Vereinstreue, Engagement und Identifikation fordern die Anhänger von ihren Spielern. In einer Welt des Wettkampfes und des Geldes müssen diese aber oft zweitrangig sein.... Der spielende Fan (4): Wayne Rooney und der FC Everton

Wayne RooneyVereinstreue, Engagement und Identifikation fordern die Anhänger von ihren Spielern. In einer Welt des Wettkampfes und des Geldes müssen diese aber oft zweitrangig sein. Vereinswechsel in bessere finanzielle und sportliche Perspektiven sind an der Tagesordnung. So ist Fußball.

Aber es gibt auch Ausnahmen: Kicker, die selber Fans ihrer Farben sind und für diese ihr Herzblut vergießen. Bubenträume, die mit einem Profivertrag beim Traumklub war wurden.

In dieser achtteiligen Serie wollen wir euch nun einige Musterexemplare dieser Gattung vorstellen: Urgesteine und Legenden, sowie noch aktive Kicker, die Spieler und Anhänger in Personalunion sind. Unterschiedliche Typen in unterschiedlichen Ligen. Wir gehen der Frage nach ob und warum man ihnen eines Tages ein Denkmal meißeln wird….

Teil 4 unserer Serie behandelt:

Wayne Rooney – Ein „Toffee“ mit dem Herz eines Boxers

Wäre Wayne Rooney ein Bonbon, dann würde er mit Sicherheit zu den landläufig gefürchteten „Plombenziehern“ gehören: Jene Karamellzuckerln, die äußerst köstlich, aber auch schwer zu kauen sind. Denn so wie die berüchtigten Leckereien Kronen und Plomben der Zähne schädigen, ist auch der robuste Stürmer hartnäckig und schwer wegzubekommen, wenn er sich durch die gegnerischen Abwehrreihen hindurchdrückt. Ganz und gar verbissen.

Rooneys Tore können dem Gegner schwer im Magen liegen, ein Gefühl, dass man auch beim übermäßigen Genuss von hartem Karamellkonfekt erleidet. Richtig schlecht könnte dem ein oder anderen werden, wenn der Liverpooler mal wieder den Unterschied ausmacht.

Und Wayne Rooney ist tatsächlich ein „Plombenzieher“, ein echter „Toffee“, denn „Toffees“ lautet einer der Spitznamen für die Elf des FC Everton. Aufgrund ihrer blauen Trikots werden die Liverpooler außerdem – na-no-na-ned- „Blues“ genannt. Für diese Mannschaft machte der Stürmer seine ersten Profi-Tore.

Dass Rooney heute für den Ligarivalen Manchester United die Schuhe schnürt, tut seiner Fanliebe keinen Abbruch, führt aber zu Kontroversen in der Anhänger-Szene von Everton.

Gilt für Wayne Rooney also wirklich:

„Once a Blue,…”

Die Geschichte des Wayne Mark Rooney beginnt am 24. Oktober 1985 in Croxteth, einem Vorort von Liverpool. Dort wird er als Sohn von Thomas Wayne und Jeanette Marie Rooney geboren. Ein stämmiger Bursche mit Henkelohren, Sommersprossen und rot-braunem Haar: Rooney verkörpert rein äußerlich das englische Arbeiterkind.

Auch seine Herkunft scheint dem britischen Unterschichtstereotyp zu entsprechen: Der Liverpooler hat irische Vorfahren und wächst zusammen mit zwei Brüdern in einem zu kleinen englischen Reihenhaus auf. Der Vater war einst semi-professioneller Boxer und hält die Familie nun mit Jobs auf dem Bau über Wasser, Mutter Jeanette betätigt sich halbtags als Putzfrau und Küchenhilfe.

Schon die Maße des kleinen Wayne haben Papa Thomas einst zu dem Ausspruch: „Seht her, wir haben einen Preisboxer!“ gebracht. Um sicherzugehen, dass aus dem Jungen auf jeden Fall ein Sportler wird, besorgt ihm der Vater jedoch auch ein Everton-Trikot und bringt ihm das Fußballspielen bei.

