Mit dem 2:0-Sieg des 1. FC St. Paulis über Eintracht Frankfurt verabschiedete sich die zweite deutsche Bundesliga in die Winterpause. Nach 19 Spielen führt... Shootingstars und Spätstarter – das sind die Topspieler in Deutschlands zweiter Liga!

Mit dem 2:0-Sieg des 1. FC St. Paulis über Eintracht Frankfurt verabschiedete sich die zweite deutsche Bundesliga in die Winterpause. Nach 19 Spielen führt Fortuna Düsseldorf die Tabelle an, verpasste es im letzten Spiel gegen den SC Paderborn jedoch ungeschlagen ins Frühjahr zu gehen. Neben den Schützlingen von Norbert Meier gibt es aber noch andere Akteure, bei denen es sich lohnt genauer hinzuschauen. abseits.at stellt die besten Spieler der „besten Zweiten Liga der Welt“ vor.

Dass die zweite Liga ein gutes Sprungbrett für höhere Aufgaben ist weiß man in Österreich spätestens seit Martin Harniks Zeit bei Fortuna Düsseldorf. Als Leihspieler war der ÖFB-Teamspieler in der Saison 2009/2010 mit 13 Toren einer der Hauptverantwortlichen dafür, dass der damalige Aufsteiger nur knapp den Relegationsplatz verpasste. Heute ist der 24-Jährige Leistungsträger bei Europacupanwärter VfB Stuttgart und hat sich in Deutschland einen Namen gemacht. Neben Harniks Nachfolgern bei Düsseldorf, drängt sich in der laufenden Saison vor allem ein langjähriger Freund von ihm für ähnliche Herausforderungen auf.

Andreas Luthe

Tor | 24 Jahre | VfL Bochum

Bereits letzte Saison zählte Luthe zu den besten Zweitliga-Keepern in Deutschland und stand zum Beispiel auch im verlorenen Aufstiegs-Playoff gegen Borussia Mönchengladbach im Mittelpunkt, als er erst durch ein Abstauber-Tor in der Nachspielzeit bezwungen wurde. Davor brachte der Schlussmann die Gladbacher mit sensationellen Reaktionen zur Verzweiflung. „Ich kann schon noch ein bisschen besser spielen“, kündigte der 24-Jährige danach an. Er sollte nicht zu viel versprochen haben. Die Statistik schreibt ihm sieben Glanzparaden zu, womit er im Spitzenfeld rangiert. Außerdem erwies er sich als absoluter Elferkiller. Fünf der letzten sechs Strafstöße gegen sein Team konnte der Velberter entschärfen. „Unser Torwart-Trainer bereitet mich perfekt auf so etwas vor“, verrät der 194cm-Schlacks. „Ich lasse spezielle Videos zusammenschneiden. Elfer, Freistöße, Ecken, andere Auffälligkeiten der gegnerischen Spieler. Das hilft. Doch bei Andreas ist immer noch Luft nach oben“, bestätigt dieser. Doch nicht nur das tägliche Training ist für Luthe wichtig, sondern auch sein grünes Glücks-Handtuch, das er immer ins Netz hängt: „Für den Kopf ist so was wichtig. Im Fußball entscheiden oft Kleinigkeiten.“

Assani Lukimya

Abwehr | 25 Jahre | Fortuna Düsseldorf

Nicht nur die Offensivabteilung des Klassenprimus überzeugte in der Herbstsaison. Zusammen mit Jens Langeneke, der mit 34 Jahre die Blüte seiner bisherigen Karriere erlebt, sorgt der kongolesische Nationalspieler Lukimya in der Innenverteidigung für die defensive Ordnung und geht dabei sehr resolut zur Sache. Knapp 72 Prozent seiner Zweikämpfe gewann der 90 Kilogramm schwere und 190 Zentimeter große Abwehrhüne. Den Schluss, er sei aufgrund seiner Gardemaße und Athletik fußballerisch unterbegabt widerlegt er mit einer Passgenauigkeit von 86 Prozent eindrucksvoll. Über Herthas Zweite, Hansa Rostock und dem FC Carl Zeiss Jena kam Lukimya, der auch den deutschen Pass besitzt, im Sommer 2010 in die Hauptstade Nordrhein-Westfalens. Nach dem Wechsel hatte der Abwehrschrank jedoch Anpassungsprobleme und stand in der Kritik. Trainer Meier hielt allerdings immer an ihm fest. „Es ist für den Jungen auch nicht gerade einfach, gerade, wenn der Wind ihm ins Gesicht bläst. Aber wichtig ist, dass Assani mit diesen Dingen klar kommt“, so der Trainer im November 2010. Das Vertrauen sollte sich auszahlen. Lukimya wurde stetig solider, erzielte am achten Spieltag sein erstes Pflichtspieltor und steht mittlerweile in den Notizblöcken einiger Erstligisten. „Fortuna ist der erste Ansprechpartner. Sie haben mir eine große Chance gegeben – und ich habe sie genutzt“, möchte sich „Luki“ seinen Traum von der Bundesliga am liebsten mit der Fortuna erfüllen.

Maximilian Beister

Mittelfeld | 21 Jahre | Fortuna Düsseldorf

Acht Tore und elf Assists wecken Begehrlichkeiten. Der Leihspieler vom Hamburger SV ist die heißeste Aktie im deutschen Unterhaus. Dass er seine Schussstiefel nächste Saison nicht mehr für die Fortuna schnüren wird gilt als fix. Offen ist ob er nach Hamburg, wo sein Vertrag im Sommer 2013 endet, zurückkehrt. Zwar liegt dem U21-Nationalspieler eine Millionen-Offerte zur Verlängerung bis 2016 vor, allerdings spekulierten Medien sogar mit einem Geheimtreffen zwischen dem Flügelflitzer und BVB-Coach Jürgen Klopp. Obwohl Beister nominell als linker offensiver Mittelfeldspieler in Düsseldorfs 4-2-3-1 aufgeboten wird, zieht er mit Tempodribblings gerne in die Mitte und ist das Um und Auf der besten Offensive der Liga. Zudem attestiert Norbert Meier dem Mini-Robben er habe „mit dem linken Fuß einen Schuss wie ein Pferd.“ Bereits letzte Saison mauserte sich der Youngster vom schüchternen Nobody zum Leistungsträger mit Tordrang (sieben Tore, sechs Assists) und wurde von der NRZ zum Spieler des Jahres gekürt. „Er ist wie eine Rakete hochgeschossen, hat den Durchbruch geschafft“, ist auch HSV-Sportchef Frank Arnesen vollen Lobes für seinen potentiellen Neuzugang.

Max Kruse

Mittelfeld | 23 Jahre | FC St. Pauli

Zusammen mit Harnik kickte Kruse in der Jugend beim SC Vier- und Marschlande, 2006 wechselten die beiden zusammen zum SV Werder Bremen. Nachdem keiner der beiden den Sprung zu den Profis packte buhlte der FC St. Pauli um die beiden Offensivkräfte. Während sich Harnik bekanntermaßen zu einem Leihgeschäft mit Fortuna Düsseldorf entschloss, entschied sich Kruse für den Kiezklub. Nachdem die Braun-Weißen nach dem langersehnten Aufstieg vergangene Saison als Tabellenletzter die Bundesliga prompt wieder verlassen mussten, liebäugelte der Reinbeker mit einem Wechsel. Erst Ende Mai verlängerte der ehemalige Juniorennationalspieler seinen Vertrag bis 2014. Für den FC St. Pauli ein sehr gute Entscheidung wie sich herausstellen sollte. Mit zehn Treffern ist er ligaweit der torgefährlichste Mittelfeldakteuer. Zusammen mit den fünf Vorlagen, die die Statistik schreibt, war Paulis Nummer 18 damit an 15 der 38 Toren seiner Mannschaft direkt beteiligt. „Ich freue mich natürlich, dass es so gut für mich läuft. Vor der Saison hatte ich es mir zu meinem persönlichen Ziel gesetzt, dass ich konstanter spielen wollte. Und über weite Strecken der Hinrunde habe ich das auch ganz gut geschafft“, so Kruse, der auch vom Trainerwechsel – Andre Schubert ersetzte im Sommer Holger Stanislawski – profitierte. Zwar zählte der 23-Jährige schon unter dem aktuellen Hoffenheim-Trainer zum Stammpersonal, wurde allerdings in erste Linie auf dem Flügel eingesetzt. Im aktuellen 4-2-3-1 spielt Kruse zentral hinter in dem Solostürmer und stößt immer wieder in die Spitze vor.

Olivier Occean

Sturm | 30 Jahre | SpVgg Greuther Fürth

Mit 16 Toren in der dritten Liga für die Offenbacher Kickers machte Occean letzte Saison auf sich aufmerksam. Als Zweitligist Greuther Fürth um den bulligen Stürmer anfragte zögerte dieser keine Sekunde und wechselte für 200.000 Euro nach Franken, wo er einen Vertrag bis Sommer 2014 unterschrieb und eindrucksvoll einschlug. Die deutsche Tageszeitung „Bild“ bezeichnet den Kanadier als „Fürths besten Transfer aller Zeiten.“ Mit zehn Toren und sieben Assists liegt er in der Scorer-Wertung nur hinter Fortunas Beister. Zudem wird der zweifache Familienvater vor allem wegen seines Einsatzes geschätzt. „Oli kann man nicht an Toren festmachen. Er arbeitet unheimlich viel. Es ist wahnsinnig, was er körperlich alles wegsteckt. Er geht dahin, wo es richtig wehtut“, lobt ihn Trainer Mike Büskens. Zu knapp 60 intensiven Läufen setzt der 30-Jährige im Schnitt pro Spiel an und zählt damit teamintern gemeinsam mit Edgar Prib zu den laufreudigsten Akteuren. „Er ist sehr ehrgeizig, will sich auch in seinem Alter noch verbessern“, hebt Manager Azzouzi auch den Fleiß Occeans hervor.

