Am 29. Spieltag der deutschen Bundesliga stand das 148. Revierderby (das 88. in der Bundesliga) zwischen Schalke und Dortmund auf dem Programm. Es wurde... Schalke und Dortmund trennen sich im 148.Revierderby mit 2:2

Klaas Jan Huntelaar_abseits.atAm 29. Spieltag der deutschen Bundesliga stand das 148. Revierderby (das 88. in der Bundesliga) zwischen Schalke und Dortmund auf dem Programm. Es wurde ein Spiel mit zwei recht unterschiedlichen Halbzeiten: Während sich die beiden Teams im ersten Durchgang weitgehend gegenseitig neutralisierten, sorgten in der zweiten Hälfte Fehler hüben wie drüben für einige gefährliche Torszenen. Am Ende steht unter dem Strich ein 2:2-Unentschieden, das tabellarisch keinem der beiden großartig weiterhilft, sich für den nominellen Underdog Schalke aber natürlich tendenziell besser anfühlt. Eine Analyse.

Beide Teams begannen mit einigen personellen Veränderungen im Vergleich zu ihrem jeweils letzten Spiel: Auf Seiten der Schalker kamen nach der 0:3-Pleite in Ingolstadt Riether, Kolasinac, Höjbjerg, Belhanda und Huntelaar für Aogo, Goretzka, Meyer, Choupo-Moting und Di Santo ins Team. Auf Seiten des BVB setzte Coach Thomas Tuchel nach dem 1:1 in der Europa League gegen Liverpool auf großflächige Rotation: Aus der Startaufstellung vom Donnerstagabend blieben nur Hummels, Bender und Durm übrig, der Rest der Elf wurde ausgetauscht. Taktisch stellten sich beide Mannschaften in einer Art 3-4-3 auf, wobei die Dreierabwehrketten defensiv durch die jeweiligen Außenspieler Kolasinac und Junior Caicara bzw. Durm und Ginter unterstützt wurden.

In der ersten Hälfte standen beide Teams im Allgemeinen gut organisiert und taten sich durch das engagierte Pressing der jeweils anderen Mannschaft schwer, ihr Spiel geordnet nach vorne aufzubauen. Der BVB hatte die eine oder andere gute Situation nach Flanken und wenn es gelang, das Spiel breit zu machen. Schalke versuchte es häufig mit langen Bällen, die jedoch selten ihren Adressaten fanden. Am gefährlichsten waren auf beiden Seiten tendenziell Einzelaktionen – wie beispielsweise ein Durchbruch Pulisic‘ nach einem Einwurf (23.). Der Schuss des auffälligen Youngsters ging allerdings knapp am langen Pfosten vorbei. Auf der Gegenseite sorgten ein Distanzschuss von Sané an den Außenpfosten (33.) sowie ein Abschluss von Junior Caicara nach Pass von Belhanda (40.) für Gefahr. Der Schuss des brasilianischen Außenverteidigers verfehlte das Tor von Roman Bürki dabei ähnlich knapp wie zuvor auf der Gegenseite Pulisic‘ Versuch. Insgesamt aber eher ereignisarme erste 45 Minuten hatten als logischen Zwischenstand ein 0:0 zur Folge.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit kam beim BVB Mkhitaryan für Hummels ins Spiel. Nun wurde die Partie deutlich lebendiger; die Defensiven auf beiden Seiten standen weniger stabil als dies noch im ersten Durchgang der Fall gewesen war. Das 0:1 fiel nach sehenswerter Kombination von Kagawa und Leitner durch einen technisch perfekt gelungenen Chip des Japaners von der Strafraumgrenze nach zu viel Platz im Zwischenlinienraum (49.).

Nur zwei Minuten später präsentierte sich die Dortmunder Abwehr bei einem Schalker Angriff völlig ungeordnet und kam immer einen Schritt zu spät – Bürki konnte schließlich eine Hereingabe von Caicara nur direkt vor die Füße von Sané abklatschen, der das Leder aus kurzer Distanz mit Wucht zum 1:1-Ausgleich in die Maschen hämmerte.

Wiederum nur kurze Zeit danach fiel bereits das 1:2 als Produkt mangelhafter Abstimmung innerhalb der Schalker Defensive, als eine abgefälschte Freistoßhereingabe Mkhitaryans zwischen Neustädter und Kolasinac hindurch genau auf den Kopf Matthias Ginters fiel, der aus fünf Metern nur noch am chancenlosen Fährmann vorbei einnicken musste (56.).

Das 2:2 erzielte dann Huntelaar per Strafstoß (66.) – Sokratis hatte den holländischen Nationalspieler im Strafraum gefoult und Schiedsrichter Zwayer berechtigterweise auf Elfmeter entschieden. Es folgten weitere Chancen auf beiden Seiten, die aussichtsreichsten vergaben Kagawa (71.) und Aubameyang (82.), die jeweils aus kurzer Distanz an Fährmann scheiterten, bzw. Meyer, dessen Aufsetzer knapp über die Latte ging (90. + 1).

Somit steht am Ende eines Spiels, das auch noch sowohl in die eine wie auch in die andere Richtung hätte kippen können, ein alles in allem leistungsgerechtes Unentschieden. Dortmund war stärker in den Zweikämpfen (54:46%) und hatte mehr Torschüsse (15:10); die Schalker waren jedoch effizienter und konnten unterm Strich ein leichtes Übergewicht in Sachen Ballbesitz (51:49 %) sowie eine höhere Passgenauigkeit (83%:77%) für sich verbuchen.

Ausblick

Schalke konnte sich mit diesem verdienten Remis gegen den favorisierten Lokalrivalen ein Stück weit für die zuletzt eher enttäuschenden Leistungen rehabilitieren. Mit Bayern München und Bayer Leverkusen als nächsten Gegnern stehen den Königsblauen allerdings direkt weitere schwierige Aufgaben bevor. In der Tabelle ist André Breitenreiters Team als Siebtplatzierter nach wie vor Teil der Gruppe von Mannschaften, die um die diversen internationalen Startplätze kämpfen. In den Spielen bis zum Saisonende zählt für die Schalker somit jeder Punkt.

Für den BVB dürfte sich mit dem Unentschieden das Thema Meisterschaft wohl endgültig erledigt haben: Sieben Punkte beträgt nunmehr der Rückstand auf Tabellenführer Bayern München – und es stehen nur noch fünf Spieltage an. Da andererseits Platz zwei den Borussen bereits nicht mehr zu nehmen ist, kann und wird man sich in Dortmund von nun an wohl primär auf die Pokalwettbewerbe konzentrieren. In der Europa League steht am Donnerstag das Viertelfinal-Rückspiel auswärts beim FC Liverpool an (Hinspiel 1:1). Und am 20. April bestreitet das Team von Thomas Tuchel in Berlin gegen die Hertha seine Semifinalpartie im DFB-Pokal.

Jens Bartholmae, abseits.at

Jens Bartholmae

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