In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,... Leistungscheck-Zwischenfazit (8) – Martin Harnik

Martin Harnik (VfB Stuttgart, ÖFB)In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Wir wollen die Winterpause nutzen, um ein Zwischenfazit zu ziehen und die Leistungen der einzelnen Legionäre noch einmal im Detail zu analysieren. Nachdem wir gestern die Leistung des 19-jährigen Talents Raphael Holzhauser betrachteten, nehmen wir nun seinen Mannschaftskollegen Martin Harnik unter die Lupe, der in der Hinrunde der aktuellen Meisterschaft nur selten an seine starken Leistungen aus der Saison 2011/12 anknüpfen konnte.

Martin Harnik an seiner vergangenen Saison zu messen wäre jedoch nicht ganz fair, denn 17 Tore und acht Assists darf man sich von einem (wenn auch offensiven) Mittelfeldspieler nicht jedes Jahr erwarten. Der österreichische Nationalspieler traf damals wie am Schnürchen und benötigte für seine 17 Treffer nur 62 Schussversuche, was bedeutet, dass 27,4% seiner Schüsse im Tor landeten.

Vorjahressaison außer Reichweite

In der aktuellen Spielzeit ist Martin Harnik noch auf der Suche nach seiner Effektivität aus der Vorjahressaison, denn der Mittelfeldspieler kann momentan “nur“ fünf Tore und zwei Assists auf seinem Konto verbuchen, wobei er alle Treffer in Auswärtsspielen erzielte! Die Anzahl seiner Torschüsse ging jedoch nicht zurück, denn während er letztes Jahr alle 90 Minuten genau zwei Schüsse abgab, steht er heuer sogar bei 2,05 Versuchen  pro 90 Minuten. Man darf jedoch nicht außer Acht lassen, dass der Mittelfeldspieler vergangenes Jahr DIE Überraschung schlechthin war und sich viele Mannschaften von seiner Torgefährlichkeit überrumpeln haben lassen. Die gegnerischen Trainer stellten sich nun besser auf seine Spielweise ein und betreiben mehr Aufwand, um den 25-Jährigen zu neutralisieren.

Fast doppelt so oft gefoult wie im Vorjahr

Martin Harnik kam in 16 von 17 Bundesligarunden zum Einsatz und begann 15 Mal in der Startaufstellung. Er versäumte lediglich die fünfte Meisterschaftsrunde, da er einen Spieltag zuvor, beim 2:2-Unentschieden gegen den SV Werder Bremen, nicht nur einen Treffer erzielte, sondern auch in der 88. Minute Gelb-Rot sah. Insgesamt absolvierte der rechte Flügelspieler 1316 Spielminuten. Während er in der vergangenen Saison 43,1 Ballkontakte pro 90 Minuten hatte, kam er in dieser Statistik in der aktuellen Spielzeit auf 40,2 Ballberührungen. Auch die Anzahl der gewonnen Zweikämpfe verschlechterte sich ein wenig von 41,4 auf 40,9%. Auffallend ist, dass Martin Harnik in der aktuellen Saison weitaus härter attackiert wird, als noch im vergangenen Jahr. In der Saison 2011/12 wurde der offensive Flügelspieler pro 90 Minuten rund 1,1 Mal gefoult, heuer wurde er 1,9 Mal mit unfairen Mitteln gestoppt, also fast doppelt so oft. Diese Statistik spricht für die oben erwähnte Feststellung, dass die gegnerischen Trainer Harnik genauer markieren lassen und seine offensiven Freiheiten so weit wie möglich einzuschränken versuchen.

Weitere Statistiken

Martin Harnik gab in der aktuellen Spielzeit 30 Torschüsse ab (2,05 pro 90 Minuten) und war an insgesamt 50 Schussversuchen beteiligt. Er spielte 0,8 Schlüsselpässe pro 90 Minuten und ging 1,1 Mal pro Partie per Dribbling an einem Gegenspieler vorbei. Auch bei dieser Statistik verschlechterte er sich ein wenig, denn letzte Saison gelangen ihm 1,4 erfolgreiche Dribblings pro Partie. Er machte 2,1 Tacklings pro Spiel, fing 0,9 gegnerische Pässe ab und klärte ebenso oft den Ball aus der Gefahrenzone. Von 319 gespielten Pässen kamen 64,6% bei seinen Mitspielern an, von 24 Flanken landeten sechs bei einem Mannschaftskollegen (25%). Martin Harnik ist nach wie vor einer der lauffreudigsten Spieler der deutschen Bundesliga und knackt zumeist die 12-Kilometer-Marke, wenn er über die gesamten 90 Minuten am Spielfeld steht. Ebenfalls hervorragend ist die Anzahl seiner Aktionen bei hohem Tempo, denn kaum ein anderer Bundesligaspieler sprintet öfters als der Österreicher.

Fazit

Wenn man die wichtigste Statistik, die Anzahl der erzielten Treffer, weglässt,  dann sehen Martin Harniks Leistungsdaten gar nicht so unterschiedlich verglichen mit seinen Vorjahreswerten aus.  Er verschlechterte sich zwar in den meisten Bereichen minimal, die Unterschiede halten sich jedoch in Grenzen. Auch im vergangenen Jahr hatte er viele Spiele, in denen seine Werte alles andere als optimal waren, aber er kam insgesamt auf 25 Scorerpunkte und überstrahlte alle Mankos mit seiner Effektivität. Trotz seiner 17 Tore und acht Assists bekam er nur einen kicker-Notenschnitt von 3,46. Martin Harnik ist nämlich ein Spieler, der fast immer einen Scorerpunkt machen muss, um eine gute Bewertung zu bekommen. Der Österreicher hat meistens wenige Ballkontakte und das Spiel läuft über weite Strecken an ihm vorbei. Im Vergleich zu Flügelspielern wie Marko Arnautovic glänzt er selten mit spektakulären Szenen, es sei denn es handelt sich um einen Torabschluss. Das ist auch der Grund weshalb ein Spieler mit 25 Scorerpunkten “nur“ einen Notenschnitt von 3,46 bekommen kann. Erzielt Harnik kein Tor oder keinen Assist, dann erhält er meistens eine Bewertung jenseits der Note 4.

In der aktuellen Saison traf Martin Harnik seltener und steht momentan bei einem kicker-Notendurchschnitt von 3,81, wobei er insbesondere in den Runden 13 bis 16 komplett von der Rolle war und schwache Leistungen zeigte. Die Winterpause kommt ihm sicherlich nicht ungelegen, auch wenn er in der letzten Runde, bei der 1:3-Niederlage gegen den 1. FSV Mainz 05 den Ehrentreffer erzielen konnte. Dass er verglichen mit dem Vorjahr nur selten glänzen konnte, lag einerseits an der schwachen Chancenauswertung, andererseits machten es ihm, wie oben bereits erwähnt, die gegnerischen Mannschaften bei weitem schwerer. Harnik fand selten viel Platz vor, wurde aggressiver attackiert und fast doppelt so oft gefoult.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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