Rooney jr. wird mit sechs Monaten im Fanklub der „Blues“ getauft und kommt im selben Alter auch in den Genuss seines ersten Stadionbesuches. Neben dem „Gekicke“ mit den Brüdern im Hinterhof der familiären Backsteinbehausung, geht Wayne auch zum Boxtraining bei seinem Onkel Richie. Im Fußball scheint er jedoch schneller Erfolge zu sammeln, schon bald kickt er für die Liverpooler Schoolboys, eine Auswahlmannschaft, und für den Copplehouse Boys Club in einer lokalen Liga.

2002 ereilt Rooney der Ruf seines Lieblingsteams und er wechselt in die Jugendabteilung des FC Everton. Seine Qualitäten als Stürmer lassen Parallelen zu seinem Boxtalent erkennen:

„Er marschierte immer nach vorn, die ganze Zeit“, erzählt Richie Rooney über Waynes Vater Thomas.

Auch Thomas Abkömmling ist beharrlich und gibt niemals auf. Kraft hat er nicht nur in den Händen sondern auch in den Füßen. Seine sichere Ballführung und sein Laufpensum machen Talentscout Pendleton schließlich auf ihn aufmerksam. Rooney hat Talent und Ehrgeiz: Er legt schon als Junger Extra-Schichten ein.

Und es lohnte sich. Denn Wayne Rooney ist nicht nur ein ehrgeiziges Kraftpaket, das mit Zug zum Tor Verteidiger das Fürchten lehrt, er verfügt auch über eine gute Technik. Das Herz eines Boxers und die Füße eines Tänzers: Er kann den Ball schnell am Fuß steuern und behält Ruhe und Übersicht. Mit einem kraftvollen Torschuss kommt sein Spielzug meistens zu einem Ende.

In der Jugend spielte der Liverpooler vorwiegend zwei Altersklassen höher, schon als 16-Jähriger sitzt er auf der Ersatzbank der „Toffees“. Im FA-Jugendcup 2002 schießt er Aston Villa im Finale ein Tor und macht offiziell, was längst alle wissen: Er lupft das Trikot und auf seinem darunterliegenden T-Shirt kann „Once a Blue, always a Blue“ gelesen werden.

Noch als Sechzehnjähriger „zerlegt“ der Angreifer im Oktober 2002 Arsenal: Die Londoner sind 30 Spiele ungeschlagen, bis Wayne Rooney in der 81. Minute eingewechselt wird und die Serie enden lässt. Arsene Wenger sagt später: „Rooney ist das größte Talent, das ich gesehen habe, seit ich in England meinen Job angetreten habe.“ Der Liverpooler wird zum jüngsten Torschützen der Premier League.

Zidane, Deisler und viele andere tolle Fußballer zaudern nur auf dem Feld nicht und sind im „richtigen“ Leben introvertiert. Auch Rooney hat am Anfang seiner Karriere massive Probleme Interviews zu geben. Seine Realität ist der Platz, nur dort kann er zunächst stark sein.

„…always a Red?“

Das Klischee des „Britprolls“ beinhaltet generell auch Pub-Besuche, Hooligan-Schlägereien und einen starken Slang ausgehend von einem Menschen dessen stämmiger Hals aus einem Fred-Perry-Polo quillt.

Auch Wayne Rooney scheut Alkohol, handfeste Auseinandersetzungen und Frauengeschichten nicht. Er ist ein Junge aus der Unterschicht, dessen Lieblingswort mit F anfängt.

Das Problem ist jedoch zunächst keines. Denn am Platz geht Rooney zielbewusst seiner Arbeit nach: Er läuft wie ein Tier und macht Tore. Der Bub aus armen Verhältnissen verfügt über die seltene Gabe sich alles abzuverlangen und trotzdem eine gehörige Portion Talent mitzubringen.

