der vergangenen Saison nur 44,8% seiner Duelle gewann, entschied er nun 57,2% seiner Zweikämpfe für sich. Eine fantastische Leistungssteigerung, die man in diesem Ausmaß nicht erwarten durfte. Aufgrund seiner Körpergröße liegt es auf der Hand, dass er in Luftduellen meist das Nachsehen hatte. Während er nur 42,3% seiner Kopfballduelle für sich entschied, gewann er 60,1% der Zweikämpfe am Boden. Junuzovic beging 28 Fouls und sah fünfmal die gelbe Karte, wurde selbst aber 43 Mal gefoult, also 2,96 Mal pro 90 Minuten – ein recht hoher Wert. Junuzovic kam auf insgesamt 972 Ballkontakte, was 67 Berührungen pro 90 Minuten entspricht. Im Vergleich zum letzten Jahr konnte er diesen Wert im Schnitt um sieben Ballkontakte in die Höhe schrauben. Seine Passgenauigkeit ist verglichen zum Vorjahr um 0,7% gesunken und liegt nun bei 82,8%, was natürlich immer noch ein guter Wert ist. Junuzovic schoss insgesamt 18 Mal aufs gegnerische Tor und war an 37 Torschüssen beteiligt. Im Schnitt fing der 25-Jährige 3,6 gegnerische Pässe pro Partie ab, eine Statistik, die sein gutes Stellungsspiel untermauert.

Zlatko Junuzovic hält gemeinsam mit David Alaba den besten kicker-Notenschnitt aller ÖFB-Legionäre. Nach 16 bewerteten Spielen steht sein Notenschnitt bei einer glatten 3, wobei vor allem die Konstanz seiner Leistungen beachtlich ist. In 14 von 16 Spielen bekam er vom kicker keine schlechtere Bewertung als eine 3,5, ansonsten erhielt er in der 10. Runde gegen den 1. FSV Mainz 05 eine 4, und in der fünften Runde gegen den SC Freiburg eine 5. Die beste Saisonleistung bot er in der achten Runde beim 4:0-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach, die der kicker mit einer 1,5 belohnte.

Fazit

Junuzovic ist einer der großen Gewinner der Hinrunde und steigerte sich enorm im Vergleich zu seinem ersten halben Jahr in der deutschen Bundesliga. Der österreichische Nationalspieler begründete diese Leistungsexplosion unter anderem mit der stark verbesserten Chemie innerhalb der Mannschaft. Junuzovic fühlt sich in Bremen sehr wohl und zahlt seinem Trainer nun das in ihm entgegengebrachte Vertrauen zurück. Thomas Schaaf setzte schon in der Rückrunde des vergangenen Jahrs auf den laufstarken Österreicher, obwohl Junuzovic ihm damals genug Argumente lieferte, um ihn auf die Ersatzbank zu setzen. Der 25-Jährige spielte sich in die Herzen der Bremer-Fans, was nicht nur mit den Leistungen am Platz zusammenhängt, sondern auch mit seinem bescheidenen Auftreten abseits des grünen Rasens, was gerade in Bremen sehr gut ankommt. Als er wegen seiner fünften gelben Karte pausieren musste, sagte er in einem Interview, dass sein Ersatzmann Aleksander Ignjovski aufgrund seiner starken Leistung eigentlich auch in der darauffolgenden Partie einen Einsatz verdient hätte: „Iggy hat wirklich sehr stark gespielt – jedenfalls dann, wenn ich zugeschaut habe. Es kann sein, dass der Trainer diese starke Leistung belohnt. So muss es ja eigentlich sein.“ Eine starke Aussage, die den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft demonstriert.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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