Der HSV beendet seine Trainersuche und bittet Thorsten Fink auf dem Schleudersitz der letzten Dekade Platz zu nehmen. Wird der bisherige Trainer des FC... Thorsten Fink: Von der Champions League in den deutschen Abstiegskampf

Der HSV beendet seine Trainersuche und bittet Thorsten Fink auf dem Schleudersitz der letzten Dekade Platz zu nehmen. Wird der bisherige Trainer des FC Basel (der zuletzt unter anderem ein 3:3 im Old Trafford gegen Manchester United erreichte) das hanseatische Trainerkarussell stoppen können?

Vom Arbeiter zum Titelsammler

Der gebürtige Dortmunder Thorsten Fink ist kein Unbekannter in der Bundesliga. Als Spieler erwarb er sich bei z.B. Wattenscheid 09 und dem Karlsruher SC den Ruf des ehrlichen Arbeiters, während beim großen FC Bayern auch die Titel dazu kamen. Im Zeitraum zwischen 1997-2003 gewann Fink viermal die deutsche Meisterschaft, sowie dreimal den DFB-Pokal. Die Krönung seiner Spielerkarriere war sicherlich der Gewinn der Champions-Leauge 2001. Zum Nationalspieler hat er es in dieser Zeit jedoch nie geschafft. Beim FC Bayern erfüllte er seinen Dienst meist unspektakulär und war jemand, den man heute als klassischen „Rollenspieler“ bezeichnen würde. Jedoch stachen seinem damaligen Trainer Ottmar Hitzfeld schon gewisse Charakteristika eines zukünftigen Trainers ins Auge: „Thorsten dachte als Spieler schon wie ein Stratege und war mit sehr hoher Sozialkompetenz ausgestattet. Wer so ehrlich ist, hat bei der Führung von Menschen keine Probleme.“.

Start der Trainerkarriere in Salzburg

Den Grundstein seiner Trainerkarriere legte Fink bei der zweiten Mannschaft von Red Bull Salzburg, die er in die Erste Liga führte. Danach unterstütze er den großen Giovanni Trapattoni – unter dem er auch ein Jahr als Spieler beim FC Bayern tätig war – als Co-Trainer der ersten Mannschaft von Red Bull Salzburg. Dies reichte aber zur Ehrgeizbefriedigung bei Weitem nicht aus, sieht sich Fink doch auf Dauer als niemanden, „der nur die Hütchen aufstellt.“.

Absturz in Ingolstadt – Mit Basel im Fußballhimmel

2008 nahm Fink den ersten Cheftrainerposten an und führte den FC Ingolstadt prompt in die 2. Bundesliga. Hier trat auch schon sein immenses Selbstbewusstsein zu Tage. Bei einem Interview sollte er das Erfolgsrezept eines Trainers darlegen und antwortete darauf folgendermaßen: „Ein guter Psychologe. Bin ich. Ein System. Hab ich. Die richtigen Leute aufstellen. Mach ich. Kurzfristig eine Mannschaft motivieren können. Kann ich.“. Den großen Worten folgten in der darauffolgenden Saison jedoch keine Taten. Ganz im Gegenteil: Nach einer Serie von zwölf sieglosen Spielen wurde Thorsten Fink bei Ingolstadt entlassen. Dies schreckte den schweizerischen Topverein FC Basel jedoch nicht ab und so engagierte man Fink 2009. Selbstbewusst wie Fink ist, rückt er auch hier von seiner Spielidee nicht ab, die man vereinfacht unter dem Motto agieren statt reagieren beschreiben könnte. Dazu Finks ehemaliger Spieler bei Ingolstadt Stefan Leitl: „Wir wollten immer unser Spiel durchziehen, mit allen taktischen Mitteln, die wir unter ihm eingeübt haben.“.

Nach einem durchwachsenen Start in Basel standen am Ende der Saison für Fink die ersten Titel seiner Trainerkarriere zu Buche. Zuerst gewann er den Schweizer Pokal und anschließend auch die Meisterschaft. In der darauffolgenden Champions-League-Saison stand er als Trainer auch erstmals seiner alten Liebe dem FC Bayern gegenüber. Die beiden Spiele gingen zwar verloren, die Leistungen von Basel waren aber durchaus gut. Ebenso gelang es Fink in dieser Saison die Meisterschaft in der Schweiz zu verteidigen.

Nächster Karriereschritt oder Karriereknick?

Finks Trainerleistungen blieben natürlich in der Bundesliga nicht unbemerkt und so tritt er am 17.10.2011 seinen Dienst beim schlingerden Hamburger Sportverein an. Manche mögen sich sicherlich die Sinnfrage dieses Wechsels stellen, trainierte Fink doch bis dato einen Champions-League-Teilnehmer. Und nun der als Himmelsfahrtskommando anmutende Trainerposten in Hamburg. Jedoch kann man dies auch als nächsten logischen Karriereschritt betrachten: das Trainieren eines deutschen Bundesligisten. Der 43-Jährige kann bei dieser Aufgabe genau so viel gewinnen, wie verlieren. Falls er den HSV auf Kurs bringt, hat er sich auch in der Bundesliga einen Namen gemacht und ist seinem Traum, einmal den FC Bayern zu trainieren einen kleinen Schritt näher. Schafft er es aber nicht beim HSV, ist sein Name als Trainer in der Bundesliga wohl fürs erste verbrannt.

Für Fink spricht auf jeden Fall, dass er Frank Arnesens (Hamburger Sportdirektor) absoluter Wunschkandidat ist und der klamme HSV eine Millionen Euro Ablöse auf den Tisch legte. Dies zeigt das Vertrauen, dass die Hanseaten scheinbar in Finks Trainerfähigkeiten setzen, kann in der Hamburger Medienlandschaft aber auch schnell zum Bumerang werden. Seine Unerfahrenheit als Trainer in der Bundesliga könnte ebenso zu seinem Nachteil angeführt werden. Aber: Fink ist ein Trainer, der gezeigt hat, das er mit Talenten umgehen und sie entsprechend fördern kann. Hier sei nur der Name Xherdan Shaqiri genannt, den Fink beim FC Basel entdeckte und der als einer der großen Talente im Weltfußball gilt. Gerade beim HSV könnte dies in der jetzigen Situation hilfreich sein, besteht der Kader doch aus vielen jungen Spielern, aus denen sein Vorgänger Michael Oenning nicht das Optimum herausholen konnte. Zudem scheint Finks bevorzugtes 4-4-2-System wie für den HSV gemacht zu sein. Krankte das 4-5-1 unter Oenning doch oft daran, dass Mladen Petric nun mal kein alleiniger Stoßstürmer ist. Mit Paolo Guerrero und Petric wären die Hanseaten in der Spitze weniger berechenbar. Für die Außen hat der HSV mit Jansen, Töre, Ilicevic und dem jungen Lam auch viel Potenzial. Dies muss schnellstens abgerufen werden, sonst sieht es für Fink und den HSV düster aus.

Ral, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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