Seine wachsende Bekanntheit zieht aber schön langsam die klatschsüchtige yellow press an und prompt landen Waynes Besuche im Freudenhaus und seine verteilten „G’nackwatschen“, wenn der Kellner wieder einmal das Pint zu langsam bringt, in den Schlagzeilen. Management und Betreuer reagieren prompt: Sie professionalisieren seine Umgebung.

Sir Alex Ferguson erzählt in seiner jetzt erschienen Autobiografie, er hätte Rooney wegen einer durchzechten Nacht sogar einmal aus dem Team verbannt. You can take the boy out the hood, but you can’t take the hood out the boy. Rooney wird sich wohl nicht ändern, dann und wann wird man von seinen “Nachtschichten” zu hören bekommen. Eine wirkliche Gefahr für seine Karriere, stellen diese „Ausflüge“ jedoch nicht dar.

2004 werden Croxteth und Everton langsam zu klein für das Riesentalent. Newcastle, Arsenal und andere Klubs buhlen um den Stürmer. Die Everton-Fans sind entrüstet: „Rooney-Judas“ und „Rooney- No real Blue“ ist zu hören und zu lesen. Manchester United macht schließlich das Rennen und holt den 1,76m großen Angreifer um 25,6 Millionen Pfund. Der „Toffee“ scheint gelutscht zu sein.

67 Spiele hatte der Liverpooler für seinen Heimatklub bestritten, ehe er von den „Blues“ zu den „Reds“ ging. Trotz seiner eigenen Liebe zu Everton, sucht der Jungstar einen Verein mit dem er international auftreten kann. Die Missgunst, die ihm Fans entgegenbringen kommentiert er 2003 salbungsvoll: „Es gibt immer Hänseleien zwischen mir und Everton-Fans, aber das geht nicht zu weit.“

Sogar Waynes Sohn Kai posiert in einem Everton-Trikot auf dem offiziellen Twitter-Account seines Vaters. Fans der „Red Devils“ werden aber mit den Worten: „Er ist im Haus seiner Oma. Morgen poste ich ein Foto von ihm im United-Trikot.“ beruhigt.

Wayne interessiert‘s: “I am still an Evertonian!“

In wieweit ist die Jugendliebe aber verfallen, als der (Ehe-)Vertrag mit den „Reds“ abgeschlossen wurde? Hat sich der Liverpooler Bub zu einem gestandenen Profifußballer à la Manchester United gewandelt und seine Evertoner Wurzeln vergessen?

Immer wieder halten sich Gerüchte einer möglichen Rückkehr nach Hause, wenn es bei United nicht so gut läuft.

2009 bekennt Rooney noch: „Ich will immer, dass Everton gut spielt. Ich würde es gerne sehen, wenn sie hinter uns Zweiter werden.“ Auch 2010 deklariert sich der Stürmer als Fan des Vereines: „Ich wollte fußballerisch vorankommen, aber ich will immer noch, dass Everton gewinnt und das wird so bleiben!“

Die ganze Familie Rooney soll aus Everton-Fans bestehen: Waynes Brüder Graham und John sind ebenso aktive Fußballer, allerdings lange nicht so erfolgreich wie der Erstgeborene. Graham spielt für East Villa in der Liverpooler County League und John, das Nesthäkchen, kickt für Bury in der League Two. Cousin Tommy Rooney hält sich bei Vauxhall Motors fit nachdem er einst auch eine Profikarriere anstrebte.

Und die Gemüter beruhigen sich. Anfangs sind die Fans der „Toffees“ zwar bitterböse, doch heute hört man nur noch vereinzelte „Buh“-Rufe, wenn der „Red“ gegen die „Blues“ aufläuft. Rooney selbst meint, dass er privat in Liverpool nie Probleme hatte.

In sportlicher Hinsicht hat sich der Wechsel für ihn längst ausgezahlt: Das Boxen hat Rooney übrigens aufgegeben, als er in die Everton-Akademie wechselte. Heute benutzt er den Faustkampf nur noch als Ausgleichssport um sein Temperament zu kontrollieren. Ansonsten hat er bereits fünf Mal die englische Meisterschaft und einmal die Champions League geholt. Auch so manche persönliche Ehrung konnte der Angreifer einheimsen: Premier League Player of the month (5 Mal), Goal of the season (3 Mal), PFA Players‘ Player of the Year (1 Mal), etc.

Über 200 Tore hat er bis jetzt für Man United erzielt, er befindet sich damit in einer illustren Runde, umgeben von Bobby Charlton, Dennis Law und Jack Rowley. 285 Mal ist er für die „Reds“ in der PL aufgelaufen, 411 Spiele hat er insgesamt für diese absolviert. Sowohl für die englische Nationalelf als auch für die „Reds“ durfte er schon die Kapitänsschleife tragen. Unzählige Erfolge hat er zum jeweiligen Zeitpunkt als Jüngster erreicht: Jüngster Manchester-United-Kapitän, teuerster, jüngster Transfer zu den „Reds“, etc.

Auch bei den „Three Lions“ war er bis zu Theo Walcotts Einsatz im Mai 2006 der jüngste Spieler, der je für diese aufgelaufen ist. Er ist immer noch der jüngste Torschütze des englischen Teams. Kurze Zeit war er auch jüngster EM-Torschütze aller Zeiten, die EM 2004 beinhaltete auch seine bisher erfolgreichsten Auftritte für die englische Nationalmannschaft. Er wurde in das Euro 2004 All-Star-Team gewählt. Seine restliche Bilanz für die nationale Auswahl sieht aber nicht ganz so rosig aus:

2006 wurde er aufgrund eines Mittelfußbruches gerade rechtzeitig zur WM fit und konnte in Deutschland eingesetzt werden. Die englische Elf kam bis ins Viertelfinale, wo sie auf Portugal traf. Rooney sah in der 62. Minute die rote Karte.

Seine Hartnäckigkeit im Zweikampf mit einem Portugiesen fiel etwas extremer aus: Rooney musste wegen eines Trittes zwischen die Beine des am Boden liegenden Ricardo Carvalho frühzeitig vom Platz. England schied anschließend im Elfmeterschießen aus.

Die WM 2010 war für die Engländer im Achtelfinale gegen Deutschland zu Ende. Da half es auch nicht, dass Rooney dem Schiedsrichter anzeigte, dass der Ball bei Frank Lampards Lattenpendler klar hinter der Linie gewesen war. Mit dem „Wembleytor“ für die Deutschen hieß es nach 90 Minuten 1:4.

Seine Überschwänglichkeit machte dem Liverpooler Angreifer im letzten Qualifikationsspiel zur EM 2012 einen Strich durch die Rechnung: Er trat einem Montenegriner von hinten ohne Chance auf den Ball gegen das Bein und sollte für das gesamte Turnier in Polen und der Ukraine gesperrt werden. Die Briten legten aber Protest ein und Rooney versäumte nur die ersten beiden Gruppenspiele. Gegen Italien verlor man dann im Viertelfinale beim Elfmeterschießen.

Unbeherrscht

Wayne Rooney verfügt nicht nur über das Herz eines Boxers: Wille, Leidenschaft und Kampfbereitschaft. Auch sein Temperament gleicht dem eines Faustkämpfers: Ohne Rücksicht auf Verluste kracht er bisweilen in seine Gegenspieler.

In einem Ländermatch versetzte er einem spanischen Berufskollegen während eines Laufduells einen derartigen Stoß, dass sich dieser hinter den Fotografen wiederfand.

Verbalentgleisungen und Ellbogenstöße hat man von ihm leider auch schon gesehen und gehört. Höhepunkte seiner Attacken waren die oben beschriebenen Fehl-TRITTE- in Länderspielen: Die Attacke an Carvalho mit dem er offensichtlich „scrambled eggs“ zubereiten wollte und das Foul an Dzudovic, als er klar ersichtlich mit diesem Baby-Roo(ney) ausprobieren zu versuchte, eher er ihm gegen das Bein trat.

