Neben der heimischen tipico-Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln... Poulsen, Micanski & Reichel – Die Gewinner des 2. Spieltages der 2. deutschen Bundesliga

SpVgg Greuther FürthNeben der heimischen tipico-Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln sich dort in zahlreichen Klubs (potentielle) Nationalteamakteure, denen es genau auf die Beine zu schauen gilt. Auch in der 41. Saison reißt der Boom rund um die Liga nicht ab, die extrem ausgeprägte Ausgeglichenheit verleiht der 2. deutschen Bundesliga ihren Reiz. In Zukunft möchte ich kurz auf die Tops und Flops der jeweiligen Runde eingehen.

SpVgg Greuther Fürth

Nicht nur die überzeugende spielerische Leistung und der damit einhergehende Prestigeerfolg machen die Fürther zu einem der Gewinner des Spieltages. Das ohnehin schon spezielle Derby wurde für die Grün-Weißen ob des tragischen Autounfalls des Teamkollegen Ilir Azemi wohl noch spezieller. Der 22-jährige Stürmer erlitt am Donnerstag vor dem Frankenderby neben mehreren Knochenbrüchen im Hüftbereich auch eine Lungenquetschung. Einerseits das sportliche Highlight vor der Tür, andererseits die ungewisse Situation rund um den Striker – eine alles andere als einfache Konstellation. T-Shirts mit Ilirs Rückennummer 33 brachten die Verbundenheit mit ihm zum Ausdruck, im Vorfeld wurde immer wieder betont, den Derbysieg für Azemi erringen zu wollen.

Sportlich zeigte sich die Spielvereinigung von ihrer besten Seite, nahm vom Anpfiff weg die Zweikämpfe an und agierte abgezockt – ganz im Stile einer Spitzenmannschaft. Natürlich unterliefen dem Gegner Fehler en masse, doch erst die Fähigkeit aus den Schnitzern Kapital zu schlagen zeugt von echter Qualität. Die Effizienz und Abgebrühtheit, die die Fürther Montagabend auszeichnete, konnte sich schon sehen lassen. Mit diesem überzeugenden Kantersieg im Derby unterstrichen die Grün-Weißen ihre Aufstiegsambitionen und prolongierten die schwarze Derbyserie des Clubs. Linksaußen Baba erwischte einen Traumtag und avancierte mit einem herausgeholten Elfmeter und einem Doppelpack zum Matchwinner. Der Ghanaer, der als Allrounder gilt, war zuvor nicht unbedingt als Torjäger bekannt. Sein fulminanter Auftritt führte zu einem persönlichen Aufstieg: in Zukunft kann der Derbyheld sein Können in der Bundesliga zeigen – er wechselte nach dem Spiel zum FC Augsburg.

RB Leipzig & Yussuf Poulsen

Keine Frage, die spielerische Darbietung der Hausherren aus München war mehr als dürftig und das Team insgesamt inspirations- und mutlos. Allerdings dient diese Partie als Paradebeispiel für die Fußballweisheit, „dass man immer nur so gut spielt, wie es der Gegner zulässt.“ RasenBallsport Leipzig war eindeutig gewillt, die Fehler vom Spiel gegen Aalen abzustellen, wirkte weniger verkrampft und zielstrebiger. Vor allem aber verwerteten die Roten Bullen ihre Gelegenheiten. Die Offensivpower der Zorniger-Elf erdrückte 1860 und so kam der Gegner nie wirklich zur Entfaltung und strahlte kaum Gefahr aus. Ganz anders die Leipziger: vor allem der erst 20-jährige dänische Sturmtank Poulsen mit dem Gardemaß von 193cm, den trotz seiner stattlichen Größe eine bemerkenswerte Beweglichkeit auszeichnet, wusste zu überzeugen. Er stellte den Defensivverbund der Löwen immer wieder vor ernsthafte Probleme, bewies neben Torinstinkt, er erzielte den Treffer zur 1:0-Führung, auch spielerische Qualitäten. So setzte er seine Mitspieler gekonnt in Szene und band sich ins gefällige, schnell vorgetragene Kombinationsspiel ein. Dies belegt vor allem seine sehenswerte und überlegte Vorarbeit zum 2:0. Seiner Antrittsschnelligkeit gepaart mit einer sehr guten Technik hatten seine Gegenspieler ein ums andere Mal nichts entgegenzusetzen.

Mit einem weiteren Versuch scheiterte Poulsen, wie auch schon gegen den VfR am Aluminium. Der Däne war der Mann des Spiels und schickt sich an, vorausgesetzt er kann dieses Niveau halten, die Liga richtig aufzumischen. RB Leipzig setzte ein erstes Ausrufezeichen und diese erfrischende Leistung offenbarte, dass man sich bei der Formulierung der Saisonziele eindeutig in Understatement geübt hatte.

Iliyan Micanski

Der 28-jährige Micanski, der für den Karlsruher SC auf Torjagd geht, steht seit dem Juli vergangenen Jahres bei den Badenern unter Vertrag. KSC-Coach Markus Kauczinski hingegen muss es wohl vorkommen, als hätte er mit dem Bulgaren einen echten Neuzugang zur Verfügung. Aufgrund langwieriger und anhaltender Adduktorenprobleme konnte Micanski in der vorangegangenen Spielzeit lange nicht eingesetzt werden. So verzeichnete der Bulgare lediglich vier Tore in 662 Einsatzminuten.

Micanski konnte verletzungsfrei in die neue Saison starten und verdrängte den Niederländer van der Biezen aus der Startelf. Nachdem er bei der Nullnummer im heimischen Wildparkstadion gegen Union noch leer ausging, zeigte er gegen den FSV Frankfurt, welches Potenzial in ihm steckt. Lediglich 41 Minuten benötigte Micanski in Hälfte eins, um dem KSC mit einem Triplepack den Weg zum Sieg zu ebnen. In einer unterhaltsamen Begegnung zwang man den FSV in die Knie, für den ein Doppelpack von Edmond Kapllani schlussendlich zu wenig war. In der zweiten Halbzeit kam von den Gästen einfach zu wenig, um den Rückstand noch zu egalisieren. Neben dem alles überragenden Micanski überzeugte in den Reihen des KSC auch der Spanier Manuel Torres, der zwar die Riesenchance auf das zwischenzeitliche 3:1 versiebte, aber für zwei Micanski-Treffer Assists lieferte.

Ken Reichel

Gut Ding braucht Weile – so könnte man wohl den plötzlichen Offensivdrang von Ken Reichel am besten erklären. Zu behaupten, der Linksverteidiger im Dress von Eintracht Braunschweig strahle wenig Torgefahr aus, wäre bis vor dem Anpfiff der Saison 14/15 eine echte Übertreibung gewesen. Der 27-Jährige, der seit 2007 seine Brötchen in Niedersachen verdient, konnte als unumstrittener Stammspieler in 58 Zweitligabegegnungen nämlich keinen einzigen Treffer bejubeln, auch in 80 Spielen in Liga drei sollte ihm nur ein Törchen vergönnt sein. Beim Auftaktmatch entdeckte er seinen Torriecher, brachte sein Team mit dem wichtigen 1:1 wieder auf Kurs. Der bislang so glücklose Reichel dürfte nun auf den Geschmack gekommen sein, den souveränen 3:0-Heimerfolg gegen Aufsteiger Heidenheim stellte er mit zwei Volltreffern und einem Assist im Alleingang sicher. Wer braucht schon Domi Kumbela, wenn er Ken Reichel hat?

David Kühhas, abseits.at

David Kühhas

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