Der Vorjahresmeister FC Chelsea und José Mourinho gehen ab nun getrennte Wege. Der Klub bestätigte die Meldungen der englischen Medien, die den Abgang des... Die Gründe des Scheiterns: Deshalb trennte sich der FC Chelsea von José Mourinho

Jose Mourinho lächelt_abseits.atDer Vorjahresmeister FC Chelsea und José Mourinho gehen ab nun getrennte Wege. Der Klub bestätigte die Meldungen der englischen Medien, die den Abgang des Startrainers vorwegnahmen. Der Portugiese gewann in der vergangenen Saison noch mit acht Punkten Vorsprung auf Manchester City die englische Meisterschaft, was ihm eine vorzeitige Vertragsverlängerung einbrachte. Ein wenig mehr als ein halbes Jahr danach erfolgte nun die Trennung. Der FC Chelsea steht momentan am 16. Tabellenplatz und weist bereits 20 Punkte Rückstand auf den überraschenden Tabellenführer Leicester City auf. Was ging in dieser Saison also schief? Wir sehen uns die möglichen Gründe des Scheiterns an.

Eine kleine Anmerkung vorweg: Die nun folgenden Punkte ändern natürlich nichts daran, dass José Mourinho einer der weltbesten Trainer ist, der nicht umsonst ganz große Erfolge in seiner Karriere feierte und wohl auch noch feiern wird. Wir stellen hier nicht das Fachwissen des Trainers in Frage, sondern sehen uns an, was sich im Vergleich zum Vorjahr änderte.

Keine Wunschspieler für José

Der FC Chelsea hielt sich für seine Verhältnisse und im Vergleich zur Konkurrenz am Transfermarkt relativ vornehm zurück. Es gab nur wenige hochkarätige Einkäufe: Pedro kam für 27 Millionen Euro vom FC Barcelona, der FC Augsburg freute sich über eine Ablöse von 20 Millionen Euro für Abdul Rahman Baba, wobei der Linksverteidiger in der laufenden Saison erst vier Meisterschaftseinsätze absolvierte. Torhüter Asmir Begovic sprang als Ersatzmann für Thibaut Courtois ein, nachdem Petr Cech zum FC Arsenal abwanderte. Falcao kam leihweise vom AS Monaco, doch der verletzungsanfällige Stürmer bestritt erst ein Meisterschaftsspiel von Beginn an. Den jungen brasilianischen Offensivspieler Kenedy bekamen die Fans bisher auch nur selten zu Gesicht.

Dabei hatte The Special One durchaus einige passende Kandidaten im Hinterkopf. Abwehrspieler John Stones stand ganz oben auf der Liste, doch Everton lehnte alle Angebote für den englischen Nationalspieler ab. Roman Abramowitsch war nicht bereit im Sommer ganz tief in die Tasche zu greifen und so blieben auch Wunschspieler wie Raphael Varane und Paul Pogba außer Reichweite.

Im Gegensatz dazu rüstete die Konkurrenz auf. Manchester City leistete sich beispielsweise Neuverpflichtungen wie Kevin De Bruyne (74 Millionen), Raheem Sterling (62,5 Millionen €) und Nicolas Otamendi (44,6 Millionen €).

Die Rechnung für den kurzfristigen Erfolg?

Dabei hätte der FC Chelsea nicht einmal unbedingt so viele Transfers tätigen müssen, wenn in der Vergangenheit die Talente ein wenig mehr Vertrauen, beziehungsweise Zeit bekommen hätten. Als Beispiel seien hier Romelu Lukaku und der bereits oben erwähnte De Bruyne angeführt. Der Everton-Stürmer weist in der heurigen Saison nach 16 Meisterschaftsspielen zwölf Tore und vier Assists auf und befindet sich in der Torschützenliste hinter Jamie Vardy auf Platz 2. Der Belgier bat damals seinen Trainer um den Transfer zu den Toffees, da er aufgrund der bevorstehenden Weltmeisterschaft unbedingt Spielpraxis benötigte und diese beim FC Chelsea nicht erhielt.

Mit Kevin De Bruyne blühte ein weiterer Spitzenspieler auf, nachdem er unter Jose Mourinho nicht zum Zug kam. The Special One setzte den Mittelfeldspieler insgesamt in nur drei Meisterschaftsspielen ein. Aufgrund des großen Kaders in den vergangenen Jahren war es natürlich nicht immer einfach den jungen Talenten genügend Spielpraxis zu geben. Doch eine langfristige strategische Ausrichtung hätte wohl gerade die beiden oben genannten Spieler stärker in den Fokus gerückt.

