Der FC Schalke 04 verfällt im Zuge der Entlassung von Trainer Markus Weinzierl offenbar in alte Muster zurück. Dabei schien es eine Zeit lang,... Und täglich grüßt auf Schalke das Murmeltier

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Der FC Schalke 04 verfällt im Zuge der Entlassung von Trainer Markus Weinzierl offenbar in alte Muster zurück.

Dabei schien es eine Zeit lang, die Blau-Weißen hätten das Image des Chaosvereins endgültig hinter sich gelassen. Wohl ein Irrtum, wie die Umstände der Entlassung von Trainer Markus Weinzierl offenbarten. Dieser trat vor nicht einmal einem Jahr sein Amt gemeinsam mit dem neuen Manager Christian Heidel an. Heidel war von Weinzierl zum damaligen Zeitpunkt so überzeugt, dass Schalke sogar eine Ablöse von drei Millionen Euro auf den Tisch legte, um Weinzierl aus seinem laufenden Vertrag in Augsburg zu kaufen.

Zunächst verlief die Zusammenarbeit auch vielversprechend. Einige überraschende Transfers wurden getätigt, ohne das die Öffentlichkeit bereits im Vorfeld Wind davon bekam – auf Schalke eine echte Seltenheit. Sogar der allmächtige Präsident Clemens Tönnies schien gewillt, sich mit Aussagen in der Öffentlichkeit zurückzuhalten und stattete sein neues Personal mit einem Vertrauensvorschuss, der selbst dann nicht zu schwinden schien, als der FC Schalke die ersten fünf Spiele der vergangenen Saison allesamt verlor.

Es wirkte so, als hätten Heidel und Weinzierl den Verein gemeinsam auf eine Linie gebracht. Das notorisch unruhige Schalker Umfeld wollte im Angesicht des abermaligen Umbruchs von Umbruch nun Geduld zeigen. Doch die Saison verlief auch weiterhin alles andere als nach planmäßig. In der Bundesliga landeten die Königsblauen am Ende auf einem enttäuschenden zehnten Platz, im DFB-Pokal ergab man sich im Viertelfinale kampflos den Bayern und in der Europa League lieferten die Schalker im Viertelfinal-Hinspiel bei Ajax Amsterdam eine indiskutable Leistung ab – eine Hypothek, die trotz starker Performance im Rückspiel zu hoch war.

Die Mannschaft wirkte taktisch, wie spielerisch oftmals planlos, vor allem wenn der Gegner tief stand und Schalke selbst das Spiel machen musste. Dass Schalke am Ende der Saison eine positive Torbilanz aufweisen kann, lag vornehmlich am starken Torhüter Ralf Fährmann. Jedoch darf die Verletzungsmisere, unter der Schalke die gesamte Saison litt, nicht unerwähnt bleiben. Angedachte Leistungsträger, wie Breel Embolo, Coke oder Naldo fielen lange aus; Kapitän Benedikt Höwedes schleppte sich mit Leistenproblemen durch die Saison.

Schalke steht nun erneut vor einem personellen Umbruch innerhalb des Kaders. Diesen zu moderieren, traute Heidel seinem ehemaligen Wunschtrainer wohl nicht mehr zu. Zwar schien der ex-Mainzer zunächst gewillt, Weinzierl trotz der enttäuschenden Saison eine zweite Chance zu geben. Gerüchten zu Folge konnte der Trainer den Manager im alljährlichen Saisonabschlussgespräch mit seinen Ideen und Konzepten jedoch nicht mehr überzeugen. Weinzierl hatte zudem gegen Ende der Spielzeit die Kaderzusammensetzung kritisiert. Ein klarer Angriff gegen Heidel, der aber die nötige Selbstreflexion vermissen ließ: Weinzierl war in den personellen Planungen zu jedem Zeitpunkt involviert.

Auch innerhalb der Mannschaft schien das Klima nicht mehr zu stimmen. Schalke-Spieler Yevhen Konoplyanka holte in einem Interview mit einer ukrainischen Zeitung zum Rundumschlag gegen Weinzierl aus und bezeichnete diesen als „Feigling“. Obendrein schob er noch hinterher, dass Schalke, falls Weinzierl Trainer bleiben sollte, nächste Saison absteigen würde. Anstatt den in dieser Saison enttäuschenden Ukrainer abzustrafen, musste jedoch Weinzierl gehen. Als Nachfolger geht nun das erst 31-jährige Trainertalent Domenico Tedesco in die neue Saison. Der geriet in den Blickpunkt, als er den Zweitligisten Erzgebirge Aue vor dem sicher geglaubten Abstieg rettete. Tedesco machte gemeinsam mit Hoffenheims Julian Nagelsmann den Trainerschein und schloss diesen als Jahrgangsbester mit der Note 1,0 ab.

Trotzdem geht Heidel mit der Entlassung von Weinzierl ein hohes Risiko. Falls unter dem neuen Trainer Tedesco die Erfolge ebenfalls ausbleiben würden, wäre es auch um Heidels Jobsicherheit eher schlecht bestellt. Damit stünde der drittgrößte Verein Deutschlands abermals vor dem Umbruch vom Umbruch.

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