Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln,... Briefe an die Fußballwelt (4): Lieber Jürgen Klopp!

Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln, Schnäuzen und Nachdenken an Fußballprotagonisten aus allen Ligen.  Diesen Sonntag verschicken wir Post in die Stadt der Beatles, zu Handen …

Lieber Jürgen Klopp!

Wie wir „aufgedeckt“ haben, hast du ja schon als Mainzer Spieler gewusst, dass du einmal der beste Trainer Deutschlands sein wirst. Im Augenblick bist du einer der besten Trainer der Welt und bekannt für deine „Megawatt-Persönlichkeit“.

Doch die allein ist klarerweise nicht für den Erfolg deiner Mannschaft verantwortlich. Du schaust über den Tellerrand, weißt, dass man im Spitzensport alles – und wirklich alles – optimieren muss, um konkurrenzfähig zu sein. Deine hervorstechenste Eigenschaft ist aber der unerschütterliche Glaube an sich selbst. Der Wille kann bekanntlich Berge versetzen und wer ein Mentalitätsmonster wie dich auf der Bank sitzen hat, fühlt sich gleich doppelt so stark. Du passt zu diesem Verein wie John und Paul zu Ringo und George. Selbst hartgesottene Fußballconnaisseure konnten sich nach dem 4:0 über Barcelona beim kollektiven „You’ll never walk alone“ nicht mehr halten.

Heute um 16:00 geht es für den FC Liverpool um das letzte Fünkchen Hoffnung, die Meisterschaft doch noch zu holen. Motiviert bis in die Haarspitzen werden die Burschen nach dem Sieg über die Katalanen sicher sei. Einige behaupten verächtlich, wenn man einmal einen Lauf hat, den Nimbus der Unbesiegbarkeit, dann geht alles wie von Zauberhand. Du würdest zu gut wegkommen, denn du und deine Jungs – ob damals in Dortmund oder jetzt bei den „Reds“ – ihr hättet immer nur Glück gehabt. Doch diese Übelmeinenden haben wohl vergessen, dass man vor einem Lauf immer zunächst den steinigen Weg des Anfangs beschreiten muss, damit man überhaupt dorthin kommt. Muhammed Ali hat es folgendermaßen ausgedrückt: „Um ein großer Champion zu sein, musst du daran glauben, der Beste zu sein. Wenn du es nicht bist, tu wenigstens so.“ Es ist gegen die menschliche Natur so zu denken. Bescheidenheit gilt schließlich als Zier und Understatement ist gerade bei qualifizierten Leuten groß in Mode. Sich eine Art durchsichtigen Schutzpanzer zuzulegen, kurz – das Unmögliche zu versuchen um das Mögliche zu schaffen – ist eine große Kunst.

Ich bin mir sicher, dass viele mäßig Fußballinteressierte kaum drei Liverpool-Kicker aufzählen könnten, aber jeder kennt „The Normal One“ from Germany. Jürgen, es tut wirklich gut einmal keinen Sir, keinen Peitschenknaller, sondern einen Chef, der das Beste aus seinen Mitarbeitern herausholen will, im Profigeschäft zu sehen.

Du hast mich dazu gebracht, selbst als neutrale Beobachterin den „Reds“ im CL-Finale die Daumen zu drücken. Um wieder Muhammed Ali zu zitieren: „Wenn mein Kopf es sich ausdenken kann, wenn mein Herz daran glaubt en kann, dann kann ich es auch erreichen!“.

Lieber Jürgen, danke und alles Gute wünscht dir und deiner Mannschaft

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag