Mit Pep Guardiola kommt ein neuer Trainer zum FC Bayern. Dies hat nicht nur Folgen für die Mannschaftsaufstellung, sondern auch für den österreichischen Legionär... Pep Guardiola beim FC Bayern (2): Was bedeutet der Trainerwechsel für David Alaba

David Alaba (ÖFB. FC Bayern München)Mit Pep Guardiola kommt ein neuer Trainer zum FC Bayern. Dies hat nicht nur Folgen für die Mannschaftsaufstellung, sondern auch für den österreichischen Legionär David Alaba. Österreichs Fußballer des Jahres spielte in seiner Karriere bereits auf unzähligen Positionen – und der ehemalige Barcelona-Trainer Guardiola ist bekannt dafür, seine Spieler auf unterschiedlichen Positionen einzusetzen. David Villa kam als Mittelstürmer von Valencia und spielte auf dem Flügel. Andrés Iniesta spielte als zentraloffensiver Mittelfeldspieler oder als linker Außenstürmer, während Lionel Messi vom Rechtsaußen zum Mittelstürmer wurde. Welches Schicksal könnte also Riesentalent David Alaba blühen?

Alaba als Linksaußenverteidiger

Die Rolle, welche er aktuell erfolgreich spielt, ist jene des Linksverteidigers. Auf dieser Position gilt Alaba als eines der größten Talente im Weltfußball und könnte über kurz oder lang die absolute Weltklasse erreichen. Unter Pep Guardiola könnte sich seine Position aber etwas verändern. Aus dem klassischen Linksverteidiger, welcher sich situativ mit nach vorne einschaltet, könnte ein durchgehend sehr hoher und extrem offensiver Außenverteidiger werden.

Beim FC Barcelona ließ Pep Guardiola beispielsweise die Außenverteidiger bereits im Aufbauspiel sehr weit nach vorne aufrücken. Im Angriffsspiel schoben sie dann bis in die Nähe des gegnerischen Strafraums, insbesondere Dani Alves auf der rechten Seite interpretierte seine Rolle fast schon wie ein Flügelstürmer. Außerdem rückte er immer wieder von seiner hohen Positionierung diagonal Richtung Tor und war einer der gefährlichsten Akteure in der hochklassigen katalanischen Mannschaft.

David Alaba bringt ähnliche Voraussetzungen mit, wie der Brasilianer. Er ist schnell, ausdauernd, athletisch und enorm dynamisch im Umschaltspiel. Dadurch kann er trotz seiner offensiven Positionierung seine Seite defensiv sichern und seine Defensivarbeit im Rückwärtspressing ableisten. Gleichzeitig bringt er die technische Qualität und Kombinationsstärke mit, um diese offensive Rolle auch effektiv bekleiden zu können. Seine Beteiligung am Kombinationsspiel im letzten Drittel, wodurch sein Vordermann, bspw. wie jetzt Franck Ribéry, dann noch stärker in die Mitte rücken könnte, wäre wohl Gold wert.

Alaba als zentraler Mittefeldspieler

Doch Alaba ist nicht nur als Linksverteidiger gut aufgehoben. Auch im Mittelfeldzentrum konnte er schon einige starke Leistungen abliefern. Die Rolle als alleiniger Sechser ist ihm aber nicht zuzutrauen – einerseits bringt er nicht die nötigen Qualitäten für ein konstant stabiles Stellungsspiel mit und im Bereich strategisches Denken ist auch noch Luft nach oben vorhanden. Andererseits wären seine Fähigkeiten auf dieser Position ohnehin nur suboptimal eingesetzt. Ähnlich verhält es sich auch auf der offensiven Sechs (in einem 4-3-3/4-2-3-1) oder der defensiven Acht (bei einem 4-1-2-3) in einem auf Ballbesitz orientierten System.

Die Geduld und das strategische Denken fehlen ihm (noch), weswegen in der Mittelfeldzentrale eigentlich nur ein Platz passend scheint: nämlich zwischen den beiden Flügelstürmern. Hier könnte er seine Handlungsschnelligkeit, seine Fähigkeiten im Pressing und seine Stärken im Kollektivspiel ideal miteinbringen.

Seine Rolle wäre nicht die eines Taktgebers oder Spielmachers – auch wenn es die Position suggerieren mag –, sondern die eines Verbindungsspielers auf die Flügel und nach vorne. Er wäre geradezu prädestiniert dafür, dass er mit viel Laufarbeit Räume öffnet und bespielt, sich mit sicheren kurzen Pässen nach vorne arbeitet und die Flügelstürmer ins Spiel bringt, ohne Ballverluste zu riskieren. Als Linksfuß würde er noch eine weitere interessante Komponente ins Spiel bringen; so könnte er situativ auf den linken Flügel ausweichen, wenn der linke Außenstürmer einrückt.

Außerdem kann Alaba als zentraloffensiver Mittelfeldspieler seine Defensivstärke hervorragend miteinbringen. Er wäre immer in der Nähe, um sich am Gegenpressing (direkte Balleroberungsversuche des Kollektivs sofort nach Ballverlusten) zu beteiligen oder sich im Angriffspressing als zweiter Stürmer zu positionieren; diese Rolle spielte beispielsweise Shinji Kagawa bei Borussia Dortmund hervorragend.

Dennoch erscheint diese Spielweise für Alaba etwas unpassend – obwohl es ihm eigentlich an gar nichts fehlt. Trotzdem wirkt er wie ein Spieler, der einfach für die Außenbahn geschaffen scheint. Dort gäbe es noch die Möglichkeit einer anderen Positionierung.

Alaba als Außenstürmer

Auch der zuvor erwähnte Dani Alves wurde von Pep Guardiola einige Male nach vorne geschoben. Er spielte dann zumeist in einem 3-4-3/3-3-4-System als Außenstürmer, gab dem Spiel viel Breite und konnte sein diagonales Einrücken in Richtung Tor deutlich öfter praktizieren.

Jedoch erscheint es sehr fraglich, ob Guardiola Alabas Rolle anpasst. Einerseits, weil Dani Alves nur selten diese Position im 4-3-3 spielte, andererseits weil eine durchgehende Dreierkette und nur einem nominellen Außenspieler für die Bayern unwahrscheinlich erscheint. Als Außenstürmer könnte Alaba aber unter Umständen eine Rolle wie Pedro oder eben Alves in seinen seltenen Einsätzen ausüben: Breite geben, mit Dynamik hinter die Abwehr laufen und dort Schnittstellenpässe mit Hereingaben oder eigenen Abschlüssen verwerten.

Auf dieser Position und in dieser Rolle könnte Alaba zwar der Mannschaft unter Umständen viel geben, doch ob er wirklich auf diese Art eingesetzt wird scheint mehr als fraglich. Seine zahlreichen Stärken werden nicht betont, obwohl die Rolle im Pressing natürlich enorm wichtig und komplex ist, und es bleibt abzuwarten, ob Alaba diese Rolle ausüben könnte. In puncto Torgefahr und Timing könnte es sein, dass hier Nachholbedarf bestehen könnte.

Fazit

Mit Pep Guardiola beginnt beim FC Bayern eine neue Zeitrechnung. Ob sie wirklich so positiv sein wird, wie es Medien und Fans erwarten, bleibt abzuwarten. Dennoch werden mit hoher Wahrscheinlichkeit gewisse Veränderungen geschehen. Der Fokus auf den Ballbesitz wird noch stärker werden, die Spielphilosophie wird wichtiger und die kollektive Bewegung im Pressing und Offensivspiel dürfte sich deutlich erhöhen.

Diese Aspekte, falls sie erfolgreich umgesetzt werden, sollten eigentlich die Stärken Alabas betonen. Er ist intelligent, bewegt sich gut im Kollektiv, öffnet Räume und ist sicher im schnellen Kombinationsspiel. Welche Rolle er letztlich bekleiden wird, steht in den Sternen. Allerdings kann man davon ausgehen, dass ein Bankplatz unwahrscheinlicher zu sein scheint, als Alaba in einer Messi-ähnlichen Mittelstürmerrolle.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric