Die SpVgg Unterhaching will an die Börse. Was zunächst wie ein Witz klingt, ist gut geplant – und versinnbildlicht zudem eine Schieflage im deutschen... Unterhaching an die Börse: Keine Idee vom Biertisch

Die SpVgg Unterhaching will an die Börse. Was zunächst wie ein Witz klingt, ist gut geplant – und versinnbildlicht zudem eine Schieflage im deutschen Fußball.

Zunächst klang sie schon etwas absurd, die folgende Nachricht: der deutsche Drittligist SpVgg Unterhaching will an die Börse gehen. Doch der kleine Münchner Vorortklub meint es ernst. Präsident Manfred Schwabl, 53, bezeichnete diesen Schritt gar als „nahezu alternativlos“: „In der dritten Liga machst du jedes Jahr ein operatives Minus von 2,5 Millionen Euro, das ist nicht zu vermeiden, erst recht nicht, wenn du ein Nachwuchsleistungszentrum unterhältst.“

Ähnlich sieht es Sportökonom Daniel Weimar im Deutschlandfunk: „In einer Studie über Insolvenzen im deutschen Fußball haben wir auch gesehen, dass das Insolvenzrisiko in der Dritten Liga am höchsten ist.“ Ein Grund dafür ist das finanzielle Gefälle zwischen zweiter und dritter Liga. Bei einem Abstieg aus der zweiten Spielklasse würden die Fernseheinnahmen rapide sinken, während die Kosten für den Spielbetrieb nahezu unverändert blieben.

Für Schwabl unterliegt auch die unterschiedliche Förderung der Nachwuchsleistungszentren laut Kicker einem „kompletten Systemfehler“: „Als Drittligist müssen wir das Gleiche wie ein Zweitligist leisten, bekommen aber für einen Stern [Bewertungsgrad der NLZs] nur ein Zehntel von dem, was ein Zweitligist erhält. Das soll gerecht sein?“.

Die Frage nach der Gerechtigkeit stellt sich bereits seit der Einführung der dritten Profiliga zur Saison 2008/09. Geändert hat sich an den Zuständen bis heute wenig bis nichts – was ein schlechtes Bild auf DFB und DFL wirft. Auf die beiden Dachverbände will sich Schwabl daher nicht mehr verlassen.

Mit dem Gang an die Börse will er, wie er sagt: „sein Herz selbst in die Hand nehmen. Deshalb dieser Börsengang, weil ich nicht mehr abhängig sein will, nicht von einem Investor, nicht vom Verband, nicht vom System deutscher Fußball DFL-DFB.“

Der ehemalige Profi und viermalige Nationalspieler führt seit 2012 die Geschicke der Hachinger, rettete den Verein einst mit 700.000 Euro aus seinem Privatvermögen vor der Insolvenz. Er hat seit dem immer wieder Wege gesucht, den Verein sportlich und finanziell auf eine solide Basis zu stellen, ohne sich dabei einem Investor auszuliefern.

Schwabl forcierte daher seit 2016 die Ausgliederung des Profibereichs in eine Kapitalgesellschaft, die 2018 einstimmig vollzogen wurde. „Als kleiner Verein muss man innovativ sein, sonst hat man im Haifischbecken Profifußball nichts verloren“, so Schwabl gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Zwei Ankerinvestoren haben bereits Anteile über vier Millionen Euro erworben, Schwabl selbst hält 16,66 Prozent. Der Rest wird noch bis Ende Juli zu einem Stückpreis von 8,10 Euro ausgegeben. Begleitet wird der Börsengang von der Firma Portfolio Control, im Vorfeld gab es eine Machbarkeitsstudie.

Schwabl wie die Experten der Firma bestätigen, dass es sich dabei eben nicht um eine „Idee vom Biertisch“ handelt, wie er formuliert. So äußerte sich einer der Geschäftsführer von Portfolio Control, Jörg Flechtner, gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Das ist ein Gegenentwurf zu Großinvestoren und kann ein Leuchtturmprojekt werden. Dieses Modell richtet sich an Fans und Gönner, aber auch an Sponsoren und jene, die einfach nur investieren wollen, weil sie auf Rendite hoffen.“

Eines ist bei aller wirtschaftlicher Theorie aber sicher: ohne sportlichen Erfolg wird das Vorhaben zum Scheitern verurteilt sein; der Aufstieg in die Zweite Liga ist innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Muss. Schwabl will diesen bereits zur Saison 2021/22 anpeilen. Denn auf lange Sicht in der Dritten Liga überleben, dass wird für jeden Verein ohne potenten Investor zu einem schwer zu bewältigenden Kraftakt.

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