Rooney ist gemeinsam mit David Beckham jener Engländer, der bei internationalen Spielen die meisten roten Karten gesehen hat: Zwei sind es an der Zahl. In der Liga hält Wayne bei 71 Mal Gelb, zwei Mal Gelb-Rot und einmal glatt Rot.

Seine rüden Attacken brachten ihm immer wieder Kritik ein und das obwohl Wayne es eigentlich besser wissen sollte: Im August 2012 schlitzte ihm Fulham-Spieler Rodallega den Oberschenkel auf. Er landete nach einem Schussversuch auf Rooneys Bein, der sofort ins Spital gebracht wurde. Auch im Training verletzte sich Rooney bei einem Zusammenprall mit Phil Jones und erlitt einen zentimetertiefen Riss im Stirnbereich. Seinen Facebook-Freunden stellte er ein Foto zur Verfügung, als Zweifel an seiner Einsatzbereitschaft für das Nationalteam laut wurden.

Aber auch seine harten Attacken gehören irgendwo zu Rooney, sie sind die dunkle Seite eines Mannes der immer Vollgas gibt: Rooney ist  ein „aggressive leader“.

“Just enough education to perform“

…hat Wayne Rooney auf seinen rechten Unterarm tätowiert. Dies ist nicht nur der Titel seines Lieblingsalbums von den „Stereophonics“, es passt eigentlich auch gut auf ihn selbst zu:

Er sei zwar „nicht der mit der schnellsten Auffassungsgabe“ gesegnet, „aber was er hat, ist ein natürlicher Instinkt für das Spiel, ein intuitives Bewusstsein, wie Fußball funktioniert. Ein bemerkenswertes, seltenes Talent“, sagt Manchester-United-Legende und Ex-Trainer Ferguson über den Liverpooler.

Schon in seinem ersten Spiel für die „Red Devils“ gelang Rooney ein Hattrick. Seine bisherigen Saisonen verliefen durchwachsen. Wenn er nicht traf, erntete er harsche Kritik und immer wieder wurden Gerüchte um Vereinswechsel laut. 2010 beispielsweise war sich ganz England schon sicher, dass Rooney den Verein verlassen würde. Mit einem Wochengehalt von 180.000 Pfund ließ er sich allerdings doch zum Bleiben überreden.

Immer wieder durchlebte der Stürmer „Torsperren“, Fans und Medien spekulierten dann über mangelnde Fitness oder sonstige Probleme: 2006/07 gelang ihm erst im zehnten Meisterschaftsspiel sein erstes Saisontor. Zwei weitere machten jedoch einen lupenreinen Hattrick komplett. Eine typische Rooney-Antwort.

Der Angreifer ist als bulliger Mann der typische Mittelstürmer. Besonders der Weggang von Cristiano Ronaldo zu Real Madrid half ihm, als er vom Flügel ins Zentrum rücken sollte: Er ist sehr zweikampfstark und kann den Ball gut halten.  Doch jetzt macht er dem Liverpooler Robin van Persie Konkurrenz. Als der Niederländer 2012 zu den „Reds“ wechselte, spielte Rooney öfter hinter diesem und versuchte sich als ballverteilender Mittelfeldspieler. Diese Position füllte der Brite gut aus: 12 Tore und 10 Assists machte er in 27 Premier-League-Partien.

Einige denken, dass dieser Positionswechsel eine Reaktion David Moyes‘ auf Rooneys fehlende Spritzigkeit ist. Der Stürmer bringt nicht mehr so viel Dynamik ins Spiel, wie es früher der Fall war.

Fakt ist jedoch, dass der Liverpooler ein großartiger Spieler ist. Ein Vorbild an Einsatzwillen und Kampfbereitschaft. Und auch immer noch ein „Toffee“, wie er selbst behauptet.

„Ich hab‘ keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken – oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.“, sagte Sprach- und Ballkünstler Lothar Matthäus einmal. Viele Fans der „Blues“ würden es heute aber ablehnen, wenn sie mit Rooney „Toffees“ naschen müssten.

Der abseits.at – Platzheld-Check:

Name: Wayne Mark Rooney    

Alter: 28

Position: Stürmer

Dienstzeit beim Verein: Jugend: 1996 – 2002; Profis: 2002-2004

Spiele/Tore: 67/15 (Profis)

Unvergessener Moment? FA-Jugendcup-Finale 2002: Rooney trifft und zeigt sein T-Shirt: „Once a Blue, always a Blue!“ Die jungen “Blues” verlieren gegen Aston Villa, doch der Angreifer spielt sich erstmals in die Fanherzen.

Darum lieben ihn die Fans: Wayne ist ein echter „Evertonian-Boy“. Als er aufwuchs, hatte er so wenig wie die meisten anderen, die in diesem Teil von Liverpool oder in den Vorstädten leben. „Ich hasse den FC Liverpool noch immer.“, erklärt auch der Fan Wayne Rooney, wenn man ihn auf Duelle mit den Jungs von der Anfield Road anspricht.

Seine ganze Familie ist verrückt nach den „Blues“, also wurde auch der kleine Wayne ballesterisch dazu erzogen, die „Toffees“ zu lieben. Auch nach seinem Vereinswechsel bekannte er sich immer wieder zu seiner „ersten Liebe“, obwohl viele Everton-Anhänger ihn nicht mehr mögen. Der Hass lässt zwar nach, jedoch wird es immer Fans geben, die Rooney nicht „verzeihen“ wollen.

Darum liebt ihn der Verein: Vom Stadtrivalen FC Liverpool längst abgehängt, muss Everton seine Stars selbst ausbilden. Mit Rooney hatten sie einen Rohdiamanten in der Jugendakademie und konnte diesen auch bis zu den Profis halten. Als das Evertoner „Jahrhunderttalent“ jedoch nicht mehr zu stoppen war, spülte er dem Verein noch ordentlich Pfund in die Kassen: 25,6 Millionen Pounds wurden aus Old Trafford überwiesen.  Ein stolzes Sümmchen für ein 18-jähriges Supertalent und ein mehr als kleiner Trost für den Verein.  Everton kann sich also wenigstens damit schmücken, einen der erfolgreichsten englischen Profis der Gegenwart herausgebracht zu haben.

Blumenspende oder Denkmal? „We hate him so much, because we loved him so much!” “Once a Blue, now a Red, in our hearts, you are dead.” “Rooney – Judas”. Das ist leider immer noch die Grundstimmung bei vielen Everton-Fans. Besonders nach dem Transfer zu Manchester gingen die Wogen hoch und Rooney wurde bei jeder Rückkehr in den Goodison Park ausgepfiffen.

Nachdem er selbst aber nach wie vor zu seiner Fanliebe stand, kehrte langsam Ruhe ein. Auch heute muss sich der Angreifer Pfiffe und obszöne Rufe gefallen lassen, diese sind jedoch seltener geworden. Mikel Arteta, ehemaliger Everton-Spieler erklärte einst: „Ich mag es nicht wenn sich die Leute gegenüber Wayne schlecht benehmen. Er liebt Everton. Er verließ den Verein für einen großen Klub und brachte viel Geld hierher. Er hat nie etwas Schlechtes über Everton gesagt und wir mögen ihn hier.“

Rationale Gründe sprechen also gegen Fanhass gegenüber dem Ex-„Toffee“. Doch seit wann ist Fußballleidenschaft rational? Selbst ein simpler Blumengruß scheint für Wayne beim Großteil der Fans unerreichbar zu sein. Schade, denn schließlich hat er mehrmals seine immerwährende Loyalität zu den „Blues“ deklariert: And my „Toffee“-Heart will go on!

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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