Die Länderspielpause bietet eine gute Gelegenheit, um eine erste Bilanz bezüglich der bisherigen Geschehnisse in der deutschen Bundesliga zu ziehen – schließlich ist fast... Zwischenbilanz Deutsche Bundesliga: Endlich Wettbewerb um Meisterschaft

Die Länderspielpause bietet eine gute Gelegenheit, um eine erste Bilanz bezüglich der bisherigen Geschehnisse in der deutschen Bundesliga zu ziehen – schließlich ist fast ein Drittel der Saison vorüber. Eine Erkenntnis die dabei über allem steht: im Kampf um die Meisterschaft scheint es einen echten Wettbewerb zu geben.

Die Spitze

Dank eines 3:2–Erfolgs in einem hochdramatischen Spiel gegen den FC Bayern, führt Borussia Dortmund nach elf Spieltagen die Tabelle mit vier Punkten Vorsprung vor Borussia Mönchengladbach an. Die Dortmunder haben dank ihrer variablen und schwer ausrechenbaren Offensive bislang die meisten Treffer erzielt (33), geben dabei aber laut Whoscored im Schnitt nur 13,3 Schüsse pro Spiel ab. Damit liegt der BVB in dieser Statistik nur auf Rang neun. Der Angriff der Dortmunder zeichnet sich also durch Effizienz im Abschluss aus. Die „Joker“-Bilanz ist zudem sehr stark: in bis dato 17 Pflichtspielen, hat das Team von Lucien Favre bereits 18 Tore durch eingewechselte Spieler erzielt.

Der FC Bayern hat nach der Niederlage im Spitzenspiel nun schon sieben Punkte Rückstand auf den BVB, liegt aktuell nur auf Platz fünf der Tabelle. In München wirkt es so, als hätte man den Umbruch innerhalb der Mannschaft zu spät eingeleitet. Dem Offensivspiel der Bayern fehlt das Tempo, was bei dem klaren Flügelfokus von Neo-Trainer Niko Kovac natürlich problematisch ist. In der Defensive scheinen Spieler wie Jerome Boateng oder Mats Hummels nicht mehr konstant ihr altes Niveau erreichen zu können. Der Rekordmeister lässt mit Abstand die wenigsten Schüsse aller Bundesligisten zu (7,8), hat aber bereits 14 Gegentore erzielt.

Die große Überraschung bis zu diesem Zeitpunkt – im positiven Sinne – ist Eintracht Frankfurt. Das Team von Adi Hütter belegt den vierten Platz und stellt gemeinsam mit Gladbach die zweitbeste Offensive der Liga (26 Tore). Das Umschaltspiel der Eintracht gehört zum besten der Liga, mit Luka Jovic haben die Hessen zudem den momentan erfolgreichsten Torjäger in ihren Reihen (neun Treffer), der mit Sebastien Haller sowie Ante Rebic ein echtes „magisches Dreieck“ im Angriff bildet.

Auf Rang drei liegt RB Leipzig, die seit zehn Spielen nicht mehr verloren haben und die beste Abwehr der Liga stellen (neun Gegentreffer); nur der FC Bayern lässt zudem weniger Torschüsse auf das eigene Tor zu. Das Pressing wirkt unter „Platzhalter“ Ralf Rangnick dabei wieder deutlich ausgereifter.

Die zweite Reihe

Mannschaften, wie der SV Werder Bremen oder Hertha BSC, die gut in die Saison gestartet sind, wurden in den letzten Spielen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Bremer haben die letzten drei Spiele allesamt verloren, während Hertha bereits seit fünf Partien auf ein Erfolgserlebnis wartet. Von den europäischen Plätzen hat sie die TSG Hoffenheim verdrängt, die nach durchwachsenem Start in die neue Spielzeit dank vier Siegen in Folge auf Platz sechs rangiert. Vor allem die Arbeit von Trainer Julian Nagelsmann kann dabei gar nicht hoch genug bewertet werden, kämpft man doch seit dem Beginn der Saison mit den Verletzungen vieler Leistungsträger und hat zusätzlich die Zusatzbelastung Champions League, die moderiert werden muss.

Im oberen Mittelfeld der Tabelle findet sich nach zwei Siegen in Folge etwas überraschend der FSV Mainz 05 wieder. Die Rheinhessen verfügen über eine sehr junge Mannschaft, die mit dem defensiven Mittelfeldspieler Jean-Philippe Gbamin sogar einen kommenden Superstar beinhaltet. So einen sucht man bei den folgenden Teams, dem FC Augsburg (10.) sowie dem SC Freiburg (11.) zwar vergebens, dafür haben beide Mannschaften in Manuel Baum und Christian Streich zwei sehr gute Trainer, die in der Lage sind, aus dem vorhandenen Kollektiv zumeist das Maximale herauszuholen.

Der Keller

Das kann von Bruno Labbadia beim VfL Wolfsburg eher nicht behauptet werden, gäbe der Kader der Wölfe doch einiges mehr her, als momentane zwölfte Platz der Tabelle aussagt. Nach den letzten beiden Horrorsaisons, in denen sich der VfL jeweils erst in der Relegation vor dem Abstieg retten konnte, hofft man in Niedersachsen auf eine ruhige Saison ohne Abstiegssorgen. Bei nur derzeit nur drei Punkten Vorsprung auf den 16. Platz, könnte der Kampf um den Klassenerhalt aber wieder zu einem realistischen Szenario werden.

Ob dies aus für Schalke 04 und Bayer Leverkusen gilt, bleibt abzuwarten. Beide belegen aktuell nur den 13. Respektive 14. Rang, und sind damit meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Vor allem Leverkusen bleibt ein Rätsel. Eigentlich verfügt der Kader über das Potenzial eines Champions League- Teams. Doch mit Heiko Herrlich schafft es auch der nächste Trainer nicht, konstante Leistungen aus den talentierten Einzelspielern herauszuholen. Die Schalker leiden bislang vorwiegend an ihrem schwachen Offensivspiel – den Königsblauen gelangen erst acht Saisontreffer. Keine Mannschaft ist im Angriff harmloser.

Rang 15 bis 18 belegen die dies- und letztjährigen Aufsteiger: der 1. FC Nürnberg, Hannover 96, Fortuna Düsseldorf und auf dem letzten Platz, der VfB Stuttgart. Ein Indiz dafür, dass die Kluft zwischen Liga eins und zwei immer weiter wächst. Vor allem die Kader von Nürnberg und Düsseldorf sind doch deutlich schwächer besetzt, als die der Konkurrenz. Stuttgart hingegen verfügt zwar durchaus über individuelle Qualität, dort ist man aber noch auf der Suche nach der richtigen Zusammensetzung.

Ein Ausblick

Beim Ausblick auf den weiteren Verlauf wird auf das Prognosemodell von FiveThirtyEight zurückgegriffen. Dort sieht man weiterhin den FC Bayern als zukünftigen Meister, der sich den Titel, wenn auch knapp, vor dem BVB sichert. Das Expected-Goal-Modell von understat.com sieht den FC Bayern auch als den eigentlichen Tabellenführer.

In die Champions League würden laut FiveThirtyEight RB Leipzig sowie die TSG Hoffenheim einziehen, während es für Frankfurt und Gladbach für die Europa League reicht.

Absteigen müssten Nürnberg und Düsseldorf, Hannover rettet sich in die Relegation.

Ral, abseits.at