Borussia Dortmund qualifiziert sich denkbar knapp für die Champions League. Trotzdem verkündete Trainer Peter Stöger nach der Niederlage gegen 1899 Hoffenheim seinen Abschied zum... Stöger-Watch: (K)ein Missverständnis?

Borussia Dortmund qualifiziert sich denkbar knapp für die Champions League. Trotzdem verkündete Trainer Peter Stöger nach der Niederlage gegen 1899 Hoffenheim seinen Abschied zum 30. Juni. Überrascht hat das niemanden.

Das Positive aus Dortmunder Sicht zuerst: Trotz eines mehr als holprigen Saisonverlaufs- und einer 1:3–Niederlage bei der TSG 1899 Hoffenheim am letzten Spieltag- qualifiziert sich der BVB für die Champions League – jedoch nur aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber Bayer Leverkusen. Bezeichnend für diese verkorkste Spielzeit 2017/18.

Damit hat Peter Stöger das zu seinem Amtsantritt im Dezember vereinbarte Ziel erreicht. Dennoch es sein letztes Spiel auf der BVB-Bank. Die Dortmunder Verantwortlichen wollten dies zwar in den letzten Wochen nicht bestätigen. Doch nicht erst der Talkshow–Fauxpas von Sebastian Rode – Rode erklärte bei der Sky-Show „Wontorra“, dass das Verhalten Stögers in der Kabine auf einen Abschied hindeutete –m achte diese Tatsache zum am schlechten behütetsten Geheimnis der Bundesliga.

In der Pressekonferenz im Anschluss an die Partie gegen Hoffenheim verkündete Stöger offiziell seinen Abschied zum Saisonende. „Seit einigen Wochen haben wir uns darauf verständigt, dass es heute das letzte Pflichtspiel für mich ist. Ein neuer Reiz tut dem Verein vielleicht gut, den größten setzt du mit einem neuen Trainer“, sagte Stöger, der die Mannschaft noch bei den Testspielen in Zwickau (Montag) und Herne (Donnerstag) sowie der kurzen USA-Reise (20. bis 24. Mai) betreuen wird. „Danach werde ich nach Hause gehen, nach Wien, die Zeit genießen und schauen, was kommt.“  Sein Nachfolger wird angeblich der Schweizer Lucien Favre

Stögers halbjähriges Intermezzo eindeutig zu bewerten fehlt schwer. Auf der einen Seite hat er es geschafft, eine Mannschaft, die sich zum Zeitpunkt der Übernahme im freien Fall befand, auf den vierten Platz zu führen. Stabilisieren konnte er die Leistungen dieses komplizierten Kaders jedoch nie. Uneingeschränkt gute Leistungen gab es selten – in den letzten fünf Spielen setzte es drei Niederlagen.

Der Österreicher wirkte zumeist ratlos, ob der Launenhaftigkeit seiner Spieler. Stöger zeigte sich im Verlaufe der Saison immer dünnhäutiger, fühlte sich ob der ständigen Kritik an der Spielweise unfair behandelt. Zuletzt machte es den Anschein, als wollte Stöger nur, dass diese Spielzeit ganz schnell vorbei ist.  Er wird zu sich sagen, dass Beste aus einer schwierigen Situation gemacht zu haben – womit er jedoch nur zum Teil richtig liegt.

Als gutes Beispiel dafür dient die 1:3-Niederlage gegen Hoffenheim. Allein schon die Aufstellung vor dem Spiel sorgte, gelinde gesagt, für Kopfschütteln. Stöger wählte eine Dreierkette, die in der Defensive zu einer Fünferkette wurde. Ein insoweit verständlicher Ansatz, als das mit Sokratis und Ömer Toprak die etatmäßige Innenverteidigung ausfiel. Zusätzlich nominierte Stöger in Nuri Sahin und Julian Weigl zwei nomineller Sechser. Auf dem Papier wirkte diese Formation damit doch recht defensiv.

Prinzipiell ist gegen diese Herangehensweise nichts zu sagen, vor allem da ein Punkt zur sicheren Qualifikation für die Königsklasse, unabhängig von den anderen Ergebnissen, gereicht hätte. Trotzdem wirkte diese Aufstellung wie der Versuch eines Verwaltungsaktes. So trat die Mannschaft dann auch auf dem Platz auf – im Spiel nach vorne fehlte jeglicher Mut, und damit jegliche Kreativität. Leider nicht zum ersten Mal in der Ära Stöger.

Auf den defensiven Außen setzte er auf Raphael Guerreiro sowie Christian Pulisic. Eine mehr als abenteuerliche Wahl, denn bei Guerreiro handelte es sich um einen Spieler, der in dieser Saison verletzungsbedingt kaum zum Zuge kam; bei Pulisic hingegen um jemanden, der sich in einem Leistungstief befindet und nun noch auf einer für ihn ungewohnten Position spielen musste. Kein Wunder also, dass Hoffenheim immer wieder über die Flügel gefährliche Aktionen einleitete.

Das 0:1 fiel jedoch zunächst nach einem groben Patzer von Dortmunds Torhüter Roman Bürki. Andrej Kramaric nutzte diesen eiskalt aus (26.).  Andre Schürrle vergab kurz darauf kläglich die Chance zum Ausgleich, als er frei vor TSG-Keeper den Ball noch nicht einmal auf das Tor brachte. Schürrles Einsatz von Beginn an gehörte ebenso zu den fragwürdigen Entscheidungen des 52-Jährigen. Für ihn ließ er mit Mario Götze und Maximilian Philipp zwei der besten Offensivspieler in den letzten Wochen auf der Bank. Beide wurden nicht einmal eingewechselt. Schürrle zeigte sich während des Spiels wie gewohnt fahrig in seine Aktionen und offenbarte erneut technische Mängel. Der Weltmeister erzielte in der gesamten Bundesliga -Saison nur einen Treffer.

Marco Reus sorgte zwar für den zwischenzeitlichen Ausgleich (58.), doch Adam Szalai (63.) und Pavel Kaderabek (73.) sorgten für einen verdienten Erfolg der Hoffenheimer, die sich damit ebenfalls für die Champions League qualifizierten. Die TSG war dabei von Beginn an bissig in den Zweikämpfen – und zeigte in jeder Minute, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Etwas, das man von Stögers Mannschaft nicht gerade behaupten konnte.

Letztlich nahm diese Saison aufgrund von drei mehr erzielten Toren gegenüber Leverkusen noch so etwas wie einen versöhnlichen Abschluss. Jedoch hat der BVB dabei mehr Glück als Verstand gehabt. Eine Tatsache, die einem Trainer am Ende kein gutes Zeugnis ausstellt.

Ral, abseits.at