Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln,... Briefe an die Fußballwelt (80): Lieber Mikel Arteta!

Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln, Schnäuzen und Nachdenken an Fußballprotagonisten aus allen Ligen. Diesen Sonntag schicken wir unseren Brief an den Trainer der „Gunners“…

Lieber Mikel Arteta!

Ich bin manchmal ganz froh kein Arsenal-Fan zu sein. Es muss hart sein einen Klub anzufeuern, der trotz Wahnsinnsbudget seit Jahren nie wirklich um den Meistertitel der Premier League mitspielt und auch in der Champions League nix reißt. Immer wieder schafft es Arsenal zwar echte Topstars zu holen, doch trotzdem kommen die „Gunners“ nicht vom Fleck. Das ist frustrierend. Auch für mich. Denn ich bin zwar keine Anhängerin, aber durchaus eine Sympathisantin des Londoner Klubs. 1886 von Arbeitern einer Rüstungsfabrik gegründet, steht man seit Jahrzehnten für gepflegten Fußball. „Win with style“ – dieses Motto konnten Klubikonen wie Bergkamp oder Thierry Henry perfekt verkörpern. Trotzdem haftet Arsenal das Prinz-Charles-Image an: Allzeit bereit hofft man jedes Jahr darauf zum Zug zu kommen, doch es wird nichts.

Lieber Mikel, aktuell musst du dich mit den hohen Erwartungen an die Rot-Weißen auseinandersetzen.

Du trittst ein schweres Erbe an: 22 Jahre lang hat Arsène Wenger den „Gunners“ seinen Stempel aufgedrückt, sein Nachfolger Emery hielt nicht einmal eineinhalb Saisonen durch. Jetzt liegt es an dir die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Wenger selbst hat gesagt, das sei gut möglich und du könntest die Nordlondoner wieder unter die Top 4 der Premier League bringen. Wenn man jedoch mit einer verstärkten B‑Elf in das erste international wichtige Spiel geht, zeugt das nicht gerade von dem starken Willen sich auch außerhalb der Insel gut zu präsentieren. Klar, es war ein Spiel im „Fußballentwicklungsland“ Österreich (au, es tut weh das zu schreiben), trotzdem strotzte deine Elf nicht gerade vor Sicherheit. „Wir haben uns selbst in Schwierigkeiten gebracht.“, hast du nach dem Spiel lapidar gesagt. Meintest du damit, dass viele deiner Spieler unkonzentriert und energielos agiert haben oder die Posse um Spielmacher Mesut Özil, die seit Monaten Unruhe in den Verein bringt?

Letztendlich hat Donnerstagabend nämlich Belleríns Einwechselung und die (unbestritten) größere Erfahrung dazu geführt, dass Arsenal positiv in die Europa League gestartet ist. Deine Fähigkeiten als Coach konnte ich (noch) zu wenig erkennen. Zwar besteht Fantreue unabhängig von Erfolg und Misserfolg, du musst jedoch darauf achten, dass du nicht so schnell wie dein unmittelbarer Vorgänger verheizt wirst. Im Endeffekt ist viel zu tun in Holloway. Jetzt heißt es die Ärmel aufkrempeln, deinen Stil weitergeben um eine Ära wie Wenger zu prägen. Eine Karriere wie Wenger – das wird schwer möglich sein, aber, lieber Mikel, versuche das Unmögliche um das Mögliche zu schaffen!

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Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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