Im Rahmen einer sechsteiligen Serie nutzen wir den Winter um einen Blick in einige der Top-10-Ligen Europas zu werfen und dort Spieler zu finden,... Aktuelle Helden der Effizienz (1) – Bryan Ruiz (FC Fulham)

England FlaggeIm Rahmen einer sechsteiligen Serie nutzen wir den Winter um einen Blick in einige der Top-10-Ligen Europas zu werfen und dort Spieler zu finden, die trotz einer großartigen Saison nicht im Rampenlicht der Presse stehen, aber dennoch Kandidaten für einen neuerlichen Sprung auf der Karriereleiter sind.

Der erste Spieler, den wir unter die Lupe nehmen, befindet sich mit 27 Jahren im besten Fußballeralter und fasst aktuell nach einem Jahr Anlaufzeit endgültig in der englischen Premier League Fuß. Die Rede ist vom Costa-Ricaner Bryan Ruiz, der seit Jänner 2012 für den FC Fulham spielt.

Ehemaliger Bomber beim FC Twente

Denkt man an die Offensive Fulhams, so kommen einem eher die Namen Dimitar Berbatov und Mladen Petric in den Sinn. Blickt man jedoch hinter die taktischen Kulissen wird man von der Flexibilität und Effizienz des Mittelamerikaners beeindruckt sein. Ruiz spielte zuvor für den FC Twente Enschede in Holland und AA Gent in Belgien – für den Ex-Janko-Klub erzielte er 2009/10 starke 24 Ligatore. Ruiz‘ Rolle im fluiden Twente-System war dabei stets ähnlich: Eigentlich am rechten Flügel aufgestellt, nutzte Ruiz seine Technik immer wieder zu Vorstößen in die Mitte und zog damit nicht selten das Konzept bzw. die Formation des Gegners auseinander. Bei Fulham passiert dies nun auf inverse Art und Weise.

Schweres Jahr 2012 – aber gesetzt, wenn’s ging

Fulham ändert seine Spielanlage des Öfteren: Mal schickt Martin Jol sein Team in einem klassischen 4-4-2 auf den Platz (am Häufigsten praktiziertes System), dann wieder in einem auswärts präferierten 4-4-1-1, seltener im 4-2-3-1. Das Jahr 2012 war ein schweres für Bryan Ruiz, der bereits im Frühling mit einem Mittelfußbruch für zwei Monate ausfiel und im Herbst immer wieder von Oberschenkelproblemen geplagt wurde. Die Kraft reichte für den feinen Techniker nicht immer für 90 Minuten, aber wenn er fit und einsatzfähig war, fand er in allen Systemen Fulhams immer einen Platz. Entweder als Angreifer, hängende Spitze oder im zentralen Mittelfeld – im Gegensatz zu seiner Durchschnittsposition bei Twente also eher ein zentraler Posten.

Dejagah als wichtiger Faktor – Ruiz „von innen nach außen“

Eine zuletzt nicht unwesentliche Facette für das Spiel des rechtslastigen Ruiz stellt der Deutsch-Iraner Ashkan Dejagah dar, der auf der rechten Seite auf dynamische Art und Weise seine Meter herunterspult. Weil Dejagah seine Gegenspieler immer wieder gut bindet und für Unruhe sorgt, kann sich Ruiz von einer zentralen Position immer wieder leicht nach rechts abfallen lassen und findet so speziell in Auswärtsspielen, wo die gegnerischen Reihen gegen Fulham naturgemäß höher stehen, in seinem ursprünglichen, positionstechnischen Naturell Räume vor, die der clevere Teamspieler Costa Ricas vor allem in der laufenden Saison perfekt nützte.

Weniger als ein Spiel pro Torbeteiligung

Ein Blick auf die Bilanz des 27-Jährigen beweist wie enorm wichtig er aktuell für den FC Fulham ist: Weil Bryan Ruiz mit Verletzungen zu kämpfen hatte, kam er bisher in neun Premier-League-Spielen von Beginn an zum Zug und wurde dreimal eingewechselt. Insgesamt stand er damit 879 Minuten lang auf dem Platz. In dieser Zeit erzielte Ruiz drei Tore und bereitete sieben vor. Dies entspricht im Schnitt etwa einer Torbeteiligung pro Spiel – und seine drei Tor-Einleitungen oder „Assist-Assists“ sind hier noch gar nicht mit eingerechnet.

Ruiz‘ Effizienz im Spitzenfeld der Premier League

Die einzigen Spieler in der englischen Premier League, die weniger Durchschnittszeit für Torbeteiligungen benötigen sind derzeit Robin van Persie, Wayne Rooney (Manchester United), Carlos Tévez (Manchester City) und Theo Walcott (Arsenal). Angesichts dessen, dass Ruiz noch nicht am Gipfel seiner Leistungsfähigkeit angekommen und erst seit etwa zwei Monaten schmerzfrei ist, kann man seinen Wert für einen kleineren Verein wie den FC Fulham nicht hoch genug einschätzen.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen