Beide Vereine stehen nur auf den ersten Blick überraschend soweit oben. Es kommt in dieser Partie außerdem zum Duell der beiden erfolgreichsten österreichischen Trainer.... Match of the Weekend: 1. FC Köln vs. RB Leipzig

_Peter Stöger - 1.FC KölnBeide Vereine stehen nur auf den ersten Blick überraschend soweit oben. Es kommt in dieser Partie außerdem zum Duell der beiden erfolgreichsten österreichischen Trainer.

1. FC Köln

Im Kölner Blätterwald rauscht es wieder gewaltig, der Boulevard spekuliert mal wieder: Mit wie vielen Punkten Vorsprung wird der „Effzeh“ sich wohl für die Champions League qualifizieren? So oder so ähnlich wäre es wohl noch vor ein paar Jahren gewesen, wenn die Geißböcke hinter Bayern auf Platz zwei der Tabelle gestanden hätten.

Unter der aktuellen sportlichen Führung von Trainer Peter Stöger und Sportchef Jörg Schmadtke ist übertriebene Euphorie aber tabu, Luftschlösser werden mit dem Presslufthammer eingerissen. Platz zwei ist für die beiden zwar eine schöne Bestandsaufnahme, sie wissen aber auch ganz genau, dass dies zu diesem Zeitpunkt der Saison einem Muster ohne Wert gleichkommt.

In Köln verfolgt man aktuelle eine gesunde Politik der kleinen Schritte. Sportlich lautet das Motto nach kahnscher Diktion  „Weiter, immer Weiter“. Trotzdem lassen sich auch von Berufsmahnern einige Tatsachen nicht wegdiskutieren: Die Mannschaft von Stöger ist mittlerweile ein konstantes Gebilde: sie ist eingespielt, taktisch diszipliniert und verfolgt einen klaren Plan, der arg verkürzt lautet: aus einer sicheren Defensive eiskalt zuschlagen. Wie gut das funktioniert, belegen ein paar Zahlen: aus insgesamt 24 Torschüssen in dieser Saison, resultieren acht Saisontore. Man liegt damit in Sachen Chancenverwertung im oberen Drittel der Bundesliga, erzielt im Schnitt zwei Tore pro Spiel. Zudem hat die Kölner Defensive erst ein Gegentor kassiert und stellt damit neben Bayern die derzeit beste Abwehr der Liga. Alles Gründe dafür, warum der „Effzeh“ in dieser Saison noch ungeschlagen ist.

Spielerisch brillieren, das tun die Kölner nicht. Auch Ballbesitz ist nicht die oberste Prämisse, im Schnitt haben sie pro Spiel dabei nur eine Quote von 43 Prozent. Unter Stöger holen sie aber das Optimum aus ihren Möglichkeiten heraus. Schmadtke hat seinem Trainer überdies einen qualitativ, wie quantitativ breiten Kader zur Verfügung gestellt, der mit beispielsweise Timo Horn, Leonardo Bittencourt,  Jonas Hector, Frederik Sörensen oder Anthony Modeste auch über tolle Einzelspieler verfügt. Vor allem der Franzose war bisher an über der Hälfte der Kölner Tore direkt beteiligt (4 Tore, 1 Assist) und spielt erneut eine ganz starke Saison.

Jedoch muss Stöger für die Partie gegen Leipzig wohl auf Dominic Maroh und Bittencourt verzichten, die zwei schwerwiegende Ausfälle darstellen würden.

RB Leipzig

Hier soll es im Zusammenhang mit den Leipzigern mal nicht um die Rahmenbedingungen des Vereins, sondern nur um das Sportliche gehen. Man kann von dem Konstrukt RB Leipzig halten was man will, aber fußballerisch gesehen tummelt sich da in Sachsen eine der spannendsten Mannschaften der Bundesliga.

Das fängt bereits beim Trainer an: Ralph Hasenhüttl lässt, wie schon bei Ingolstadt, ein sehr aggressives Pressing spielen, wenn auch nicht ganz so intensiv und ist vor allem darauf bedacht, gegen Topmannschaften sein Mittelfeld extrem kompakt und massiert auftreten zu lassen. So gelang unter anderem ein Sieg gegen Dortmund. Zudem ist die Mannschaft eines der laufstärksten Team der Liga, was für das System Hasenhüttl auch unbedingt von Nöten ist. Der Ansatz des Österreichers impliziert auch, dass man in Leipzig auf Ballbesitz pfeift. Vielmehr operiert das Team mit schnellem Umschaltspiel, sowie langen Bällen, wobei die Zielsetzung ist möglichst viele zweite Bälle zu gewinnen, um dann schnell vorm gegnerischen Tor zum Abschluss zu kommen.

In dieser Herangehensweise unterscheiden sich Hasenhüttl und sein Gegenüber Stöger gar nicht so sehr. Auch die „Roten Bullen“ überzeugen beispielsweise bisher durch eine effektive Chancenverwertung. Genau wie Gegner Köln sind auch die Sachsen noch ungeschlagen in dieser Saison, trotz eines Auftaktprogramms mit Hoffenheim, BVB, Hamburg und Gladbach.

Dass Leipzig aufgrund der finanziellen Mittel natürlich nicht als prototypische Aufsteiger gesehen werden kann, wird allein durch einen Blick auf den Kader deutlich. Vor allem in der Offensive  verfügt RB mit Yussuf Poulsen, Emil Forsberg, Timo Werner, Marcel Sabitzer oder Davie Selke über absolute Toptalente, die technisch hervorragend ausgebildet sind. Zusätzlich hat man mit Oliver Burke eines der ganz großen Talente des europäischen Fußballs in seinen Reihen. Laut Sportdirektor Ralf Rangnick gewöhnt sich der Schotte immer mehr an die Anforderungen von Hasenhüttl, was bei Burkes Potenzial einer Warnung an die Liga gleichkommt.

Leipzigs Trainer könnte vor der Partie gegen Köln eigentlich aus dem Vollen schöpfen, wäre da nicht der langzeitverletzte Außenverteidiger Lukas Klostermann, der der Mannschaft auf lange Sicht sehr fehlen wird. Vor seinem Kreuzbandriss galt er als kommender Nationalspieler.

So könnten sie spielen:

1. FC Köln: Horn – Sörensen, Mavraj, Heintz, Hector – Lehmann, Höger – Risse, Zoller – Osako, Modeste

RB Leipzig: Gulasci – Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg – Ilsanker, Demme – Kaiser, Sabitzer – Werner – Poulsen

Daten & Fakten zum Spiel

Köln ist saisonübergreifend seit 9 Spielen ungeschlagen.

Anthony Modeste traf seit seinem Wechsel im Sommer 2015 in 17 verschiedenen Spielen, dabei holten die Kölner 37 Punkte (Schnitt 2,2 Punkte pro Spiel), in den 21 Spielen ohne Modeste-Treffer nur 0,8.

Timo Werner kann zum jüngsten Bundesliga-Spieler aller Zeiten werden, der 100-Bundesligaspiele-Marke knackt.

Köln hat nach 4 Spielen bereits 10 Punkte auf dem Konto. Das war umgerechnet das letzte Mal 1989 unter Christoph Daum der Fall.

Köln blieb in den letzten 3 Heimspielen ohne Gegentor.

Ral, abseits.at

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