Getrübte Wahrnehmungen und Unruhe

Jose Mourinho sorgte in einigen Interviews für Verwunderung unter den Medien und Fans, weil er immer wieder betonte, dass die Ergebnisse nicht die Leistungen wiederspiegeln würden. Manchmal mag etwas Wahres daran gewesen sein, aber die Art und Weise der Aussagen zeigten doch, dass er zumindest nach außen hin die Verschiebung der Machtverhältnisse nicht wahrhaben wollte. Nach der klaren 3:0-Niederlage gegen Manchester City am zweiten Spieltag der Premier League meinte er, dass dieses Ergebnis nicht „echt“ sei und er es nicht akzeptieren würde. Aussagen dieser Art waren im weiteren Verlauf der Meisterschaft immer wieder zu hören.

Desweiteren brachte Mourinho Unruhe in den Verein, beispielsweise mit der Degradierung der Mannschaftsärztin Eva Carneiro, die nicht nur bei den Fans beliebt war, sondern auch einen sehr guten Draht zu den Spielern hatte. Mourinho warf der Ärztin Naivität vor, als sie Eden Hazard auf dem Spielfeld behandelte, obwohl dieser nach Ansicht des Trainers keine ernsthafte Verletzung erlitt, den Rasen aber wegen der Behandlung für eine kurze Zeit verlassen musste. Für die Medien war diese Auseinandersetzung und die darauffolgende Klage der Ärztin ein gefundenes Fressen. Zudem dürften sich auch zwischen der Mannschaft und dem Trainer einige Spannungen gebildet haben.

Formschwäche der Leistungsträger

Das größte Problem in der bisherigen Saison ist jedoch, dass die wichtigsten Spieler nicht mehr ihre Leistungen vom Vorjahr abrufen können. Eden Hazard erzielte in den letzten beiden Saison jeweils 14 Treffer für den FC Chelsea und glänzte mit neun beziehungsweise sieben Assists auch als Vorbereiter. Nach 16 Premier-League-Partien in der laufenden Saison wartet der Belgier immer noch auf sein erstes Tor und konnte bisher nur zwei Assists beisteuern. Der 35-jährige Abwehrchef John Terry kommt nun auch in ein Alter, in dem man ihm die mangelnde Spritzigkeit ansieht. Unvergessen bleibt in der laufenden Saison seine Auswechslung zur Pause gegen Manchester City und auch im jüngsten Meisterschaftsspiel gegen Leicester City wirkte er gegen den schnellen Jamie Vardy überfordert und musste vorzeitig duschen gehen. Diego Costa schoss in der vergangenen Saison in 26 Meisterschaftsspielen 20 Treffer, heuer erzielte er in 13 Spielen drei Tore und fällt neben seiner schwachen Form in erster Linie durch Provokationen auf. Der Spanier wirkt weit nicht so fit wie in seiner ersten Saison für den FC Chelsea. So wie Eden Hazard wartet auch Cesc Fabregas auf seinen ersten Treffer in der aktuellen Spielzeit. Der Spanier glänzte auch in der Vergangenheit mehr als Vorbereiter und kam 2014/15 auf unglaubliche 18 Assists. Heuer bereitete er bisher zwei Treffer vor. Fabregas wirkte im vergangenen Jahr in der Hinrunde deutlich stärker und ließ im Frühjahr nach – er scheint seine schwächer werdende Form auch in die neue Saison mitgenommen zu haben. Weitere Leistungsträger aus dem Vorjahr wie Branislav Ivanovic und Nemanja Matic konnten heuer ebenfalls nur selten überzeugen, wobei insbesondere Erstgenannter einige katastrophale Leistungen ablieferte.

Hiddink soll es übergehend richten

Laut diversen Medienberichten hat der FC Chelsea bereits einen Nachfolger für José Mourinho gefunden – allerdings nur auf Interimsbasis. Der Niederländer Guus Hiddink soll die Blues bis zum Saisonende trainieren. Der ehemalige Coach der niederländischen Nationalmannschaft leistete sich eine katastrophale EM-Qualifikation und schloss die Gruppe A auf dem vierten Platz hinter Tschechien, Island und der Türkei ab.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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