Sascha Rösler

Sturm | 34 Jahre | Fortuna Düsseldorf

Rösler erlebt gerade den „Spätfrühling seiner Karriere“ wie es Meier treffend formulierte und avancierte bei Fortuna Düsseldorf vom Fast-Fußball-Rentner zum wichtigen Antreiber und Torjäger. Elf Tore und fünf Vorlagen steuerte der Routinier zum Höhenflug der Rheinländer bei, steht aber nicht nur wegen seiner sportlichen Qualitäten bei Trainer Meier hoch im Kurs: „Er ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Mannschaft, weil er seine Mitspieler immer wieder mitreißt, auch wenn es mal nicht so läuft.“ Der „positive Drecksack“, wie ihn der 53-Jährige nennt, weiß aber auch wie die Schattenseite des Fußballgeschäfts aussieht. Bei Mönchgengladbach war er für Hans Meyer einst der Sündenbock, als es nach dem Bundesliga- Aufstieg nicht mehr lief und auch im Sommer 2010 konnten ihn die guten WM-Leistungen der deutschen Nationalmannschaft nicht aufheitern. Bei den Vertragsgesprächen mit seinem damaligen Verein, 1860 München, hatte sich Rösler verpokert und drehte anschließend bei Willem II Tilburg in der niederländischen Provinz seine Runden, dachte sogar über das Beenden seiner Karriere nach, ehe man sich bei der Fortuna daran erinnerte „was er in der Vergangenheit geleistet hat“ – nämlich dreimal aufstieg. „Es war wohl ein Glücksfall für uns beide“, sagt der 34-Jährige rückblickend.

Kevin Volland

Sturm | 19 Jahre | 1860 München

Bereits letzte Saison hat sich die TSG 1899 Hoffenheim die Dienste des Sohns des ehemaligen deutschen Eishockeynationalspieler Andreas Volland gesichert, parkt ihn jedoch noch bis nächsten Sommer bei den Löwen. Der ursprüngliche Plan geriet allerdings schnell in Schwierigkeiten. Aufgrund der starken Leistungen des Jungnationalspielers (9 Tore, 6 Assists) und der biederen Darbietungen der eigenen Stürmer wollten die Kraichgauer Volland bereits im Winter zurückbeordern. „Unter Berücksichtigung aller Fakten haben wir uns für einen Verbleib von Kevin Volland in München bis zum Ende der Rückrunde entschieden. Kevin hat dort eine sehr gute Entwicklung gemacht, die sich sicher fortsetzen wird.“, sorgte 1899-Manager Ernst Tanner letztlich aber für Erleichterung in München. Wichtig in seiner bisherigen Entwicklung war vor allem das Zusammenspiel mit Stürmer-Routinier Benny Lauth. „Im Training schaue ich mir immer wieder an, wie Benny die Situationen löst“, so der Allgäuer und beschreibt seine Stärken so:„Ich kann über 90 Minuten Vollgas geben und kämpfen. Im Balldurchstecken bin ich auch ganz gut, ein paar Tore mache ich auch. Ich habe aber noch viel Luft nach oben.“

Nick Proschwitz

Sturm | 25 Jahre | SC Paderborn

Auch wenn mit dem Erfolgslauf von Fortuna Düsseldorf in der Form nicht wirklich zu rechnen war, so ist die größte Überraschung der laufenden Spielzeit mit Sicherheit der SC Paderborn. Die Mannschaft von Roger Schmidt überwintert punktegleich mit dem Relegationsplatz auf Tabellenrang fünf. Der Grundstein für diesen erfreulichen Zwischenstand ist die sehr solide Defensive, die nur 15 Gegentore zuließ. Dass die Minimalisten aus Ostwestfalen trotz nur 29 erzielter Tore 39 Punkte holte, ist zu einem Großteil aber auch Stürmer Nick Proschwitz zuzuschreiben. Nicht weniger als 12 Tore erzielte der großgewachsene Stürmer, der im Sommer ablösefrei vom FC Luzern kam, und damit die Torschützenliste anführt. „Bei 6,7 Millionen Verbindlichkeiten müssen wir den Gürtel enger schnallen. Deshalb ist unsere Devise, talentierte Spieler für wenig Geld zu holen“, sagte SCP- Präsident Wilfried Finke und gibt auch zu, Proschwitz sei „der einzige Neuzugang, den ich nicht kannte.“ Im Gegensatz zu den genannten Occean und Volland ist Proschwitz allerdings nicht einer der wendigen und laufstarken Stürmergeneration, sondern ein klassischer Mittelstürmer – robust, kopfballstark und mit einem erstklassigen Torriecher ausgestattet.

axl, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem