Bei der U21-Europameisterschaft stachen einige Teams beziehungsweise deren Abschneiden ins Auge. Während Italien und die Niederlande wohl fast perfekt die Erwartungen erfüllten, stach einer... U21-EM: Rückblick auf die Leistung der deutschen Juniorennationalmannschaft (2)

Deutschland FlaggeBei der U21-Europameisterschaft stachen einige Teams beziehungsweise deren Abschneiden ins Auge. Während Italien und die Niederlande wohl fast perfekt die Erwartungen erfüllten, stach einer der Fußballgiganten sehr positiv ins Auge, zwei andere fielen jedoch negativ ab.

Einer davon war Deutschland. Die Leistung der U21 des DFB schied bereits in der Gruppenphase aus und erntete große Kritik an ihren Leistungen. An sich kein Problem und wohl gerechtfertigt, doch die Kritik weitete sich auf den gesamten Nachwuchs aus; was wiederum eher nicht gerechtfertigt ist. In diesem zweiteiligen Beitrag soll es zuerst um das Abschneiden beim Turnier und die Hintergründe gesehen, bevor ein paar generelle Fragen zum Konzept besprochen werden. Sind die Deutschen wirklich wieder hintendran in der Jugendförderung? Im zweiten Teil des Beitrags geht es genau darum.

Die großen Konzeptfragen

Die Deutschen verkörpern, insbesondere seit dem Abtritt von Matthias Sammer, stärker die Philosophie, dass junge Spieler möglichst früh möglichst weit nach oben gezogen werden und dort auch dann bleiben sollen. Neben den offensichtlichen Beispielen Götze, Kroos und Gündogan fallen einem auch Spieler wie Ginter und Can ins Auge, die bei der U21-Europameisterschaft trotz ihres sehr jungen Alters dabei waren.

Dadurch entsteht natürlich ein Loch in der individuellen Qualität in den jeweiligen unteren Jahrgängen. Jedoch gibt es einen Grund, wieso das beim Branchenprimus aus Spanien nicht der Fall ist – das spanische Jugendkonzept ist älter als das deutsche, es gibt mehr hochklassige und technisch hervorragende Akteure in der spanischen A-Nationalmannschaft im Vergleich zur deutschen Elf.

Die Spanier haben schlichtweg keinen Grund Raubbau an den jüngeren Jahrgängen zu betreiben, weil sie in der A-Nationalmannschaft ohnehin im gesamten Kader nahezu optimal besetzt sind. Wen hätten Thiago, Ilarramendi und Isco denn groß verdrängen sollen? Iniesta? Xavi? Busquets? Selbst Javi Martinez, der womöglich beste defensive Sechser der vergangenen Saison, muss mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen.

Das frühe Hochziehen vielversprechender Akteure aus der Jugend ist also nicht (nur?) eine Idee zur Förderung der Jungstars, sondern aktuell auch einfach eine Notwendigkeit beim DFB, die (noch?) nicht den Luxus der Spanier haben. Diesen Rückstand werden sie wohl in den nächsten Jahren aufholen – oder auch nicht. Ein weiterer Aspekt bei den Deutschen, der sie von den Spaniern – und auch von den Niederländern – unterscheidet, ist die Art, wie sie ihre Jugendteams aufbauen.

Bei den Deutschen wird nach Aussage des ehemaligen Sportdirektors Robin Dutt auch darauf Rücksicht genommen, dass man versucht künftige Entwicklungen vorwegzunehmen und auch die azyklischen Elemente des Fußballs zu berücksichtigen. Praktisch bedeutet dies, dass nicht nur Spieler gefördert werden, die in ein vorgegebenes Konzept passen, sondern die Rahmenbedingungen des Systems immer wieder an die Möglichkeiten der Spieler angepasst werden.

Welches Konzept langfristig Erfolg hat, wird sich zeigen. Aktuell haben die Spanier mit ihrem Ballbesitzfokus, ihrem Pressing und der Förderung von nahezu rein spielerisch agierenden Akteuren die Nase vorn. Doch womöglich kommt wirklich wieder die Rückkehr zu den physischen Attributen eines Mittelstürmers, der defensiven Haltung der Außenverteidiger, etc.

Und dann könnten womöglich die Spanier wieder weniger erfolgreich dastehen – auch wenn es aktuell undenkbar ist. Oder der Fußball und seine Spieler entwickeln sich in den nächsten Jahren automatisch zu den Spaniern hin; auch dann könnte eine komplettere Ausbildung dank dieser Berücksichtigung vom taktischen Hin und Her den positiven Ausschlag geben. Oder den negativen, weil man auf ewig in den Schlüsseldisziplinen weniger geschult ist.

Ein anderer negativer Aspekt könnte allerdings in den nächsten Jahren bereits problematisch werden; zumindest bei der aktuellen Generation. Robin Dutts Vorgänger als Sportdirektor und der Begründer des Fundaments der aktuellen Nachwuchsförderung beim DFB, Matthias Sammer (jetzt Sportdirektor beim FC Bayern), sprach immer davon, wie wichtig Erfolgserlebnisse in der Jugend sein, um später Titel auf höchster Bühne zu holen.

Durch schwaches Abschneiden bei internationalen U-Turnieren können solche Erfolgserlebnisse natürlich nicht erreicht werden. Neben der Frage, ob das denn wirklich notwendig ist, muss allerdings auch Folgendes beachtet werden: Aus jeder Generation kommen oftmals nur vier oder fünf Spieler in die A-Nationalmannschaft. Bei der aktuellen U21 könnte es gar sein, dass diese Spieler gar nicht mehr dabei waren – Götze, Kroos, Gündogan und Co. sind gemeint.

Womöglich hat der DFB also bewusst auf die Möglichkeit dieses „Siegererlebnisses“ verzichtet, da sie diese bereits in ihren jeweiligen Vereinen als Leistungsträger sammeln könnten. Stattdessen wurde der Faktor Ermüdung höher gewichtet und ein Sommer voller Schonung in Anbetracht der kommenden Weltmeisterschaft als für die Entwicklung besser betrachtet. Auch hier wird es erst in Zukunft eine Antwort geben, ob dies denn der Fall ist und ob es die bessere Wahl war.

Fazit

Deutschlands Ausscheiden sorgte für viel Kritik in der Bevölkerung. War das hochgelobte Jugendkonzept nichts mehr als eine zufällige goldene Generation 2009, die vielleicht gar nicht so golden war (lediglich schwache Gegner und ein hervorragender Mannschaftskern) und dennoch damals den U21-Europameistertitel holte? Es scheint eher, als sei das Gegenteil der Fall.

Durch die Probleme der früheren Jahre werden die (zu Recht) hochgelobten Jugendspieler aus ihrer eigentlichen Altersklasse hochgezogen, wodurch die U-Mannschaften teilweise unter Problemen leiden. Eine deutsche U19 mit dem zentralen Mittelfeld Ginter, Can und Goretzka gewann beispielsweise vor einigen Monaten gegen die spanische U19. Von diesen drei wurden zwei jetzt in die U21 hochgezogen, anstatt bei der U19-Meisterschaft eine Schlüsselrolle zu spielen.

Für eine endgültige Bewertung des deutschen Jugendkonzepts muss also noch länger abgewartet werden. Das Konzept als solches erscheint aktuell jedoch als sehr gut und intelligent, ob es allerdings dem spanischen langfristig ebenbürtig sein kann, ist aktuell noch nicht abzusehen. Das Ausscheiden als solches bei der U21-Europameisterschaft 2013 darf dennoch kritisiert werden – der Kader war nicht so schwach, wie er spielte. Hier war allerdings nicht das Konzept das grundlegende Problem, sondern die Nutzung des brachliegenden Potenzials.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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